Lenzburg

Er bekam das schönste Geschenk aus der Wisa Gloria

Der Lenzburger Urs F. Meier erzählt vom besten Weihnachtsgeschenk, das er und seine fünf Brüder je erhalten haben.

Seit über 30 Jahren leuchtet der Tannenbaum am Haus von Urs F. Meier am Freischarenplatz. Er gehört zum Stadtbild. Das musste der ehemalige Inhaber des gleichnamigen Innendekorationsgeschäfts merken, als er eines Jahres auf den Baum verzichtete und eine kleinere Dekoration auf den Fenstersimsen einrichtete.

«Da habe ich in ein Wespinest gestochen», sagt er und lächelt. Zahlreiche Rückmeldungen habe er erhalten, das gehe doch nicht. Ein Frau sei extra aus Brugg angereist, um den Tannenbaum zu sehen. Fortan getraute sich Meier nicht mehr, den Lichterbaum zu reduzieren oder zu fällen. An Heiligabend brennen die Lichter die ganze Nacht hindurch.

Kinder interessieren sich vor allem für Spielsachen

Viele Jahre bevor er den Weihnachtsschmuck an der Fassade montiert hat, war Urs F. Meier ein kleiner Bub und hat mit seinen Eltern und den fünf Brüdern Weihnachten gefeiert. Die Welt mag sich seither verändert haben doch manches blieb gleich.

Kinder interessieren sich an Weihnachten vor allem für Spielsachen. Meier und seine Brüder hatten Glück, wuchsen sie doch in einer Stadt mit einer formidablen Spielzeugfabrik auf. Weil seine Eltern bekannt waren mit den Besitzern der Wisa Gloria, durften die Buben vor Weihnachten jeweils einen Ausflug in die Fabrik machen.

Was sie da erblickten, lässt Urs. F. Meier auch heute begeistert erzählen. All die nigelnagelneuen, glänzenden Schaukelpferde, Dreiradvelos und Lastwagen mit Kippmulde. Bei manchen Stücken wurde das Metall beschichtet, andere wurden in der Polsterei weiterverarbeitet.

Ein Kindertraum

«Wir durften zuschauen, wie die schönen Sachen für den Transport verpackt wurden», sagt er. Er erinnert sich noch an das Zelt, das auf dem Perron am Bahnhof aufgestellt wurde, damit die Schmuckstücke nass wurden. «In der Wisa Gloria ging es vor Weihnachten drunter und drüber», sagt Meier. Ein Kindertraum.

Und für die Meier-Brüder war im Traum auch ein Stück Realität. Jedes Jahr erhielten sie vom Beisitzer-Paar ein Geschenk. Ein brandneues Spielzeug direkt ab der Fabrik. Und Urs F. Meier erinnert sich noch gut an das schönste Geschenk, dass sie aus der Wisa Gloria erhielten: ein rotes Trampiauto.

Eine ganz edle Seifenkiste

Ferrarirot sei es gewesen, aus Holz, mit einer Fahrersitz und einem Kühler. «Wie ein kleines Auto», sagt Meier. Ein Auto und sechs Buben, das ist Grund für Streit. Den gab es auch, bestätigt Meier und lacht. Aber auch viel Spass.

Am Bölli fanden die Buben eine geeignete Rennstrecke und rasten die Brunnmattstrasse hinunter. «Eine ganz edle Seifenkiste hatten wir da.» Manchmal leerten sie aus, dieses Risiko nahmen die waghalsigen Piloten in Kauf.

Später waren die Buben alt genug für einen anderen Spielzeugklassiker unter dem Weihnachtsbaum. Sie erhielten eine elektrische Modelleisenbahn der Firma Wesa.

«Viele Leute gönnten sich zu Weihnachten etwas»

Wie in vielen anderen Stuben wurde die ganze Anlage an Weihnachten aufgebaut, um die Neuzugänge bei einer Fahrt um den Weihnachtsbaum auszuprobieren.

Auch als aus dem Bub ein Mann geworden war, der das Innendekorationsgeschäft der Familie übernommen hatte, blieb Weihnachten ein schönes Ereignis. Und das nicht nur wegen des guten Umsatzes. «Viele Leute gönnten sich zu Weihnachten etwas», sagte er.

Neue Vorhänge oder eine Auffrischung für den Fauteuil. Trotz der vielen Arbeit habe er Weihnachten nie als Last empfunden, sagt Urs F. Meier. Das F steht übrigens für Felix, der Glückliche. Und so wirkt er auch.

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