Wo der Tanz ist, treffen sich Vergangenheit und Zukunft, dichtete vor über 70 Jahren der Lyriker T. S. Eliot. Unter diesem Eindruck konnte es für den Neujahrsempfang im alten Gemeindesaal von Lenzburg keinen passenderen Rahmen geben als die Musik des Trios Arazón.

Neckisch, verspielt, verführerisch liessen die Violinistin Annette Rüegg, die Kontrabassistin Jojo Kunz und die Pianistin Franziska Hämmerli das neue Jahr sich zeigen. Unbeschwert und voller Freude erklangen die argentinischen Tanzlieder, die zupfend, zuckend und nickend nichts im Sinn hatten, als präsent zu sein und den tanzbereiten Sinn der Zuhörer zu erregen.

Dankbarkeit und Freude

Die Kontrastfarbe zu dieser heiteren Gelassenheit drohte in den vergangenen zwölf Monaten stellenweise unsere ganze Wahrnehmung zu bedecken. Dies gab Stadtammann Daniel Mosimann mit Blick auf die Terroranschläge im Januar und November in Paris zu Beginn der Neujahrsansprachen zu bedenken.

Bei den Sorgen, den alltäglichen und privaten, nahm auch die Rede der neuen Einwohnerratspräsidentin Marianne Tribaldos ihren Anfang. Doch sie brauchte nicht lange, um zu positiven Gedanken zu finden. Zu solchen trügen auch tänzerische Stücke, wie sie am Neujahrsempfang dargeboten wurden, bei. «Oft erfüllt mich eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich in diesem Land lebe, und ich freue mich darüber, wie wohlgeordnet alles ist, wie Probleme auf eine sowohl praktische als auch demokratische Art und Weise geregelt werden.» Woher nehmen wir die Tatkraft, so lautete die zentrale Frage von Marianne Tribaldos, um gute und nützliche Wendungen zu bewirken?

Veränderungen beginnen bei uns

Veränderungen, so antwortete sie, würden bei uns selber beginnen. «Wir brauchen Mut und Tatkraft, um etwas Neues zu beginnen und auch, um uns selbst zu verändern. Das ist nicht leicht, geht aber zum Glück manchmal ganz unmerklich vor sich.»

Für zustimmendes Lachen sorgte im alten Gemeindesaal der Pragmatismus, den Marianne Tribaldos für einen tatkräftigen Blick in die Zukunft empfahl und den sie, wie sie sagte, auch ihrem Schwiegervater aus Panama verdanken würde. «Du hast ein Problem?», habe dieser zu fragen gepflegt, um fortzufahren: «Hat es eine Lösung? Warum machst du dir dann Sorgen? Und weiter: Hat es keine Lösung? Warum machst du dir dann Sorgen?» Die Komik im Alltag entdecken, an das Schöne und Neue denken und Schritt für Schritt vorwärtsschreiten, dies sei entscheidend, schloss Tribaldos ihre Rede.

Damit ergänzte sie harmonisch die Gedanken von Stadtammann Daniel Mosimann. Mit Blick auf die Zukunft der Stadt Lenzburg erwähnte er den «Lenzburger Geist», der auf gegenseitiger Achtung und Toleranz beruhe. «In einer so heterogenen Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, gibt es nicht nur schwarz oder weiss, sondern sehr viele Abstufungen und Schattierungen.»

Ein wichtiges Geschäft der kommenden Monate sei die Revision der Bau- und Nutzungsordnung, so der Stadtammann. Auch die Altstadt stehe punkto Einkaufsgeschäften und Attraktivität an einem Wendepunkt. Ebenso stehe die Frage im Raum, ob die KV-Schule aufgelöst werde, und dies löse Unsicherheit aus. Die Aufgaben gelte es, mit zupackendem Mut anzugehen.

Zum Abschluss des Neujahrsempfangs spielte erneut das Trio Arazón auf. Der nicht ganz ernst gemeinten Aufforderung zum Tanz durch Franziska Hämmerli kamen die Gäste im alten Gemeindesaal zwar nicht nach, Gelegenheit für ausführliche Gespräche bot der Apéro im Anschluss.