Lenzburg
Elna-Presse trocknet geschöpftes Papier rasch

Ein Höhepunkt des traditionellen Mittelaltermarkts auf dem Schloss ist die mobile Papiermühle Basel. Weil das Museum in Basel saniert wird, ist es bis Oktober auf Tournee. Eine Station ist nun Schloss Lenzburg.

Barbara Vogt
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Besucher schöpfen ihr Papier. «Darauf schreibe ich meine Erinnerungen vom Schloss», sagt ein Mädchen.

Besucher schöpfen ihr Papier. «Darauf schreibe ich meine Erinnerungen vom Schloss», sagt ein Mädchen.

Barbara Vogt

Schloss Lenzburg sei der spektakulärste Zügelort gewesen, erinnert sich Walter Vögelin lachend. Er leitet das mobile Museum der Basler Papiermühle. Weil das Museum saniert wird, ist es bis Oktober auf Tournee.

Eine Station ist Schloss Lenzburg, auf das die Papiermühle Kisten, Material und Stellwände mit allen möglichen Hilfsmitteln hochgehievt hat. Bis 18. September ist das Museum zu Gast und Teil des Mittelaltermarktes am Wochenende. Besucher können an der alten Schöpfbütte selber Papier herstellen.«Sie sind fasziniert davon, wie einfach das geht», sagt Walter Vögelin und hält ein blütenweisses Blatt mit dem Wasserzeichen vom Schloss Lenzburg hoch. Ein leicht verzeihbarer Schwindel gehört dazu: Statt das Pergamentpapier tagelang an der Luft zu trocknen, wird es rasch unter die Elna-Presse gelegt.

Die Basler Papiermühle hat auch eine nachgebaute Gutenbergpresse mitgenommen. Mit dem Original soll Gutenberg um 1450 die 42-zeilige Bibel gedruckt haben. «Die Mönche hatten keine Freude an ihm», witzelt Vögelin. «Um eine Bibel zu schreiben, brauchten sie ein Jahr. Gutenberg nahmen ihn die Arbeit weg.» Doch die Mönche hätten bald eine andere Beschäftigung gefunden: das Bierbrauen.

Mittelalterliche Desserts

Viele Markttreibende haben sich für den Mittelaltermarkt angemeldet: Sattler, Feuermacher, Handspinnerin, Schuhmacher, Gewandschneiderin. Sie alle sind historisch gekleidet und bieten ihre Waren an. Mit herkömmlichen Franken können Met, Pflanzenseife, Glasperlen, Filzsachen gekauft werden. Der Rittersaal wird zur Kanzlei: Heraldiker, Kalligrafen und Siegellackhersteller bieten ihre Dienste an. Der Waffenschmied beherrscht sein Handwerk. Am letztjährigen Markt habe er, so Schlosskurator Thomas Rorato, einen Dolch geschmiedet und diesen dem Schloss Lenzburg geschenkt.

Musiker und Tänzer untermalen die historische Ambiente. Wer mag, darf mittanzen. Gaukler mischen sich unter das Volk, ein Falkner lässt seine Greifvögel im Schlossgarten fliegen. In das Markttreiben von früher entführt die Burgdorfer Spieltruppe «Zähringervolk».

Die Kinder üben sich im Bogenschiessen, basteln Ketten und verkleiden sich wie anno dazumal. Mittelalterlich ist auch das kulinarische Angebot: Das Erbsenmus gibts aus dem grossen Topf über dem Feuer, die Taverne ist ebenfalls offen. Die Zeitreise ins Mittelalter endet am mittelalterlichen Dessertbuffet.

www.schlosslenzburg.ch Der Mittelaltermarkt findet vom Freitag, 16. September, bis Sonntag, 20. September, statt.

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