Lenzburg

Energieversorger unter Druck: Alternative Einnahmen müssen gefunden werden

Das Werkhof-Areal mit dem Sitz der SWL Energie AG (hinten) und Provisorien des von einem Brand zerstörten Forstwerkhofs.

Das Werkhof-Areal mit dem Sitz der SWL Energie AG (hinten) und Provisorien des von einem Brand zerstörten Forstwerkhofs.

Einwohnerrat Adrian Höhns unorthodoxe Überlegungen zur Entwicklung im Werkhof-Areal kommen beim Stadtrat Lenzburg nicht gut an.

Bis im Frühling 2020 will der Bundesrat die Eckdaten für die vollständige Liberalisierung des Strommarkts vorlegen. Der zunehmende Wettbewerb erhöht den Margendruck und hat negative Auswirkungen auf die Erträge der Energieversorger.

Einwohnerrat Adrian Höhn (GLP) sieht deshalb düstere Wolken über dem Lenzburger Energieversorger SWL Energie AG aufziehen. Bereits im Mai dieses Jahres habe die SWL für 2018 einen um 30 Prozent gesunkenen Ertrag kommunizieren müssen. Gleichzeitig habe Geschäftsführer Markus Blättler sich wenig optimistisch zur künftigen Ertragsentwicklung der SWL geäussert.

Adrian Höhn glaubt, dass die Zeiten der SWL Energie AG als Cashcow seiner Besitzerin, der Stadt Lenzburg, früher oder später zu Ende gehen. Er ist überzeugt: «Längerfristig steht die SWL Energie AG vor grösseren Problemen.»

In einer Anfrage an den Stadtrat verlangte er deshalb Auskunft über die längerfristigen Pläne der Stadt Lenzburg mit der SWL Energie AG. An der letzten Einwohnerratssitzung hat Stadtammann Daniel Mosimann diese beantwortet und festgehalten: «Die SWL Energie AG ist unsere Firma und soll nicht veräussert werden.»

Baulandreserve «altes  Zeughaus» nicht opfern

Der 38-jährige IT-Spezialist Höhn lässt sich von dieser Antwort in seinen Überlegungen nicht stoppen. Er plädiert für einen Verkauf der SWL Energie AG. «Im jetzigen Zeitpunkt könnte sicher ein höherer Verkaufspreis erzielt werden, als dies in Zukunft der Fall sein wird.»
Eine Veräusserung der SWL, so folgert Höhn, würde zu einer markanten Entlastung bei den Investitionsvorhaben der Stadt führen.

Zur Erinnerung: Die SWL Energie AG platzt aus allen Nähten. Deshalb ist im Werkhof-Areal ein Ausbau vorgesehen. Im aktuellen Finanzplan sind dafür 15,5 Millionen Franken eingestellt. Höhns Meinung: Ohne den Energieversorger könnte für Werkhof und Forstwerkhof, heute auf demselben Areal angesiedelt, eine redimensionierte Lösung realisiert werden. Woanders in der Stadt und kostengünstiger.

In diesem Fall würde das Werkhof-Areal freigeschaufelt und wäre frei für eine anderweitige Bebauung. Höhn hat auch schon eine Idee: «Hier könnte die Kantonsschule erstellt werden, falls Lenzburg den Zuschlag erhält.» Mit rund 16000 Quadratmetern ist das Werkhof-Areal zwar kleiner als die Fläche beim alten Zeughaus, die der Stadtrat als möglichen Standort für die Mittelschule vorsieht, doch ist das nach Ansicht von Höhn kein Hindernis: Einerseits könne im Werkhof-Areal höher gebaut werden als im alten Zeughaus. Anderseits wären in unmittelbarer Nachbarschaft weitere Raumkapazitäten vorhanden. Zum Beispiel der ehemalige UFA-Futtersilo, der seit Jahren vor sich hin rottet.

Verkehrstechnisch ist das Werkhof-Areal zudem günstig gelegen: Es ist vom Bahnhof her innerhalb weniger Fussminuten erreichbar. Sowohl von den Bahnhöfen Lenzburg als auch Möriken-Wildegg gibt es eine Busverbindung in die Nähe.

Adrian Höhn hat sein Gedankenspiel dem Stadtrat und den Ratskollegen an der letzten Sitzung vorgetragen. Er ist überzeugt von dieser Lösung. Zum einen könnte das Gebiet inklusive Wisa-Gloria-Areal aufgewertet werden. Zum andern bliebe Lenzburg mit dem alten Zeughaus eine der «letzten grösseren ungenutzten Wohnbauflächen» erhalten.

Ein zweites «Samedan» vermeiden

Einwohnerrat Höhn möchte vermeiden, dass der Stadt mit der SWL Energie AG dasselbe Schicksal droht, wie mit dem Lenzburger Ferienhaus in Samedan. Man habe erfahren, was passiere, wenn sich die gesetzlichen Spielregeln veränderten. Der Wert der Liegenschaft im Engadin hat nach der Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative gelitten. Aktuell werde im Stadtrat wieder über einen Verkauf nachgedacht, sagt Höhn.

Vom 2005 erhofften Verkaufserlös von bis zu 3,8 Millionen Franken sei man jedoch weit entfernt. Zur Erinnerung: In einer Referendumsabstimmung hatte das Volk 2006 den Verkaufsentscheid des Einwohnerrats über den Haufen geworfen. Die Lenzburger waren nicht bereit, ihr Ferienhaus aufzugeben.

Werkhof-Areal steht für Kanti nicht zur Debatte

Was hält der Stadtrat von Höhns Szenario? Offensichtlich nicht viel. „Das ist keine Option für Lenzburg“, erklärt Stadtammann Daniel Mosimann. Die Lösung sei nicht praktikabel. Mosimann nennt dafür verschiedene Gründe. Der wichtigste: Der Werkhof gehöre nicht zu den im Januar von der Stadt eingereichten potenziellen Mittelschulstandorten.

Zudem gebe es weitere Argumente, welche gegen Höhns Vorschlag sprächen: Der Sitz der SWL Energie AG müsste der neuen Nutzung des Areals weichen und abgebrochen werden. Das sei nicht nachhaltig. Auch sei der Standort für Werkhof und Forstwerkhof für deren Einzugsgebiete ideal gelegen.

Zu Höhns Feststellung, dass Lenzburg mit dem Bau der Kanti im alten Zeughaus eine der letzten grössere Wohnbaureserve verliere, sagt Mosimann. «Mit dem Seifi-Areal am Rande der Altstadt verfügt Lenzburg über ein weiteres grösseres Grundstück, das in Zukunft entwickelt werden kann.» Für den Stadtrat, so Mosimann, sei das alte Zeughaus der optimale Standort für eine Mittelschule.

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