Lenzburg
Eine Zahnärztin verlässt ihre Praxis – zurück bleiben ein Chaos und wütende Patienten

Eine Kieferorthopädin hat eine Lenzburger Gemeinschaftspraxis verlassen und ein Chaos hinterlassen. Patienten klagen unter anderem über überhöhte Rechnungen. Die anderen Zahnärzte der Praxis fürchten nun um ihren Ruf.

Pascal Meier
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Das Inserat im «Lenzburger Bezirksanzeiger» fällt auf. Unter dem Titel «Information der Praxis Dr. Dully» distanziert sich der Lenzburger Zahnarzt Klaus Dully von einer Praxiskollegin; dies mit klaren Worten: «Ich möchte betonen, dass Frau Dr. [...] ihre kieferorthopädische Praxis in eigenem Namen und in eigener Verantwortung in meinen Praxisräumen geführt hat», schreibt Dully. «Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf ihre fachlichen Entscheidungen und die Rechnungslegungen.»

Dann hält der Lenzburger Zahnarzt fest: «Ich bitte unsere Patienten um strikte Trennung der Praxis von Dr. [...] von meiner Praxis.»

Drei getrennte Zahnarztpraxen

Was ist passiert? Auf Anfrage der az erklärt Klaus Dully: «Es melden sich viele Patienten bei mir, die mit Rechnungen meiner ehemaligen Praxiskollegin nicht einverstanden sind oder andere Dinge beanstanden.» Das sei ein grosses Problem, denn die Kieferorthopädin habe die Praxis am 15. Oktober 2016 verlassen. «Ich bin für ihre Probleme nicht zuständig, wir sind drei Ärzte mit drei getrennten Praxen unter einem Dach. Jeder rechnet selber ab.»

Klaus Dully habe in den ganzen zehn Jahren, die er in Lenzburg praktiziert, nicht annähernd so viele Probleme gehabt wie in den vergangenen paar Wochen. «Ich fürchte um den guten Ruf unserer alteingesessenen Praxis.»

Überhöhte Rechnungen gestellt?

Mit den Rechnungen scheint tatsächlich etwas nicht zu stimmen. Mehrere Patienten haben Rechnungen erhalten, die in ihren Augen überhöht sind. Die Kieferorthopädin hat zum Beispiel einem Familienvater rund 6500 Franken für die Zahnkorrektur seines Sohnes in Rechnung gestellt. «Einen Teil des Betrages hatte sie jedoch schon Anfang Jahr verrechnet», ärgert sich der Vater. «Die Frau hat offensichtlich versucht, mehr zu verrechnen, als ihr zusteht. Das ist für mich Betrug.»

Was ihm auch sauer aufstösst: Die Kieferorthopädin habe im Sommer bei seinem Sohn eine neue Behandlung begonnen und kein Wort gesagt, dass sie im Oktober die Praxis verlässt – obwohl sie den Kooperationsvertrag der Praxis bereits vor über einem Jahr per Oktober 2016 gekündigt hatte.

Die Familie meldete sich deshalb bei anderen Kieferorthopäden in der Region. Einen Termin zu finden, war schwierig. Einige Zahnärzte hatten bereits Patienten der Lenzburger Kieferorthopädin übernommen. Der Fall ist in der Branche bekannt.

Betroffene wehren sich

Wie viele Patienten die Lenzburger Kieferorthopädin in ihrer Kartei hatte, ist nicht bekannt. Laut Informationen der Aargauer Zeitung haben sich mindestens ein Dutzend Betroffene an die unabhängige Schlichtungsstelle der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft Aargau (SSO) gewandt. Dem Vernehmen nach betreffen die Beschwerden auch die Qualität der Behandlungen. Die Schlichtungsstelle äussert sich nicht zum Fall.

In der Praxis von Klaus Dully hat in der Zwischenzeit eine neue, ebenfalls selbstständig tätige Kieferorthopädin begonnen. Ihre umstrittene Vorgängerin ist in ihre Heimat Deutschland zurückgekehrt. Dort betreibt sie ebenfalls eine Praxis für Kieferorthopädie.

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