Niederlenz

Einmal Gebirgsbach, einmal Kanal

Hier wurde der Aabach natürlich gestaltet.

Hier wurde der Aabach natürlich gestaltet.

Der Aabach fliesst nicht immer natürlich – im Dorf musste er aus Platzgründen in einen Kanal gelegt werden.

«Der Niederlenzer Gebirgsbach und der Kanal»: So bezeichnet Bewohner Willi Rusterholz die Gestaltung des Aabachs: Im Dorf würde der Bach in einen unschönen Kanal gezwängt, ausserhalb des Dorfes, bei der ehemaligen Bandfabrik Brunner & Co, in einen natürlichen Gebirgsbach umgewandelt. «Gegensätzlicher könnte die Ufergestaltung nicht sein», schreibt Rusterholz.

Im Dorfzentrum musste der Aabach wegen des engen Platzes in einen Kanal gezwängt werden.

Im Dorfzentrum musste der Aabach wegen des engen Platzes in einen Kanal gezwängt werden.

Mit der Sanierung und Gestaltung der Kantonsstrasse in Niederlenz wurde der Bach in einen Kanal verlegt. Links und rechts entstand eine jeweils 1,60 Meter hohe Betonmauer. Für Rusterholz und auch für andere Bewohner ein unattraktives Bild. Ausserdem sei oben an der Betonmauer ein zusätzliches Geländer angeschraubt worden, das wenig durchsichtig sei und dadurch keine grosse Sicht auf den Aabach erlaube.

Der Niederlenzer versteht, dass man den Bach zur ostseitigen Strassenseite hin mit einer Mauer begrenzen musste. Für ihn ist es aber unverständlich, weshalb man das westseitige Ufer nicht natürlicher gestaltet, sondern ebenfalls zugepflastert hat. «Das Beispiel bei der alten Bandfabrik zeigt, dass es technisch möglich ist, ein Ufer natürlich zu gestalten und zu begrünen.

Im Rahmen der Längsvernetzung zwischen Aare und Hallwilersee schuf der Kanton bei der ehemaligen Bandfabrik in Niederlenz, heute Elektro-Würgler, eine natürliche Aufstiegshilfe für Fische. Auf einem kurzen Abschnitt wurden da so viele Steine in das Bachbett verlegt, dass der Aabach an einen Gebirgsbach erinnert.

Gestaltung zu teuer

Willi Rusterholz heisst das kantonale Projekt gut. Die Gestaltung dieses kurzen Aabach-Abschnitts bei der Bandfabrik erzeuge ein äusserst lebendiges und attraktives Gewässer. «Schade nur, dass man den Bach von der Hauptstrasse aus überhaupt nicht wahrnimmt und deswegen extra den Weg hinunter schreiten muss.»

Rusterholz fragt sich, ob der Fischaufstieg bei der alten Bandfabrik nicht einfacher und mit viel weniger finanziellen Mitteln hätte realisiert werden können – das Projekt kostete rund eine halbe Million Franken. Für ihn hätte es mehr Sinn gemacht, bei der Bandfabrik eine etwas einfachere Lösung zu realisieren und für die Gestaltung des Aabachs im Dorfzentrum mehr Geld und Geist zu investieren.

Wieso tat man es denn nicht? Hanspeter Lüem von der kantonalen Abteilung Wasserbau hat dazu eine Antwort: «Eine naturnahe Gestaltung des Gewässers im Dorf war nicht möglich, weil wir zu wenig Platz hatten. Auf der Ostseite ist die Strasse, auf der Westseite liegen die Häuser. Wir hatten keine andere Möglichkeit, als den Aabach in einen Kanal zu verlegen.» Die Betonmauern seien zum zusätzlichen Schutz vor Hochwasser.

Lüem räumt ein, dass man Gewässer heutzutage möglichst naturnah fliessen lasse. So habe man den Aabach mit groben Steinen versehen, die den Fischen einerseits Schutz vor der Strömung geben, ihnen aber auch als Fischaufstieg dienen. Hanspeter Lüem weist auf die Bachgestaltung im oberen Dorfteil hin, wo man mehr Platz gehabt und den Bach entsprechend naturnah gestaltet habe.

Nachfahren für mehr Natur?

Wie lange der Aabach in Niederlenz durch einen Kanal fliesst, werden die Jahrzehnte zeigen, meint Rusterholz. «Vielleicht kommen unsere Nachfahren einmal zur Überzeugung, die Betonmauern wieder abzubrechen und den Bach natürlich fliessen zu lassen. Eine ältere Dame aus Niederlenz siehts pragmatischer: «Immerhin höre ich den Aabach abends beim Einschlafen immer noch an mir vorbeiplätschern. Dann ist für mich die Welt in Ordnung.»

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