Es war ein Horrorunfall: An einem Montagabend vor einem Jahr verlässt die 19-jährige Elida Osmani bei der Berufsschule Lenzburg den Bus. Die junge Frau aus Mazedonien, die bei der Migros in Zürich eine Lehre als Verkäuferin macht, will über die Hendschikerstrasse. Ein Autofahrer hält vor dem Fussgängerstreifen an, der über eine Insel in der Mitte auf die andere Seite führt. Auf der zweiten Hälfte geschieht nun das Drama: Elida wird von einem silberfarbenen Volvo erfasst und meterweit weggeschleudert. 

«Es war dunkel und regnete. Ich sah die Frau nicht. Ich bremste erst, als es knallte», zitierte der «Blick» den Unfallfahrer, einen heute 81-jährigen Zahnarzt. Sie sei mit dem Kopf auf der Windschutzscheibe aufgeschlagen. Mit schweren Kopfverletzungen wird Elida ins Kantonsspital Aarau gebracht. Sie stirbt in der Nacht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Rentner. "Das Verfahren ist bei der Staatsanwaltschaft weit fortgeschritten", sagt Mediensprecherin Fiona Strebel. Wann es abgeschlossen wird und zur Anklage kommt, könne sie aber noch nicht sagen. Die Verfahrensdauer von über einem Jahr sei für einen solchen Fall nicht ungewöhnlich. "Zum Beispiel wurde ein verkehrstechnisches Gutachten in Auftrag gegeben, das mehrere Monate in Anspruch nahm. Weiter haben wir in jedem Verfahren verschiedene Verfahrensbeteiligte mit Verfahrensrechten, also dem Recht, zum Beispiel Fristerstreckungsgesuche oder Beweisanträge zu stellen." Zum Inhalt des Gutachtens könne sie wegen des laufenden Verfahrens nichts sagen. 

Trauerfeier für Elida

9. November 2017: Trauerfeier für Elida (†19)

In Lenzburg ist die verstorbene Teenagerin Elida mit einem traditionellen Gebet verabschiedet.

Bis drei Jahre Gefängnis

Das Strafgesetzbuch sieht bei fahrlässiger Tötung bis zu drei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe vor. Das Urteil wird stark davon abhängen, wie das Bezirksgericht das Verschulden des Unfallverursachers beurteilt. Er selbst sagte, Elida haben einen Kopfhörer getragen. Auch dazu könne sie nichts sagen, sagt Fiona Strebel.

Was das Gericht berücksichtigen wird: Der Rentner war vorbestraft und hätte den Volvo nicht fahren dürfen. Der Führerausweis war dem Zahnarzt einige Monate zuvor entzogen worden. Es war das zweite Mal nach einem einmonatigen Entzug im 2010. Der Grund für den zweiten Entzug liegt schon über sechs Jahre zurück: Im August 2011 blitzte ihn ein Radargerät auf einer 50er-Strecke mit 80 km/h. Der Temposünder wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 3450 Franken sowie einer Busse von 860 Franken verurteilt. Dagegen zog er vergeblich vor Bundesgericht, ehe ihm das Strassenverkehrsamt den Führerausweis für sechs Monate entzog und er auch dagegen bis vor Bundesgericht zog. Im März 2017, ein halbes Jahr vor dem tödlichen Unfall, unterlag er und musste seinen Führerausweis abgeben. 

«Brutal»: Cousin trauert um die 19-Jährige, die in Lenzburg auf einem Fussgängersreifen angefahren worden ist.

«Brutal»: Cousin trauert nach dem tödlichen Unfalll um die 19-Jährige (November 2017)

Tragischer Unfall in Lenzburg: Ein Autofahrer (80) übersah eine 19-Jährige auf dem Fussgängerstreifen und traf sie ungebremst. Die junge Frau erlag wenig später im Spital ihren schweren Verletzungen.