Pfarrerwahl

Elisabeth Weymann – Eine Pfarrerin, die selber viele Fragen hat

Elisabeth Weymann an der künftigen Wirkungsstätte in der Stadtkirche Lenzburg.

Elisabeth Weymann an der künftigen Wirkungsstätte in der Stadtkirche Lenzburg.

Sie soll die längere Vakanz im Seelsorgerteam der Reformierten Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschiken schliessen. Für die 36-jährige Seelsorgerin ist dies die erste Pfarrstelle.

Sie tritt in der Reformierten Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschiken ihre erste Pfarrstelle an. Kirchgängern ist sie keine Unbekannte: Mit einem Gottesdienst in der Stadtkirche Lenzburg und im Kirchenzentrum in Hendschiken hat sich Elisabeth Weymann zu Monatsbeginn ihrer neuen Kirchgemeinde bereits vorgestellt. «Ich habe mich über die Rückmeldungen gefreut und habe ein gutes Gefühl bekommen», sagt sie und gesteht, «scho chli nervös» gewesen zu sein im Voraus.

Etwas Nervosität macht sich bei der 36-jährigen Seelsorgerin auch im Hinblick auf den kommenden Sonntag breit, gesteht sie, «auch wenn alle sagen, dass die Wahl als Pfarrerin der Reformierten Kirchgemeinde Lenzburg-Hendschiken eine reine Formsache ist». In einem 50 Prozent-Pensum wird Elisabeth Weymann ab 1. Oktober die beiden vollamtlich tätigen Pfarrer Susanne Ziegler und Martin Domann ergänzen.

Von Zweifeln geplagt

Dabei war der Seelsorgerberuf für die Tochter einer Pfarrerin ursprünglich nicht zur Debatte gestanden. Die junge Theologin war von Zweifeln geplagt: Sind wir tatsächlich alles Sünder und können nur durch den Glauben gerettet werden?, habe sie sich gefragt. «Das würde ja bedeuten, dass der Mensch per sé schlecht und Gott gut ist.» Eine Haltung, die Weymann Mühe bereitete und sie in ein Dilemma stürzte: «Kann ich überhaupt Menschen begleiten, wenn ich selber noch so viele Fragen habe?» Die Antwort kam von einer Freundin, die sie zum Schritt ermutigte.

Fürs Foto setzt sich Elisabeth Weymann an ihrem künftigen Arbeitsplatz in der Stadtkirche gerne in die Kirchenbank. Dort, wo ihre «Kundschaft» normalerweise sitzt. «Es ist ein schönes Gotteshaus hier in Lenzburg», sagt sie und blickt sich um. Als Pfarrerin agiere sie gerne in den verschiedenen «Räumen», die sich in einer Kirche bieten. Beispielsweise beim Taufbecken. «Ich mag die Nähe zum Publikum. Auf der Kanzel ist man etwas weit von den Menschen entfernt», sagt sie. Dabei ist Weymann jedoch überzeugt, dass eine auf der Kanzel gehaltene Predigt, dieser mehr Gewicht verleiht. Das Gestalten von Gottesdiensten bereite ihr besondere Freude. Die Worte kommen schnell aus Elisabeth Weymanns Mund, wenn sie über ihre künftige Tätigkeit in Lenzburg und Hendschiken und über sich selbst spricht. Beim Reden gestikuliert sie mit den Händen.

Es ist unmöglich, Weymanns Herkunft anhand ihres Dialekts festmachen zu wollen. Das sei sehr schwierig, sagt sie und lacht. Doch sei sie froh, des Schweizerdeutschen mächtig zu sein. Dieser Umstand hat den Weg zur Anstellung in Lenzburg-Hendschiken geebnet. «Im Inserat für die Pfarrstelle hier wurde Mundart als Umgangssprache gefordert.»

Aufgewachsen ist Elisabeth Weymann in Genf, wo sie beheimatet ist. Im Elternhaus wurde Hochdeutsch gesprochen. Sie hat an der Theologischen Fakultät in Basel studiert. Bis Ende Juli war sie als Vikarin in der Reformierten Kirche Unterentfelden tätig. Die neue Pfarrerin lebt mit ihrem Lebenspartner in Trimbach, wird jedoch noch Hendschiken ziehen. «Es ist ein herziges Dorf, in dem man sich wohlfühlen kann.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1