Fahrwangen/Meisterschwanden
Eine voll verrückte Olympiade: Am «Meitlisonntag» war kein Mann vor den Muckis der Frauen sicher

Am grossen Umzug am «Meitlisonntag» im oberen Seetal ging es am Sonntag sportlich zu und her.

Anja Suter
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«Meitlisonntag»-Umzug vom 12.01.2020
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Die grösste Gruppe am Umzug war «Game Over» mit 58 Teilnehmerinnen. Bei der spontanen Polonaise während des Umzugs durften aber auch Männer mitmachen.
Die Kuh, und wie ihre Milch veredelt werden kann, zeigte die Gruppe «Mälche». Auch die traditionelle Kluft durfte dabei nicht fehlen.
Die Gruppe «Hals und Beinbruch» präsentierte diverse Verletzungen und auch kreative Heilmittel, die helfen sollen.
Das Brauchtum der «Meitlitage» geht auf den zweiten Villmergerkrieg zurück. Gestern kamen die Frauen in den historischen Uniformen daher.
Der Eierzopf, der die Regentschaft der Meitli offiziell beendet.
Für einmal eine Perücke aus Wollknäueln in allen Farben.
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«Meitlisonntag»-Umzug vom 12.01.2020

André Albrecht

Wenn die Meitli rufen, dann ist die Bevölkerung von Fahrwangen und Meisterschwanden zur Stelle. Schon eine halbe Stunde vor Umzugsbeginn wartete sie am Sonntagnachmittag geduldig am Strassenrand. Die einen mit einem Bier in der Hand, andere hatten sich sogar Stühle mitgebracht. Nur alle vier Jahre findet der grosse Umzug am «Meitlisonntag» statt. Dieses Mal wählten die Frauen das Motto «Olympiade voll verrückt».

Der Anfang des Umzuges war, wie es die Tradition verlangt, von historischer Natur: Tambourinnen aus Fahrwangen und Meisterschwanden eröffneten den Aufmarsch. Gefolgt von Heroldinnen hoch zu Pferd und der Fahnenwache. «So sah es aus, als man vor 300 Jahren in den Krieg zog», erklärte der Speaker den Schaulustigen. Natürlich hatten auch die Meitli eine Delegation von Frauen dabei, die die Soldatinnen vom Villmerger-Krieg präsentierten und auch die Trägerinnen des Eierzopfringes, der heute Abend symbolisch zur Verabschiedung der «Meitli-Herrschaft» gereicht wird, waren beim Umzuge vertreten.

Schokolade, Sugus und Getränke für das Publikum

Auch am Sonntagnachmittag waren die Männer in den Dörfern vor den Meitli nicht sicher. Eine Delegation der Fahrwanger und Meisterschwandner Frauen verfrachteten schon auf den ersten Metern einen Mann in ihrem Grasbogen. «Es ist für jeden Mann eine grosse Ehre, wenn er im Grasbogen der ‹Meitli› liegen darf», erklärte der Speaker den Anwesenden, denen dies sehr wohl bewusst sein dürfte.

Die Klänge der Musikgesellschaft Meisterschwanden, die den historischen Teil des Umzuges beendeten, waren noch nicht verklungen als auch schon der erste Wagen der verrückten Olympiade startete. Das Publikum wurde dabei reich beschenkt: Nebst Sugus und Schokolade wurde den Anwesenden die verschiedensten Getränke aus Thermoskannen und edlen Flaschen ausgeschenkt.

Am Donnerstagabend waren die Meitli in den Restaurants auf Männerfang:

Die Frauen aus Fahrwangen und Meisterschwanden zeigten sich kreativ: So befassten sich die zehn Wagen unter anderem mit dem Olympischen Feuer, das von Fahrwangen nach Meisterschwanden getragen wurde. Der Wagen zum Thema «Hoselupf» zeigte, dass Schwingen vielleicht bald eine Disziplin an der Olympiade sein könnte und die Frauen von «Hals und Beinbruch» präsentierten eindrücklich, das Sport eben doch nicht so ungefährlich ist.

Eine tierische Begleitung, wenn auch keine lebendige, hatte die Gruppe «Mälche» dabei. «Einen Alpabzug hatten wir auf dem Bärenplatz wohl noch nie», so der Speaker zur Delegation. Zur späteren Stunde wurde es Zeit für die Rückgabe der Regentschaft, zumindest für dieses Jahr. Dies geschah traditionsgemäss: Durch das Verteilen des Eierzopfes, mit einer Polonaise und dem anschliessenden Tanz mit Herrenwahl.

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