Lenzburg
Einwohnerratswahlen: Parteien hatten Mühe, gute Kandidaten zu finden

Am 24. November wird In Lenzburg der Einwohnerrat gewählt. Die Parteiverantwortlichen verhehlen nicht, dass die Suche nach geeigneten Frauen und Männer nicht einfach war. Nur die Grünliberalen sagen, diesmal sei dies einfacher gewesen.

Ruth Steiner
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Bei Wind und Wetter buhlen in der Innenstadt Wahlplakate und an Wochenenden ebenso die Kandidaten um die Gunst der Stimmbürger. Emanuel Freudiger

Bei Wind und Wetter buhlen in der Innenstadt Wahlplakate und an Wochenenden ebenso die Kandidaten um die Gunst der Stimmbürger. Emanuel Freudiger

Schlecht bezahlt und der Kritik der Bevölkerung ausgesetzt. Das einstige Prestige der Kommunalpolitiker ist längst flöten gegangen.

Hinzu kommt: Der Aufwand für die einzelnen Mandatsträger steigt, der Gestaltungswille als Motivationsfaktor kann gegenwärtig wohl kaum mehr ein Grund für ein politisches Engagement sein. Hauptgrund sind die vom Kanton abgewälzten Pflichten, welche die Budgetkompetenz der Gemeinden in ein enges Korsett zwängen und wenig Spielraum lassen für eigene Ideen.

Es überrascht also kaum, wenn die politischen Parteien heutzutage handfeste Schwierigkeiten bekunden, genügend valable Kandidaten für ein politisches Amt zu finden – und sie anschliessend auch zu halten: Lenzburg kann davon ein Lied singen. Fast die Hälfte, nämlich 18 der 40 gewählten Einwohnerräte sind in der laufenden Legislaturperiode wieder zurückgetreten.

Politisches Amt aufschieben

Die Parteiverantwortlichen verhehlen nicht, dass sich die Rekrutierung geeigneter Kandidaten für die Einwohnerratswahlen vom 24. November schwierig gestaltete. CVP-Präsidentin Marianne Tribaldos: «Es war nicht einfach, denn in der heutigen Zeit haben die meisten Menschen eine volle Agenda und sind durch berufliche und familiäre Pflichten so beansprucht, dass sie – trotz vorhandenen Interesses – ein politisches Engagement in die Zukunft verschieben.»

Die meisten Parteiverantwortlichen blasen ins gleiche Horn. Einzig die Grünliberalen tanzen aus der Reihe: «Es war einfacher als vor vier Jahren», lässt Präsident Daniel Fischer verlauten.

Einsatz für das Amt gefordert

Bei der Frage nach den Anforderungen an künftige Mandatsträger standen für die Parteien die Identifikation mit den politischen Werten und Inhalten im Vordergrund. Doch wie wollen die Parteiverantwortlichen sicherstellen, dass gewählte Einwohnerräte ihr Mandat nicht bereits nach wenigen Sitzungen wieder zurückgeben?

Gültige Rezepte dazu hat niemand zur Hand: «Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit dem politischen Amt ist bei der Zusage zur Kandidatur zentral, doch können sich die Entscheidungskriterien während einer Amtszeit verändern und zur Unvereinbarkeit führen», hält SVP-Präsidentin Edith Zeller fest. SP-Fraktionspräsident Remo Keller ergänzt, dass eine Mindestverweildauer für die Sozialdemokraten keine Lösung darstelle, weil das Amt auch mit einem entsprechenden Einsatz ausgeübt werden sollte.

Von den aktuell 40 Ratsmitgliedern kandidieren zwei nicht mehr: Urs Egloff (CVP) und Roger Strozzega (FDP), der mit Ablauf der beiden Präsidialjahre auch seine politische Laufbahn beschliesst.

Kandidaten sind keine Listenfüller

Mit dieser Ausgangslage und im Hinblick auf den Bekanntheitsgrad einiger Kandidaten ist wohl damit zu rechnen, dass der eine oder andere Bisherige über die Klinge wird springen müssen.

Ebenso ein Fakt ist, dass Bewerber, welche die Parteien einmal an Bord geholt haben, sich ernsthaft mit dem künftigen Amt auseinandersetzen. Die angefragten Anwärter auf einen Ratssitz verstehen sich denn auch nicht als Listenfüller. «Für mich hat Vorrang, dass ich mit gutem Gewissen hinter meiner Kandidatur stehe. Ich sehe mich nicht als ‹Füller›, weil ich ambitioniert bin und bereit, mein Bestmögliches zu leisten», sagt der 22-jährige Medizinstudent Joël Gerber, der für die Sozialdemokraten ins Rennen steigt. Bezüglich seines Zeitfensters für die politische Arbeit ist er diplomatisch: «Das dürfen die Wähler entscheiden. Im Moment könnte ich mir zwei bis drei Legislaturen vorstellen.»

Lukas Häusler kandidiert auf der Wahlliste der Grünen. Er begründet seine Motivation so: «Ich war bisher bereits politisch interessiert. Die Werte der Grünen zu den Themen Familie, Bildung und Umweltbelangen decken sich mit meinen Vorstellungen.» Auf seine Wahlchancen angesprochen meint der 31-jährige Biobauer: «Es wäre schön, wenn es klappen würde.»