«Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.» Das steht auf einem Schild im Büro der Firma «Carrosserie-Spritzwerk Iseini » in Dättwil.

Deren Besitzer Haki Iseini steht ein langer Weg bevor. Der Mazedonier will mazedonisch-schweizerischer Doppelbürger werden.

«Weil ich mich in der Schweiz zu Hause fühle, aber trotzdem will, dass meine Kinder einen Bezug zur Herkunft ihrer Eltern haben», sagt der 35-Jährige. Deshalb hat er in seiner Wohngemeinde Dintikon ein Einbürgerungsgesuch gestellt. Die Stimmbürger lehnten das Gesuch von Familie Iseini sowie das einer russischen Familie ab. Kommentarlos, aber eindeutig.

Er sei zwar enttäuscht, aber nicht überrascht, sagt Iseini . «Ich weiss, dass es eine Person gibt, die im Dorf gegen uns Stimmung gemacht hat. Dass dies aber eine so grosse Wirkung hat, hätte ich nicht gedacht.»

Er vermutet, dass es sich um dieselbe Person handelt, die im Rahmen des Publikationsverfahrens des Einbürgerungsgesuches eine Eingabe gemacht hatte. «Darin stand, ich hätte zu wenig Zeit, um meine Familie zu integrieren», sagt Iseini . «Meine jüngere Tochter ist einjährig – wie soll ich sie integrieren?» Die ältere gehe in die Meitliriege, sei in der zweiten Klasse und schreibe fast nur Sechser. Und seine Frau, Fatime? «In der Versammlungs-Vorlage stand, sie sei seit 2003 in der Schweiz. Das ist falsch. Sie kam 1996, ging hier zur Schule und muss nicht mehr integriert werden.»

Iseinis Muttersprache ist Albanisch. Er spricht Schweizerdeutsch mit Akzent, drückt sich aber eloquent aus, wenn er erzählt, wie sehr ihn der Entscheid der Stimmbürger frustriert. Während Fatime Iseini die Ablehnung mit Humor nimmt («Sie witzelt ständig, ich sei halt zu wenig integriert»), stört sich ihr Mann daran, dass er der Willkür einer Dorfgemeinschaft ausgeliefert ist. Er ist überzeugt: In einer anderen Gemeinde wäre er, der jährlich bis zu 20000 Franken Steuern zahle, problemlos eingebürgert worden.

Seit 25 Jahren in der Schweiz

Iseini wurde 1980 in Mazedonien geboren. Sein Vater kam Ende der 70er-Jahre in die Schweiz, Haki und sein Bruder 1991 im Rahmen des Familiennachzugs. Er besuchte hier die Schule, machten eine Lehre als Carrosseriespengler. Nach der Ausbildung beschäftigte ihn der Lehrbetrieb weiter. Iseini absolvierte eine Zusatzausbildung als Autolackierer, wurde Werkstattchef. Er verliebte sich in die Schwester seiner Schwägerin, heiratete. Die Familien leben seit acht Jahren Tür an Tür. Weil die Schwägerin auf die Kinder aufpasst, kann Fatime Iseini in einem 70-Prozent-Pensum arbeiten.

Vor vier Jahren machte sich Haki Iseini selbstständig. Im Sommer verlegte er seinen Betrieb von Bellikon nach Dättwil, wo er mehr Platz hat. Er beschäftigt einen Lernenden und einen Angestellten. «Dennoch arbeite ich sechs Tage die Woche mindestens zehn Stunden», sagt Iseini . «Das Wort ‹selbstständig› bedeutet: Es gibt ständig etwas zu tun. Meine Frau hat viel Verständnis dafür. Manchmal kommt sie mit den Kindern hierher und wir essen gemeinsam.»

Seine knappe Freizeit verbringe er mit der Familie, nicht am Stammtisch. Und genau dies nähmen ihm die Dintiker – er kenne «etwa 20 Leute im Dorf» – offenbar übel. «Sie wollen wahrscheinlich, dass ich in irgendeinem Verein mitmache», sagt Iseini . «Ich habe zwei kleine Kinder und baue gerade ein Geschäft auf. Zwar gehe ich an jedes Dorffest, bin aber sonst nicht oft im Dorf. Ich wünschte, dafür hätten die Leute Verständnis.» Er krampfe, um Erfolg zu haben. «Das machen die Schweizer doch auch.»

Iseini glaubt nicht, dass seine Familie abgelehnt wurde, weil er Moslem ist. «Wir sind gemässigt. Meine Frau trägt kein Kopftuch.» Eher sei es so, dass die «Ur-Dintiker», wie er sie nennt, keine Leute «aus dem Osten» mögen. «Man hat viel gebaut und vermutlich nicht geglaubt, dass sich Menschen aus dem Kosovo oder der Türkei diese Wohnungen leisten können», sagt er. «Aber jetzt hat es viele Ausländer. Und die Dintiker haben Angst um ihr Dorf.» Tatsächlich zeigt ein Blick in die Statistik: Vor zehn Jahren lag der Ausländeranteil in Dintikon bei 11 Prozent, Ende 2014 waren es 24 Prozent. In kaum einer anderen Gemeinde ist der Ausländeranteil so stark angestiegen.

An der Gmeind waren 89 von 1299 Stimmberechtigten anwesend, das sind keine 7 Prozent. Sie lehnten die Einbürgerung mit 26 Ja zu 46 Nein ab. «Ich erhebe Beschwerde beim Regierungsrat», sagt Iseini.

«Die wenigen Anwesenden waren zum grossen Teil gegen uns – obwohl sie uns nicht kennen, wir alle Kriterien erfüllen und sich der Gemeinderat für unser Gesuch ausgesprochen hat.» Die Chancen stehen gut, dass der Regierungsrat das Gesuch zur Neubeurteilung an die Gmeind zurückweist. Lehnt diese erneut ab, könnte letztlich der Regierungsrat einbürgern. Familie Iseini steht so oder so ein langer Weg zum roten Pass bevor.

«Ich habe zwei kleine Kinder und baue gerade ein Geschäft auf. Zwar gehe ich an jedes Dorffest, bin aber sonst nicht oft im Dorf. Ich wünschte, dafür hätten die Leute Verständnis.»