Thomas N.
Ende der Total-Überwachung: Der Mörder von Rupperswil ist nicht mehr im Sicherheitstrakt

Der mutmassliche Vierfachmörder von Rupperswil wurde während Monaten rund um die Uhr von zwei Personen überwacht. Kostenpunkt: 52'000 Franken pro Monat. Doch damit ist nun Schluss: Thomas N. ist jetzt gewöhnlicher U-Häftling. Die Videoüberwachung wurde ausgesetzt.

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Hier soll Thomas N. künftig nicht mehr einsitzen: der Sicherheitstrakt im Zentralgefängnis von Lenzburg. (Archivbild)

Hier soll Thomas N. künftig nicht mehr einsitzen: der Sicherheitstrakt im Zentralgefängnis von Lenzburg. (Archivbild)

Peter M. Schulthess

Thomas N. hat im Zentralgefängnis der Justizvollzugsanstalt Lenzburg eine neue Zelle bezogen. Laut Recherchen des «SonntagsBlick» sitzt der mutmassliche Mörder von Rupperswil nicht länger im Sicherheitstrakt, sondern in der allgemeinen Abteilung für Untersuchungshäftlinge.

Erst kürzlich sorgten die enormen Kosten für die Rundum-Überwachung des mutmasslichen Mörders von Rupperswil für Schlagzeilen: Mehr als 150'000 Franken liess es sich der Kanton kosten, einen Selbstmord von Thomas N. zu verhindern. Damit scheint nun aber Schluss zu sein, wie Hans Peter Fricker, Generalsekretär des Departements Volkswirtschaft und Inneres, gegenüber dem «SonntagsBlick» erklärt: «Der Beschuldigte wurde in eine Zelle ohne Videoüberwachung verlegt. Massgebend dafür waren die ärztliche Beurteilung und der Stand des Strafverfahrens.»

Kiosk, Bibliothek und eine Stunde Hofgang

Als «normaler» Untersuchungshäftling habe Thomas N. Zugang zum Anstaltskiosk und zur Bibliothek. Fiona Strebel von der Aargauer Staatsanwaltschaft erklärte gegenüber dem «SonntagsBlick»: «Auch TV-Geräte in den Zellen sind vorgesehen.» Wenn die Staatsanwaltschaft dies verhindern wolle, brauche es sachliche Gründe.

«Im vorliegenden Fall sind jedoch keine Gründe mehr da, um von den all­gemein für die U-Haft geltenden Bedingungen abzuweichen», so Strebel weiter. Thomas N. dürfe pro Tag eine Stunde im Hof spazieren. Wie bei allen Unter­suchungshäftlingen würden seine Besuche und seine Post von der Staatsanwaltschaft kontrolliert.

Amtschef bestätigt die Verlegung

Für U-Häftlinge bestehe keine Arbeitspflicht, wie der «SonntagsBlick» weiter in Erfahrung bringt. Sofern es genügend zu tun gibt, dürften sich die Insassen jedoch auf Wunsch betätigen. Im Angebot seien Körbeflechten, Buchbinden oder Wäsche waschen. Ob auch Thomas N. arbeitet, ist nicht bekannt.

Im Sicherheitstrakt, in dem er bisher untergebracht war, herrscht ein anderes Regime. Die Zellen sind spartanisch eingerichtet. Häftlinge werden von anderen Gefangenen isoliert. Die Aufseher sind in Selbstverteidigung geschult.

Hier sass Thomas N. vor seinem Umzug in die allgemeine Untersuchungshaft ein. Blick in eine Isolationszelle im Zentralgefängnis Lenzburg:

Isolationszelle im Zentralgefängnis Lenzburg
3 Bilder
Isolationszelle
Isolationszelle

Isolationszelle im Zentralgefängnis Lenzburg

Emanuel Freudiger

Pascal Payllier (50), Chef des Aargauer Amts für Justizvollzug, bestätigt die Verlegung von Thomas N. gegenüber dem «SonntagsBlick». «In die Sicherheitsabteilung kommen Untersuchungsgefangene, wenn eine engmaschige Überwachung notwendig ist, etwa bei einer möglichen Fremdgefährdung oder bei Unklarheit über eine mögliche Selbstgefährdung.» (luk)