Verkehrsrowdys trifft die Härte des Gesetzes zunehmend härter. Dies erlebte diese Woche auch der 32-jährige Autolenker, der vor zwei Jahren bei einem gefährlichen Überholmanöver mit stark überhöhter Geschwindigkeit zwei Menschen tötete.

Elf Jahre muss der junge Mann für seine Tat nun ins Gefängnis, wie das Bezirksgericht Lenzburg urteilte. Das hohe Strafmass überrascht, denn es fiel ähnlich hoch aus wie das Urteil gegen den Mann aus Möhlin, der seine Frau aus Eifersucht erschlug. Wie der Raser von Seon, wurde auch er wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt.

Das Problem: Richter müssen sich bei ihrem Urteil zwischen vorsätzlicher und fahrlässiger Tötung entscheiden – also zwischen zwei stark unterschiedlichen Strafmassen. 

«Könnte man für fahrlässige Tötungen Strafmasse von rund fünf Jahren ansetzen», erklärt Strafrechtsprofessor Martin Killias, «bin ich überzeugt, dass Richter viel öfter solche Urteile aussprechen würden. Dann würde man die Diskussion über vorsätzliche oder eventualvorsätzliche Tötung gar nicht führen.»  

Druck der Öffentlichkeit verschärft Urteile 

Als hart aber fair bezeichnet Stefan Krähenbühl von Road Cross Schweiz das Urteil. Die Stiftung unterstützt Opfer und Hinterbliebene von Verkehrsunfällen. «Ich kann mich an kein vergleichbares Urteil für einen tödlichen Verkehrsunfall erinnern», erklärt er, fügt aber an: «Das Urteil wird dazu beitragen, dass die Angehörigen der Opfer die Geschehnisse schneller verarbeiten können.»  

Auch die Community im Internet goutiert das hohe Strafmass des Bezirksgerichts. Führt der Druck der Öffentlichkeit in solchen Fällen also zu immer härteren Urteilen? Geht es nach Michael Derrer, Laienrichter am Bezirksgericht Rheinfelden, trifft dies zu. «Diese Art von Delikten wird heute anders beurteilt, als dies noch vor 10 Jahren der Fall gewesen wäre», erklärt er. (luk)