Das Reizwort «Kunstrasen» hatte der Einwohnerrats-Vorlage zu den geplanten Erneuerungen bei der Sport- und Freizeitanlage Wilmatten in Lenzburg einigen Zündstoff verliehen. Zwar war das Resultat der Abstimmung über den Verpflichtungskredit von 1,41 Millionen Franken deutlich: 28 Ja, 7 Nein, 4 Enthaltungen. Doch täuscht es darüber hinweg, dass dem Ergebnis an der Sitzung am Donnerstagabend ein Änderungs- und ein Rückweisungsantrag vorausgegangen waren.

Ausnahmsweise waren es nicht die Finanzen, die für rote Köpfe sorgten. Vielmehr waren es ökologische Aspekte, die von rechts bis links zu Bedenken Anlass gaben. Rundum war die Sorge um das idyllische Aabachgebiet gross, dem nun eine Kontaminierung mit herumfliegenden Granulatteilchen vom nahen Fussballplatz drohe. Ebenso einig war man sich, dass die 50 Jahre alte Sportanlage dringenden Sanierungsbedarf aufweist. «Wir wollen die ‹Wilmatten› nicht verlottern lassen», sagte SVP-Mann Michael Häusermann.

«Luxusproblem»

Bei der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK) war das Geschäft zur Chefsache erklärt worden. Der Grünliberale Beat Hiller sprach «von einem Luxusproblem, der Preis ist auch entsprechend hoch». Früher hätte ein Rasen gereicht zum Fussballspielen, heute müsse es ein Kunstrasen sein. Mit einem Änderungsantrag verlangte die GPFK einen unverfüllten anstelle des geplanten verfüllten Kunstrasens mit Gummigranulat. Der Stadtrat handelte: Er zog seinen Antrag zugunsten des GPFK-Änderungsantrages zurück.

Nachdem SVP (Michael Häusermann: «Der FC bietet den Jungen eine sportliche Heimat. Während der sportlichen Betätigung hängen sie nicht irgendwo herum.») und FDP (Francis Kuhlen: «Die FDP hat eine Rückweisung verworfen, weil es nur zu einer unnötigen Verzögerung der dringend notwendigen Sanierung geführt hätte.») die Vorlage, zähneknirschend zwar, zur Annahme empfohlen hatte und die SP Stimmfreigabe beschloss, hatte der Antrag der GLP auf Rückweisung des Geschäfts mit 29 Nein-Stimmen nicht den Hauch einer Chance.

Hohe Erwartungen an Staufen

Die Nachbargemeinde Staufen hat laut Vorlage eine finanzielle Beteiligung in sechsstelliger Höhe in Aussicht gestellt, auch der FC soll sich an den Kosten beteiligen. Der Rat machte keinen Hehl aus seinen Erwartungen: «Die FDP erwartet aus Staufen einen Betrag nicht an der unteren sechsstelligen Limite», sandte Francis Kuhlen ein deutliches Signal Richtung Gemeinderat Staufen. Dieser will an der Sommergmeind einen Beteiligungsantrag vorlegen. Ebenso erwartet man eine verbindliche Zusage vom FC, sich an den Kunstrasenkosten zu beteiligen. Die beiden FC-Präsidenten, welche mit einem Grossteil der Vorstandsmitglieder auf der Zuschauertribüne sassen, mochten zwar keine konkreten Zahlen nennen. Für Ueli Bruder und Mike Barth steht eine Mitfinanzierung durch den FC jedoch ausser Frage. Mit einem Crowdfunding will man mindestens 50'000 Franken einnehmen.

Beim Fussballclub ist man mit dem Resultat überglücklich: «Uns ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Der Entscheid war klar, was uns noch mehr freut», sagten Bruder und Barth, die den Verein im Co-Präsidium führen.

Das Projekt Kunstrasen steht beim über 100-jährigen Fussballclub schon lange auf der Wunschliste. Jetzt ist eine wichtige Hürde genommen. Beim FC hat man nämlich ambitionierte Pläne, was die Entwicklung des Clubs angeht. Dafür sei ein Kunstrasen unabdinglich, so Barth und Bruder. Mit dem nun beschlossenen unverfüllten Rasenteppich könne der FC gut leben. «Wir erwarten keine Auswirkungen auf das Spiel. Die Rasensysteme entwickeln sich und werden immer besser», so Mike Barth.