Egliswil
Einzigartig: Aargauerin macht faire Brautmode – «nach der Hochzeit kann man das Oberteil mit Jeans tragen»

Die Brautmode der Egliswiler Designerin Nadine Willi (28) ist fair, nachhaltig und von Hand genäht. Und die Kleider haben ein Leben nach der Trauung.

Janine Gloor
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Nadine Willi in ihrem Atelier.
8 Bilder
Die Bio-Spitze für ihre Hochzeitsmode bezieht Nadine Willi im nahen Ausland.
Kleider mit oder ohne Schleppe sind möglich, alles nach Wunsch der Kundin.
Dieses Jäckchen aus Spitze möchten alle Bräute anprobieren, wenn sie bei Nadine Willi im Atelier sind.
Ein Model posiert in einem Kleid von Nadine Willi vor historischer Kulisse.
Dieses Oberteil wird hinten gebunden.
Da darf einem das Brautpaar schon mal den Rücken zukehren.
Die Designerin in ihrem Atelier in Egliswil.

Nadine Willi in ihrem Atelier.

Chris Iseli

Tüll, Chiffon und Spitze, das sind die Stoffe, aus denen Träume gemacht werden. Hochzeitsträume. Aus diesen edlen Stoffen näht Nadine Willi (28) unter ihrem Label Klein Paris Studio in Egliswil Hochzeitskleider. Ihre Designs sind verspielt und romantisch, eine Mischung zwischen Boho-Chic und den Roben einer Elfenprinzessin. Und schlichter als viele traditionelle Brautkleidmodelle. Zehn Lagen Tüll für ein ausuferndes Prinzessinnenkleid wird man bei Nadine Willi nicht finden. «Das würde ein Vermögen kosten», sagt sie. Denn sie verwendet nur Stoff, der nach strengen Kriterien produziert worden ist: faire Bezahlung für alle, die daran gearbeitet haben, und Bioqualität. Ihre Seide ist «Peace-Silk», bei deren Herstellung die Seidenraupen in ihren Kokons nicht ­getötet werden, sondern als Schmetterlinge ausschlüpfen können.

Nachhaltigkeit meint Nadine Willi ernst. Sie hat an der ZHdK den Studiengang Trends&Identity absolviert. Dort hat sie ihre Liebe zum Nähen entdeckt. Und ihr wurde ein «Schadstofffilter in den Kopf eingebaut», wie sie sagt. Gesellschafts- und produktionskritische Fragen wurden gestellt und sie habe sich vorgenommen, stets nachhaltig und verantwortungsvoll zu designen. Ihre Spitze aus Biobaumwolle bezieht sie aus dem nahen Ausland.

Dass sie eigene Brautmode entwerfen möchte, wusste sie schon, bevor sie das Studium abgeschlossen hatte. Nadine Willi ist gelernte Floristin und hat Erfahrung mit Bräuten. «Das Strahlen in ihren Augen hat mich immer fasziniert.» Und sie freut sich, wenn sie die Augen auch mit ihren Kleidern zum Leuchten bringen kann. An einer Kleiderstange im Atelier präsentiert sie ihre Entwürfe, sie nimmt ein Jäckchen, das an der Trägerin aussieht, wie wenn eine filigrane weisse Ranke über ihren Körper gewachsen wäre. «Das möchten alle Bräute anprobieren.»

Auch nach der Hochzeit noch tragbar

Nachhaltigkeit geht über die Produktion hinaus. Nadine Willi hat sich auf zweiteilige Ensembles spezialisiert. «Nach der Hochzeit kann man das Oberteil zum Beispiel mit Jeans tragen und ich kürze den Rock, damit er alltagstauglich wird», sagt sie. Auch für die Hochzeit passt sie die Längen, Ärmel oder Ausschnittform nach Wünschen der Kundin an. «Bei mir kann man mitgestalten.» Damit kein Stoff verschwendet wird, näht sie aus Stoffresten Haargummis, eine Kollektion für Haarreifen soll folgen.

Nadine Willi wirkt selbstsicher und zufrieden. Man merkt der gross gewachsenen Frau an, dass sie mit Klein Paris Studio genau das tut, wovon sie geträumt hat. Für den Moment. «Ich habe immer viele Ideen», sagt Nadine Willi, die nebenbei im Aargauer Kunsthaus arbeitet. Brautmode ist eine Faszination. Aber wer weiss, was die Zukunft bringt. «Ich gärtnere auch gern», sagt sie und lacht.

An einem Hochzeitskleid arbeitet Nadine Willi, alle Termine und Anproben miteingerechnet, eine Woche. Die Preise fallen unterschiedlich aus, je nach Wahl des Schnitts und der Stoffe. «Ein komplettes Outfit kostet ungefähr 1500 bis 2500 Franken», sagt Willi. Sie macht auch Hochzeitfloristik und bietet blumige Workshops an. Helle Farben von Weiss bis zu Rosé seien Klassiker, doch wie bei den Kleidern gibt es auch hier Moden. «Ich habe ein gutes Gespür für Trends entwickelt, die ich einfliessen lassen kann», sagt Nadine Willi. Die Trends können sich auch wiederholen. So seien momentan Trockenblumen, lange als Staubfänger verpönt, wieder sehr gefragt.

Die Hochzeit wird oft als der perfekte Tag im Leben bezeichnet. Bedeutet das vor allem Stress? «Ich erlebe meine Bräute immer als sehr entspannt», sagt die Designerin, die mit ihrer herzlichen Art vielleicht dazu beiträgt. Nadine Willi ist selber in einer glücklichen Beziehung. «Ich könnte mir gut vorstellen, zu heiraten», sagt sie. Sie weiss aber nicht, ob sie ihr eigenes Hochzeitskleid nähen würde. «Das soll Unglück bringen.» Doch sie hat erfahren, wie man dieses Unglück abwenden kann: «Man muss im Rocksaum ein eigenes Haar einnähen.» Es ist also wieder alles offen. Aber vielleicht möchte sie für ihre Hochzeit ein Kleid von einer anderen Designerin nähen lassen und für einmal ausschliesslich die Braut sein.