Lenzburg
Einwohnerrat bei Bushaltestelle zum Ja-Sagen verdonnert?

Die neue Lenzburger Bushaltestelle an der Aarauerstrasse/Fünflinden wird an der Einwohnerratssitzung am Donnerstag wohl für heisse Köpfe sorgen.

Ruth Steiner
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Geplante Busbucht an der Aarauerstrasse vis-à-vis der Stiftung für Behinderte.

Geplante Busbucht an der Aarauerstrasse vis-à-vis der Stiftung für Behinderte.

Fritz Thut

Auf den ersten Blick scheint es ein harmloses Traktandum zu sein. Nach den Fraktionssitzungen sieht es jedoch ganz danach aus, als ob der Verpflichtungskredit von 451 000 Franken für bauliche Massnahmen für Fussgänger an der Aarauerstrasse und die neue Bushaltestelle im Bereich der Stiftung für Behinderte reichlich Diskussionsstoff geben wird an der letzten Sitzung des Einwohnerrates im alten Jahr.

Worum geht es bei diesem Geschäft genau? An der Aarauerstrasse (Kantonsstrasse) zwischen dem Kreisel «Landis» und der Fünflindenstrasse soll eine neue Bushaltestelle mit zwei Haltebuchten auf der rechten und linken Strassenseite entstehen. Bedient wird sie durch die Regionalen Busbetriebe (RBL) mit der Linie 394. Diese führt vom Bahnhof Lenzburg über Hunzenschwil zum Bahnhof Rupperswil. Mit dieser Haltestelle kann für die Werkstatt der Stiftung für Behinderte und die Anwohner des Gebiets ein gut erreichbarer ÖV-Anschluss realisiert werden.

Kritik am Kanton

Gleichzeitig wird eine Fussgängerquerung über die Aarauerstrasse erstellt und in der Strassenmitte mit einer Schutzinsel gesichert. Damit soll für die zahlreichen Menschen mit Behinderungen, welche in der Werkstatt arbeiten und in den Quartieren auf der Nordseite der Aarauerstrasse wohnen, ein langer und beschwerlicher Umweg zur Strassenquerung künftig entfallen. Für die Fussgänger wird zudem der Gehweg nördlich der Aarauerstrasse von der Ringstrasse bis auf die Höhe der Fünflindenstrasse verlängert.

Woran erhitzen sich die Gemüter der einzelnen Fraktionen? «Die Gesamtkosten für das Bauprojekt 792 000 Franken, die vom Kanton, der Stadt Lenzburg und der Gemeinde Staufen getragen werden, scheinen doch sehr hoch zu sein», sagt Marcel Spörri, Präsident der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK). «Dabei wird die Stadt wird mit einem Anteil von 451 000 Franken ohne jegliche Mitsprache zur Kasse gebeten.» Ausserdem sei es sehr stossend, dass der Kanton bei seinen Kostenberechnungen gleich zweimal eine Reserve (total 113 000 Franken) eingebaut habe. Dieses Absicherungsvorgehen sei bei Bauten des Kantons zwar üblich, aber trotzdem unschön, hält Spörri fest. Aus Kostenüberlegungen habe man über Redimensionierungsmöglichkeiten des Projekts nachgedacht. Weil für die Erschliessung der Gebiete Zegli/Galgenacher für den öffentlichen Verkehr in rund 350 Metern Entfernung später wohl eine weitere Bushaltestelle gebaut werden wird, habe man sich überlegt, jetzt auf die Bushaltestelle zu verzichten und nur die beiden Fussgängermassnahmen zu realisieren. Denn zumindest am Fussgängerstreifen kann nicht gerüttelt werden. Dieser ist im gültigen Gestaltungsplan so vorgesehen und muss gebaut werden.

Staufen nicht in jedem Fall dabei

Am vorgesehenen Projekt wird sich die Gemeinde Staufen ebenfalls beteiligen und hat ihrem Anteil von 190 000 Franken an der Gemeindeversammlung vom 19. November bereits bewilligt. Weil Staufen seine Zustimmung jedoch von der Realisation der Haltestelle abhängig macht, würde ein Verzicht darauf keine finanzielle Entlastung für Lenzburg bringen.

Spörri: «Man kann es nun drehen, wie man will, für die Stadt Lenzburg entstehen immer Kosten in ungefähr gleicher Höhe.» Ob dieses Sachzwangs werden die Parteien ihren Unmut wohl mit entsprechenden Voten an der Sitzung zum Ausdruck bringen, «doch voraussichtlich bleibt dem Rat nichts wohl anderes übrig, als anschliessend in den sauren Apfel zu beissen und dem Geschäft zuzustimmen», so der GPFK-Präsident Spörri.