Boniswil

Einsprache gegen Bauernhof-Komplex: Der Landschaftsschutz kämpft so intensiv wie selten

Im Gebiet Grubmatt (über der «Häusergasse, im Volksmund Panoramaweg genannt) soll ein Bauernhof entstehen.

Im Gebiet Grubmatt (über der «Häusergasse, im Volksmund Panoramaweg genannt) soll ein Bauernhof entstehen.

Die Organisation mit rund 450 Mitgliedern machte jetzt auch Einsprache gegen einen neuen Bauernhof-Komplex hoch über dem Hallwilersee.

Ohne Organisationen wie dem Landschaftsschutzverband Hallwilersee (LSVH) würde das Seetal heute ganz anders aus­sehen. Der LSVH hat juristisch gesehen eine vergleichsweise starke Stellung, verfügt er doch über das kantonale Verbands­beschwerderecht. Und dieses nutzt er auch regelmässig aus, wie sein Jahresbericht 2019 und seine neuesten Einwendungen zeigen. Eben erst hat sich der LSVH gegen das «Siedlungs»-Projekt einer Birrwiler Bauernfamilie ausgesprochen. Diese will auf Boniswiler Boden für 2,5 Millionen Franken einen Stall mit zwei Silos und einem Wohngebäude bauen. Mitten im Grünen innerhalb der Zone des Hallwilerseeschutzdekretes.

Gegen das Baugesuch hat der LSVH eine Einwendung eingereicht. Gleiches machte die Organisation Birdlife Aargau. Und Pro Natura hat ebenfalls eine Einsprache in Bearbeitung. Für Benno Stocker, den Co-Präsidenten des LSVH, ist klar, dass der geplante Hof nicht im Gebiet Grubmatt gebaut werden kann: «Der schöne Landschaftsraum würde durch die Bauten zerstört.» Ebenso eine der weni­-gen Fruchtfolgeflächen. «Landschaftlich gesehen wäre das ein geeignetes Gebiet für eine extensive Nutzung», so Stocker.

Die Profile für die Treppenhäuser im Gebiet Halden/Seeweg Boniswil stehen schon.

Die Profile für die Treppenhäuser im Gebiet Halden/Seeweg Boniswil stehen schon.

Einwendung gegen Projekt Halden «ganz wichtig»

Für den LSVH einen mindestens ebenso hohen Stellenwert hat der Kampf gegen ein Treppenhausprojekt im Gebiet Halden in Boniswil. Am Seeweg, unmittelbar an der Grenze des Schutzperimeters. Im Jahresbericht ist die Rede von einer «spezielle Herausforderung». Und Co-Präsident Stocker sagt: «Dieses Projekt ist für uns ganz wichtig.» Vorerst geht es um den Bau einer Doppelgarage, dank der die Wohngebäude ermöglicht werden sollen. Der LSVH hat zusammen mit Pro Natura Aargau eine Einwendung gemacht (AZ vom 16. 1.). «Ein Entscheid in diesem Verfahren wird präjudizierende Wirkung für weitere Bauvorhaben an dieser landschaftlich exponierten Lage haben», heisst im LSVH-Jahres­bericht. Das Verfahren ist noch nicht weit fortgeschritten, es gibt coronabedingte Verzögerungen.

Erneut waren keine Landzukäufe möglich

Wegen Corona musste der LSVH seine Generalversammlung, die am Freitag hätte stattfinden sollen, verschieben. Der Verband hat aber den Jahresbericht und die Rechnung 2019 publiziert. «Letztes Jahr konnten wir in Beinwil und in Birrwil gemeinsam mit der Bevölkerung wichtige Erfolge in der Raumplanung erzielen», schreibt der Vorstand. Es geht jeweils um Auszonungen oder um die Verhinderung von allenfalls später möglichen Heraufzonungen.

Der LSVH konnte einige Mitglieder dazugewinnen. Sein Vereinsvermögen stieg um den Jahresgewinn von 3005 Franken auf 46801 Franken. Mangels geeigneter Objekten konnte mit dem Hansjakob-Suter-Fonds (wieder über 400000 Franken) kein Land gekauft werden. Der LSVH besitzt 15,1 Hektaren.

Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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