Seetaler Goldküste

Einzigartige Aktion im Aargau: 100 Personen fordern mit Petition die Entlassung des Bauverwalters

Knall in Meisterschwanden: Rund 100 Petitionäre fordern die Entlassung des Bauverwalters. (Symbolbild)

Knall in Meisterschwanden: Rund 100 Petitionäre fordern die Entlassung des Bauverwalters. (Symbolbild)

Gut 100 Personen fordern mittels Petition die Entlassung des Bauverwalters von Meisterschwanden. Die Unterzeichner bemängeln die «kundenunfreundliche, parteiische und selbstherrliche Arbeitsweise der Gemeindeverwaltung».

Stefan Laib (52) ist bekannt als rastloser Sammler von militärhistorischen Gegenständen, als Präsident der Stiftung «Militär und Kunstsammlung Laib» in Meisterschwanden. Er ist aber auch bekannt als Kämpfer für die Rettung der Liegenschaft «Hüetli», einem Zeugen der Seetaler Strohindustrie. Und jetzt macht er von sich reden mit einer kantonsweit einzigartigen Aktion: Der Meisterschwander Laib hat bei seinen vielfältigen Aktivitäten immer wieder Ärger mit der Verwaltung, insbesondere mit dem Bauverwalter. Und er ist dabei offensichtlich nicht alleine. Laib reichte gestern Dienstag dem Gemeinderat eine Petition mit über 100 Unterschriften ein. Darin wird «die raschmöglichste Aufkündigung des Dienstverhältnisses» mit dem Bauverwalter gefordert.

«Beübt und schikaniert»

Initiant Laib betont, es hätten noch mindestens 30 Unterschriften mehr sein können. Viele Leute hätten aus Angst nicht mitgemacht: «Weil sie ein Geschäft haben, ein Baugesuch einreichen wollen oder ein Bauprojekt am Laufen haben. Sie alle haben das Gefühl, dass sie noch mehr schikaniert würden oder keine Arbeit mehr bekämen, wenn sie die Petition unterschrieben hätten», so Laib.

Auf den Unterschriftenbögen der Petition steht: «Die unterzeichnenden Einwohner der Gemeinde Meisterschwanden haben genug von der kundenunfreundlichen, parteiischen und selbstherrlichen Arbeitsweise der Gemeindeverwaltung, insbesondere der Abteilung Bau und Umwelt.» Und: «Ich will nicht von selbstherrlichen und voreingenommenen Verwaltungsbeamten beübt und schikaniert werden!»

Die Gemeinderäte sollen als vorgesetzte und verantwortliche Behörde für Abhilfe sorgen: Die 103 Petitionäre erwarten in einem ersten Schritt «insbesondere die raschmöglichtste Aufkündigung des Dienstverhältnisses» mit dem Bauverwalter. Die Neubesetzung der Stelle sei sorgfältig anzugehen, und es sei eine «im dargestellten Sinn valable Neubesetzung vorzunehmen».

Ein erfahrener Bauverwalter

Meisterschwanden gehört zu den prosperierendsten Gemeinden im Aargau. Es hat einen Steuerfuss von 65 Prozent und ist seit der Jahrtausendwende um fast 40 Prozent gewachsen (auf 2930 Einwohner). Dies war verbunden mit einer entsprechenden Bautätigkeit. In einem Umfeld, das wegen des Landschaftsschutzdekretes Hallwilersee überdurchschnittlich anspruchsvoll ist.

Der Bauverwalter ist seit dem Januar 2014 Bauverwalter in Meisterschwanden. Er war zuvor in gleicher Funktion in Ehrendingen tätig. Er hatte an seinem Wohnort auch politische Ambitionen. Sein Versuch, vor einigen Jahren als Parteiloser in den Stadtrat gewählt zu werden, scheiterte. Später trat er den Grünliberalen bei und kandidierte – ebenfalls erfolglos – für die Finanzkommission.

«Alles dauert unnötig lange»

Petitionär Stefan Laib hatte mit dem Bauverwalter schon im März 2016 Mühe. Damals schrieb er dem Gemeinderat unter dem Titel «Anfrage um die Tolerierung des Leiters der Bauverwaltung»: «Er kann nicht mit der Wahrheit umgehen, ist sehr launisch, arrogant und will nicht akzeptieren, dass der Architekt, Bauherr oder Grundeigentümer der Kunde ist. Es wird alles unnötig in die Länge gezogen.» Er habe eine Art, «wie es vielleicht vor 30 Jahren auf einem Amt üblich war».

Heute sagt Petitionär Laib: «Eine Antwort auf den Brief an den Gemeinderat habe ich nie erhalten. Und das, obwohl ich im Juni 2018 zusätzlich angefragt habe. Für Laib ist klar: «Der Bauverwalter ist so selbstherrlich geworden, weil der Ressortleiter (Gemeinderat Fritz Früh, parteilos, Anmerkung der Redaktion) seine Vorgesetztenrolle nicht wahrnimmt.»

Laib findet: «Die Bauverwaltung ist ein Dienstleistungsbetrieb und wird durch die Steuerzahler finanziert. Der Bauverwalter sollte für die Bevölkerung eine Berater-Funktion haben und ist nicht dazu da, zu diktieren.» Dank der Petition hofft Laib, «dass der Gemeinderat nun mal Rückgrat beweist und die Stelle neu besetzt».

(Artikel vom 31.10.2018)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1