Lenzburg
Einsprecher wehren sich gegen Fahrverbot durch Waldstück

Gegen das geplante Fahrverbot auf dem Waldstück der Wilstrasse in Lenzburg macht sich Widerstand breit. Das Verbot würde zu Mehrverkehr auf einer anderen Strasse führen - und das würde die Sicherheit auf dem Schulweg einiger Kinder beeinträchtigen.

Ruth Steiner
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Friedrich Jakob mit Vierbeiner Alex auf der Wilstrasse, links das Zentralgefängnis und im Hintergrund die Einmündung in den Wald. Chris Iseli

Friedrich Jakob mit Vierbeiner Alex auf der Wilstrasse, links das Zentralgefängnis und im Hintergrund die Einmündung in den Wald. Chris Iseli

Gegen die neusten Pläne des Stadtrats, die Wilstrasse auf dem Streckenabschnitt vom Waldeingang (Parkplatz Vita-Parcours) bis zur Aabachbrücke im Wyl für den motorisierten Verkehr mit einem Fahrverbot zu belegen, sind innerhalb der vorgegebenen Frist neun Einsprachen eingegangen, bestätigt Christian Brenner, Abteilungsleiter Tiefbau beim Bauamt Lenzburg.

Zu den Einsprechern gehören Friedrich und Anne Jakob. Seit acht Jahren ist Friedrich Jakob Stallmeister auf dem Gutsbetrieb der Justizvollzugsanstalt (JVA) und wohnt mit seiner Familie an der Wilstrasse, der Verkehr fährt direkt an seinem Haus vorbei. Wenn er sich gegen das vorgesehene Fahrverbot wehre, so spreche er als Familienvater und weil seine Familie unmittelbar davon betroffen sei, sagt er. «Unsere meistgewählte Zu- und Wegfahrtsroute führt durch den Wald.»

Jakobs sorgen sich jedoch vor allem um die Schulwegsicherheit ihrer fünf Kinder im Alter von 2 bis 14 Jahren und von zwei weiteren schulpflichtigen Kindern, die an Wochentagen ebenfalls an der Wilstrasse ein- und ausgehen. Friedrich Jakob sagt: «Wird der Strassenabschnitt durch den Wald für Autos und Mofas gesperrt, so führt das unweigerlich zu Mehrverkehr auf der Wil- und Bachstrasse, dem Schulweg der Kinder.»

Wird diese Strecke nun mit weiterem Verkehr belastet, befürchten Jakobs eine zusätzliche Gefährdung der Schulkinder – ihrer eigenen und jener aus der Widmi und angrenzenden Quartieren. Um wie viele Fahrzeuge der Verkehr auf dieser Strecke jedoch zunehmen würde, sei schwierig abzuschätzen und für ihn nicht bezifferbar, sagt er. «Meine Vorbehalte stützten sich auf das, was ich täglich sehe.»

Einsprache von JVA-Personal

Die Wilstrasse wird heute sowohl von der Stadt als auch von der Seonerstrasse her befahren, um zu den Sportanlagen, zum Tennisplatz, ins Zentralgefängnis und in die JVA zu gelangen. Der motorisierte Verkehr benutzt die Strecke zudem oft als Schleichweg von der Stadt zur Seonerstrasse. Der Stallmeister weiss, dass viele Mitarbeitende des Zentralgefängnisses und der JVA über die Seonerstrasse zur Arbeit fahren, weil dieser Weg für sie praktischer sei, als jener durch die Stadt.

Tatsächlich hat auch der Personalausschuss der JVA Lenzburg eine Einsprache mit 92 Unterschriften im Rathaus deponiert. Insgesamt 51 von ihren Angestellten würden diesen für sie kürzesten Weg benützen, heisst es. Und weiter: Wenn diese Verbindung nicht mehr passierbar ist, müssten die JVA-Angestellten auf dem Hinweg einen grossen Umweg über die Aabachbrücke und die chronisch überlastete Kreuzung Seonerstrasse/Bleicherain in Kauf nehmen, durch die 30er-Zone und am Altersheim vorbei fahren.

Hinzu komme, dass die JVA-Mitarbeitenden im Alarmfall möglichst rasch erscheinen müssen und auch dann den kürzesten Weg einschlagen, hält der Personalausschuss in seiner Begründung fest. Er beantragt, die Strassenverbindung für Zubringer offen zu halten. Gegen ein Verbot für Lastwagen habe man nichts einzuwenden. Friedrich Jakob plädiert ebenfalls für eine Lösung ohne Schwerverkehr. Der schmalen Fahrbahn wegen.

Der JVA-Personalausschuss sieht sein Ziel, nämlich den Mitarbeitenden der JVA die bisherigen Zufahrtsmöglichkeiten zu erhalten, auch dann erreicht, wenn die JVA-Angestellten von einem generellen Fahrverbot offiziell ausgenommen werden, genau so wie die Landwirtschaft und die Fahrzeuge des Bundes. Eine solche Lösung gibt es schon heute im Wil. Der Abzweiger im Wald von der Wilstrasse in Richtung Bergfeld-Hof ist mit «ausgenommen Mitarbeitende der JVA» beschildert.

Einsprachen werden beurteilt

Tatsache ist: Die Wilstrasse ist in einem schlechten Zustand. Gegen die Sanierung mit Verbreiterung der Fahrbahn war jedoch vor drei Jahren erfolgreich das Referendum ergriffen worden. Auch der Kanton sperrte sich gegen den Ausbau (az vom 18.9.). Doch die Strasse im jetzigen Zustand zu belassen, sei keine Alternative, heisst es beim Bauamt. Christian Brunner, Leiter des Tiefbauamts sagt: «Die Wilstrasse ist ursprünglich eine Waldwirtschaftsstrasse mit Steinbett und Naturbelag und nicht für das heutige Verkehrsaufkommen gemacht.»

Der Stadtrat ist in einer Zwickmühle: «Von der einen Seite wird der Ausbau und somit die Erhöhung der Sicherheit auf dieser Strecke verwehrt, auf der andern Seite gibt es Leute, welche die Strasse weiterhin befahren wollen», hält der Tiefbauamtsleiter fest.

Wie geht es nun weiter? In einem nächsten Schritt werden die eingegangenen Einsprachen nun von den zuständigen Stellen geprüft. «Anschliessend wird der Stadtrat entscheiden, ob es eine Einspracheverhandlung gibt. Der Stadtrat wird auch festlegen, ob die Verhandlung gemeinsam mit allen Einsprechern geführt wird oder in Einzelgesprächen», so Christian Brenner.

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