Seetal
«Entwicklung ohne Grenzen am Laufen halten»

Auf dem Hallwilersee wurde eine «Vereinbarung zur kantonsübergreifenden Zusammenarbeit» unterzeichnet.

Fritz Thut
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Im Beisein von Regierungsrat Peter C. Beyeler unterzeichneten die Verantwortlichen der regionalen Trägerschaften der Kantone Aargau und Luzern auf der MS «Seetal» die «Vereinbarung zur kantonsübergreifenden Zusammenarbeit». Genau wie die Kantonsgrenze auf dem Hallwilersee nicht sichtbar ist, sollen künftig Projekte ohne künstliche Hemmnisse angegangen werden.

Die Präsenz von Gemeinde- und Kantonsvertretern beidseits der Grenze sowie deren Applaus nach der Vertragsunterzeichnung, die genau auf der unsichtbaren Seegrenze stattfand, unterstrichen die Bedeutung des Abkommens.

Erster Anlauf gescheitert

Die Vereinbarung regelt, so heisst es in der Präambel, «die partnerschaftliche Zusammenarbeit und das Vorgehen bei der Realisierung und Koordination von kantonsübergreifenden Entwicklungsaufgaben nach gemeinsamen Zielsetzungen». Sie wurde unterschrieben von Ruedi Baumann und Gabi Lauper Richner (Präsident und Vizepräsidentin des Regionalplanungsverbandes Lenzburg-Seetal) für die Aargauer Seite sowie Franz Bucher (Präsident des Netzwerks Gemeinden der Idee Seetal AG) für die Luzerner Seite.

Die abstrakte Vorgabe-Formel der Vereinbarung wird im Thesenpapier «Seetal – Themen, Visionen, Massnahmen» konkreter. Nachdem ein erster, akademischer Anlauf zur Ausarbeitung eines Kantonsübergreifenden Entwicklungskonzepts (KEK) Seetal bei den Gemeindevertretern durchgefallen war, nahmen diese das Heft in die Hand. In nur fünf Sitzungen erarbeitete ein Ausschuss das nun unterzeichnete Abkommen.

Papier geprägt von Solidarität

Die beiden Ausschuss-Sprecher Rolf Jäggi (Gemeindeammann Egliswil) und Cornelius Müller (Gemeinderat Hitzkirch) stellten den auf dem Schiff versammelten Abgesandten Visionen und Stossrichtungen vor zu acht definierten Bereichen: Koordination, Landschaft und Natur, Land- und Forstwirtschaft, Siedlung, Tourismus und Freizeit, Mobilität und Verkehr, Wirtschaft sowie Energieproduktion.

Gemäss Jäggi ist das Grundlagenpapier «vom Gedanken der Solidarität geprägt». An die Adresse von Regierungsrat Beyeler gewandt, hielt er fest, dass man nicht aus purer Lust am Widerstand gegen Vorschläge aus dem Baudepartement opponiert habe, sondern «weil wir visionäre Ideen haben». Für Müller geht es nun erst recht los: «Wir haben ein einziges Seetal; packen wirs an.»

Zur Umsetzung der von verschiedenen (teilweise bereits angedachten) Massnahmen setzen die beiden Trägerorganisationen RPV Lenzburg-Seetal und Idee Seetal AG eine paritätisch zusammengesetzte Begleitgruppe mit 6 bis 8 Mitgliedern ein. «Hier wollen wir Leute, die weiter am Karren ziehen», erstellte Bucher ein Anforderungsprofil, denn «im nächsten Frühling erwarten wir erste Ergebnisse».

Eine Idee betrifft beispielsweise die Ausdehnung des Rangerbetriebes, der seit heuer am Hallwilersee im Einsatz ist, auf den Baldeggersee. Chef-Ranger Bruno Fürst berichtete über erste Erfahrungen und «Müsterchen» des Aufsichts- und Informationsdienstes.

«Seetal ist kein ‹Ballenberg›»

In seiner Grussbotschaft sang Baudirektor Beyeler ein Loblied auf das Seetal: «Die Menschen hier leben im Paradies. Es handelt sich um ein landschaftliches Juwel.» Zu dem müsse man Sorge tragen, gerade in «Zeiten, in denen der Druck aufs Seetal steigt». Alle Beteiligten seien gefordert, man müsse Entscheide bewusster einleiten. Mit dem Abkommen werde der «Prozess ohne Grenzen am Laufen gehalten»: «Man muss die Region mit Intelligenz und Geist entwickeln.»

Beyeler sprach sich aber auch gegen übertriebenes Glasglockendenken aus: «Wir können niemandem verbieten, an den Hallwilersee zu kommen. Die Natur akzeptiert relativ viel. Das Seetal ist kein ‹Ballenberg›.»

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