Die Schweizer Meisterschaften im Eisschnelllauf kurz vor Weihnachten sind zu wahren «Ramona-Härdi-Festspielen» geworden. Die 19-jährige Mörikerin ist in vier Disziplinen an den Start gegangen und war vier Mal die Schnellste.

Sie gewann Gold über 500, 1500, 3000 sowie 5000 Meter und holte sich damit logischerweise auch in der Gesamtwertung aller vier Disziplinen, dem sogenannten «kleinen Vierkampf», die goldene Auszeichnung. «Dass ich gleich alle Rennen gewinne, kam schon sehr überraschend. Vor allem im Sprint hätte ich nicht mit einem Sieg gerechnet», sagt die Langdistanz-Spezialistin, die sich vor ihrem fünffachen Triumph erst einen nationalen Titel bei der Elite sichern konnte.

Schwierige Situation

Die fünf goldenen Medaillen sind für Ramona Härdi in dieser Saison gleich doppelt wichtig. Denn neben dem sportlichen Erfolg sind sie auch eine kräftige Motivationsspritze für die junge Aargauerin, die derzeit in einer schwierigen Situation steckt.

In dieser Saison darf sie altersbedingt nicht mehr bei den Juniorinnen starten, hat aber den Sprung in den Weltcup der Elite noch nicht ganz geschafft, da sie die dafür erforderlichen Zeitlimiten noch nicht geknackt hat. Daher hat Härdi neben den Schweizer Meisterschaften in der laufenden Saison erst einen einzigen offiziellen Wettkampf bestreiten können. Und bei jenem U23-Weltcup in Minsk lief es ihr erst noch nicht nach Wunsch.

Ansonsten hat sie in diesem Winter lediglich Testwettkämpfe bestritten, um ihre Bestzeiten zu verbessern. «Diese Situation ist vor allem mental nicht ganz einfach. Ich muss mich immer wieder motivieren, um in den Trainings alles zu geben, kann aber keine Weltcups laufen. Das Messen und Vergleichen mit der Konkurrenz fehlt mir», so Härdi, welche die laufende Saison daher als «Trainingssaison» bezeichnet.

Zukunft noch offen

Dennoch ist die 19-Jährige zufrieden mit ihren Leistungen, denn sie konnte ihre persönlichen Bestzeiten in allen Disziplinen deutlich verbessern. Und das, obwohl ihr der perfekte Lauf in diesem Jahr noch nicht geglückt ist. «Ich hoffe, mir gelingt dieser Lauf in den sechs ausstehenden Rennen über die 1500 und 3000 Meter noch, damit ich die Weltcup-Limite der Elite knacken kann und nächste Saison einen fixen Weltcup-Startplatz habe», sagt Härdi. «Das würde die Planung für den kommenden Winter erheblich erleichtern.»

Wie Ramona Härdis Alltag in der nächsten Saison aussehen wird, ist zurzeit aber ohnehin noch offen. Die Mörikerin, die im August ihre Lehre als Konstrukteurin abschliesst und derzeit mitten in den Prüfungsvorbereitungen steckt, möchte danach voll auf die Karte Sport setzen. Dafür muss sie aber die Schweiz verlassen.

«Wenn ich mich verbessern will, muss ich ins Ausland. In der Schweiz sind die nötigen Bedingungen nicht vorhanden», so Härdi. Noch ist aber nicht klar, ob sie diesen Schritt wirklich wagen wird, denn vor allem die Finanzierung bereitet ihr noch Kopfzerbrechen. Den endgültigen Entscheid wird sie erst nach der Saison fällen. Und sollte Ramona Härdi bis dann die Limite für den Weltcup der Elite knacken, dürfte ihr auch der Entscheid etwas leichter fallen.