Möriken
Er ist 18 Jahre alt und hat bereits ein eigenes Orchester

Jonas Bürgin aus Möriken spielt Geige, Klavier und ist angehender Dirigent. Er erklärt, was seine Hände alles können müssen.

Janine Gloor
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Jonas Bürgin leitet mit 18 Jahren schon sein eigenes Orchester.

Jonas Bürgin leitet mit 18 Jahren schon sein eigenes Orchester.

Janine Gloor

Er ist erst achtzehn Jahre alt und dirigiert schon sein eigenes Kammerorchester. Jonas Bürgin aus Möriken spielt Violine und Klavier, studiert Dirigieren und will Berufsmusiker werden.

Mit fünf Jahren begann Bürgin, Geigenunterricht zu nehmen, in der zweiten Bez wurde für ihn klar, dass er Berufsmusiker werden wollte. Seit dieser Entscheidung ist sein Leben von der Musik völlig ausgefüllt. Er besucht das Kunst- und Sportgymnasium in Zürich, morgens findet der Schulunterricht statt, die Nachmittage und Abende sind für Instrumentalunterricht, Proben, Konzerte und üben reserviert.

Normalerweise übt Bürgin jeden Tag 2 bis 3 Stunden Geige, etwa anderthalb Stunden Klavier und 3 Stunden dirigieren. Am Wochenende oft auch mehr. Für den Laien eine erschreckend hohe Zahl. Nicht so für Bürgin: «Ich lebe meinen Traum.» Es ist ein sehr erwachsen wirkender 18-Jähriger, der über die Verwirklichung seines Traums und den Preis, den er damit in Kauf nimmt, erzählt. Die jungen Musiker sind untereinander befreundet, man verbringt viel Zeit miteinander und geht nach einer Probe oder einem Konzert oft gemeinsam essen. Doch wenn es sich um einen Wettbewerb oder um Aufnahmeprüfungen handelt, werden aus den Freunden Konkurrenten.

Linke Hand ist frei von Regeln

Bürgin ist seit je fasziniert von der Kunst des Dirigierens, schon als Kind bewegte er sich mit dem Taktstock zur Musik. Seit letzten Sommer nimmt er auch Unterricht und erhält nebenbei Impulse vom bekannten Dirigenten Douglas Bostock. Wie lernt man dirigieren? Der Auftritt mit einem Orchester ist nur ein ganz kleiner Ausschnitt aus dem Leben eines Dirigenten. «Als erstes muss die richtige Taktstocktechnik geübt werden, ein Dirigent muss zuverlässig den Takt anzeigen können», sagt Bürgin. Danach kommt die Partitur. Die Partitur ist das Notenblatt, auf dem alle Stimmen verzeichnet sind. Ziel des Dirigenten ist, sie alle auswendig zu können. Bürgin übt stundenlang Stimme für Stimme, bis er in seinem Kopf alle zu einem Stück zusammenfügen kann.

Dazu bewegt er unaufhörlich die Hände, die rechte zeigt mit dem Stock den Takt an, die linke interpretiert wie eine Ballerina mit Bewegungen die Musik. «Dirigieren hat sehr viel mit Tanz zu tun», sagt Bürgin. Im Gegensatz zur rechten gibt es bei der linken keine universellen Gesten, jeder Dirigent entwickelt seine eigene Handschrift.

Beim Orchester «Junge Zürcher Harmoniker», das Bürgin anfangs 2015 gegründet hat, spielen 12 Studienkollegen mit, unter anderem auch die bereits international als Solistin tätige 17-jährige Geigerin Hani Song. Für die jungen Musiker ist das ein zusätzlicher Abend, den sie zugunsten der Musik opfern müssen. Doch im Gegensatz zu den grossen Orchestern, die unter anderem zum Pflichtprogramm gehören, dürfen sie hier mitreden. «Es ist für uns alle eine gute Erfahrung. Als Orchesterleiter will ich nicht einfach nur bestimmen, sondern auf die Spieler eingehen. Ich möchte die technisch extrem hohen Einzelleistungen, die individuellen Interpretationsideen und die gemeinsame Passion für die Musik in diesem Orchester vereinen», erklärt Bürgin. Das Mitspielen im jungen Orchester soll aber auch Spass machen. Am Wochenende treten die Musiker in dieser Formation zum ersten Mal auf.

Wie es für ihn beruflich weitergehen soll, kann Bürgin noch nicht genau sagen. Die Jobsuche als Berufsmusiker ist kein Zuckerschlecken. Man dürfe sich nicht zu fest auf etwas fixieren, meint Bürgin. Orchester gründen, leiten, selber als Violinist in einem Orchester mitspielen, aber auch unterrichten gehören zum Musikerberuf. «Natürlich wünscht sich jeder Dirigent, einmal ein grosses Orchester wie die Wiener Philharmonikern zu dirigieren», sagt Bürgin lächelnd. Ob dies wahr wird, ist nicht klar. Zu wünschen wäre es ihm.

Konzert Samstag, 30. Mai, 19.30 Uhr. Künstlerhaus Boswil, Alte Kirche. Eintritt frei, Kollekte.

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