Lenzburg

«Emma und der Mondmann» – die Puppenspielerin über ihre Lieblingsfigur

Emma, gespielt von Priska Praxmarer, begegnet dem Mondmann, der auf der Erde bislang vergebens nach Freunden sucht.

Emma, gespielt von Priska Praxmarer, begegnet dem Mondmann, der auf der Erde bislang vergebens nach Freunden sucht.

An den 19. Theatertagen sorgt die freche Göre Emma für viel Aufregung auf der Bühne. Puppenspielerin Priska Praxmarer erzählt, weshalb sie diesen Charakter besonders gerne spielt.

Emma hat lange rote Haare. Riesengrosse Augen und einen grossen Mund. Er steht für Emmas grosse Klappe, vor der nichts und niemand sicher ist. Und sie trägt Cowboy-Stiefel, mit denen sie ganz schön stämpfelen kann, wenn das Temperament mit ihr durchgeht.

Aber halt: Emma ist nur eine Puppe, Hauptdarstellerin im Stück «Emma und der Mondmann», das an den kommenden 19. Theatertagen im alten Gemeindesaal, unter dessen Arkaden und auf dem Metzplatz auf die Bühne kommt.

Emma verdankt ihre Überschwänglichkeit und Lebhaftigkeit, ihren Wortwitz, ihre Wut und Trauer ihrer Darstellerin, der Puppenspielerin Priska Praxmarer. Es falle ihr gar nicht schwer, diesen Charakter zu spielen, verrät Praxmarer, er habe sehr viel mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. «Als Mädchen im Sandwich von zwei Buben musste ich früh lernen, mich zu wehren.» Hinzu kommt, dass die Geschichte des kleinen Mondmanns, dem Bilderbuch von Tomi Ungerer, in der Kindheit Praxmarers erklärte Lieblingslektüre war. Im kleinen Mondmann habe sie ihre eigenen Gefühle erkannt, sich in dessen Geschichte als kleines Mädchen stets verstanden gefühlt.

Der kleine Mondmann sucht auf der Erde nach Freunden. Dort verbreitet der gspässig aussehende Fremdling aber Angst und Schrecken. Er wird von der Polizei verfolgt, festgenommen, muss im Gefängnis schmoren. Angesichts der Tatsache, dass Kindbücher ein Happy End verlangen, kehrt der Mondmann später zurück in seine Heimat, nicht ohne auf der Erde neue Freunde gewonnen zu haben.

Figuren selber hergestellt

Jahre später entwickelt Priska Praxmarer aus ihrem Lieblings-Kinderbuch gemeinsam mit Vivianne Mösli, die auf der Bühne den Mondmann verkörpert und Regisseur Dirk Vittinghoff ein Theaterstück. Ihrer Feder entstammt die Figur von Emma, sie kommt in Ungerers Geschichte nicht vor.

«Emma und der Mondmann» erzählt über das Aufeinandertreffen von zwei Aussenseitern. Auch Emma fühlt sich von der Umwelt unverstanden, seit sich ihre Eltern haben scheiden lassen», verrät die Theaterfrau. «Gute Kinderstücke sind für Erwachsene genauso interessant.» Praxmarer ist seit vielen Jahren in der freien Theaterszene tätig: als Puppenspielerin, Schauspielerin, Regisseurin und Theaterpädagogin. Sie ist Konzepterin, Ideenlieferantin und Texterin in Personalunion. Darüber hinaus fertigt sie ihre Puppen selber. «Am liebsten verwende ich dafür gebrauchte Materialien. Kleider, Schuhe, Stoffe, was gerade nötig ist, um die neue Figur so authentisch wie möglich zu machen.» Bevorzugte Fundgruben der Theaterfrau sind Brockenstuben, wo immer sie eine antrifft.

Die künstlerische Laufbahn war nicht geplant, hat sich jedoch schon früh in Priska Praxmarers Leben abgezeichnet. Auf den erlernten Berufen als Kleinkindererzieherin und Sozialpädagogin hat sie nie gearbeitet. Auch dass die Zürcher Oberländerin heute in Rupperswil wohnt, hat sich einfach so ergeben. «Rupperswil war als Zwischenstation gedacht während der Schulzeit meines Sohnes. Er ist mittlerweile von zu Hause ausgezogen, ich bin hiergeblieben», erklärt sie und lacht.

Im Gespräch streicht sich die Theaterfrau oft die langen Haare aus dem Gesicht. Sie spiele gern in der Region, freue sich auf den Auftritt in Lenzburg. «Die Theatertage sind ein supertolles Festival, das immer so liebevoll gemacht wird», sagt sie.

In einem Jahr hört Wetter auf

Praxmarers Worte mögen in den Ohren von Veranstalter Mark Wetter von Theaterschöneswetter wie Musik klingen. In all den Jahren hat er stets auch Künstlern aus der Region an den Theatertagen auf die Bühne geholt. Jetzt kündigt Wetter seinen Rückzug nach der 20. Austragung an. Über die Zukunft der Theatertage nach 2017 ist noch nichts entschieden.

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