Lenzburger Lauf
Eine tragische Geburt, laufende Gastarbeiter – jetzt ein glücklicher Geburtstag

Der Lenzburger Lauf steht vor der 30. Austragung. In der Vergangenheit musste so manche Hürde überwunden werden. Gleich die erste Austragung wurde wegen eines Todesfalls abgebrochen. Auch der Funktionärsmangel war ein Thema.

Ruth Steiner
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Neuerungen hielten den Lauf über all die Jahre hinweg lebendig, etwa der Paarlauf.
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Die Rollstuhlsportler mit Franz Nietlispach. (28.04.2014)
30 Jahre Lenzburger Lauf

Neuerungen hielten den Lauf über all die Jahre hinweg lebendig, etwa der Paarlauf.

zvg

Der 1. Juni 1985, Sonnenschein und ein strahlend blauer Himmel, die Namen von über 500 Laufbegeisterten standen auf der Meldeliste.

Stadtläufe waren damals gross in Mode, der Satus wollte mittun und mit dem Event das von ihm organisierte Kreisturnfest bewerben. «Alle freuten sich auf das grosse Lauffest», erinnert sich Ueli Maurer. Er präsidierte die ersten zehn Jahren das Organisationskomitee. Doch dann kam alles anders: Aus der Premiere wäre um ein Haar auch eine Derniere geworden.

Als kurz vor 17 Uhr die Jüngsten in der Rathausgasse aus den Startlöchern schossen, ahnte niemand etwas vom folgenschweren Zwischenfall, der sich kurze Zeit später ereignen würde. Ein 50-jähriger Teilnehmer brach nach Laufende zusammen. Diesen Moment wird Maurer nie vergessen: «Trotz unverzüglich vorgenommener Reanimationsversuche und einem Arzt vor Ort konnte der Läufer nicht mehr gerettet werden und verstarb. Das hat uns schwer zu schaffen gemacht.»

Maurer fährt fort: «Das Laufen durch Feld und Wald ist nach wie vor eine der gesündesten und heute von allen Ärzten empfohlene Sport, wohltuend für Körper und Seele.» Doch sei eine Strecke, so schwer wie diejenige in Lenzburg, nur etwas für regelmässig trainierende Läufer, schrieb der Kommentator im Aargauer Tagblatt.

Anstatt den Bettel gleich wieder hinzuschmeissen, zogen die Verantwortlichen die Lehren aus dem traurigen Startkapitel. Sie haben die Streckenführung angepasst und das steilste Wegstück Richtung Gofi aus dem Lauf gestrichen.

Hochs und Tiefs gemeistert

Der Lenzburger Lauf ist seit Jahren der grösste und wichtigste Breitensport-Event der Stadt. In den vergangenen Jahren ist er kontinuierlich gewachsen. Nicht zuletzt dank der Teilnahme einheimischer Schulklassen und der Integration des ehemaligen Reinacher Waffenlaufs.

Am 24. Mai erfolgt der Startschuss zum beliebten Volkslauf zum 30. Mal. Dass die Laufveranstaltung dieses das Jubiläum feiern darf, ist gar nicht selbstverständlich, wie Protokolle und Zeitungsberichte aus den Archivschachteln vergangener drei Jahrzehnte verraten. Im Laufe der Jahre mussten immer wieder neue Hürden überwunden werden.

Ein immer wiederkehrendes Thema waren offenbar fehlende Funktionäre. Mehr als einmal stand die Weiterführung des Laufs auf der Kippe. So titelte die az vor genau zehn Jahren kurz vor der zwanzigsten Veranstaltung: «Der Jubiläumslauf könnte der letzte sein.»

Doch stets gelang es, wenn auch im letzten Moment, laufbegeisterte Organisatoren zu finden, welche den Anlass weiterführten – unterstützt von weit über hundert teilweise langjährigen treuen Helferinnen und Helfern.

Getragen vom Innovationsgeist

Blättert man in der Lauf-Geschichte weiter, sticht ein weiteres Merkmal ins Auge, das man im Nachhinein wohl als Erfolgsfaktor bezeichnen darf: In all den Jahren war die Veranstaltung getragen von einem ungebrochenen Innovationsgeist. Stets wurden neue Möglichkeiten gefunden, den Lauf attraktiv zu gestalten.

So liess sich unter anderem Prominenz aus Wirtschaft, Sport und Politik als Zugpferd vor den Karren spannen. Zu ihnen gehörte auch der ehemalige Regierungsrat Silvio Bircher: «Es gibt wohl keinen Lauf, wo man Altstadtsilhouette, Schloss und Kühe so kurz nacheinander sieht», sagte er einmal. Als begeisterter Läufer stand er mehrmals am Start in Lenzburg.

Preisgelder zusammengestrichen

Ab Mitte der Neunzigerjahre machte sich ein neues Phänomen bemerkbar. Profiläufer aus Afrika tauchten an den Volksläufen in der ganzen Schweiz auf und kassierten das Preisgeld jeweils ab: «Laufende Gastarbeiter, die um des Geldes willen ins Rennen gehen», schrieb die az einmal.

Die einheimischen Amateure würden dabei gefrustet auf der Strecke bleiben. Das war gar nicht im Sinne der Philosophie des Laufes. Eine Lösung musste her. Und tatsächlich sorgte die von den Verantwortlichen gewählte neue Siegerprämierung für die angestrebte natürliche Teilnehmerselektion: Die Preisgelder wurden gesenkt und die Differenz mit Naturalgaben ersetzt.

«Auch heute noch kommt keiner des Geldes wegen», sagt Otto Fischer, ehemaliger Stadtrat. Er war über Jahre hinweg als OK-Mitglied für die Gästebetreuung verantwortlich. «Wir haben die Ehrengäste jeweils im Rathaus zum Apéro empfangen», erinnert er sich an die ersten Jahre.

An der Spitze des OK wurde der Stab in den drei Jahrzehnten insgesamt fünfmal weitergereicht: Auf Ueli Maurer folgten Charly Suter, Christa Rüedlinger und Jörg Kyburz. Vor vier Jahren übernahmen Christine Wilhelm und Daniel Taubert die Co-Leitung.

Heute wird die Veranstaltung von Turnverein getragen – die Satusmitglieder als Helfer weiterhin an seiner Seite. Verschiedene Male wurde die Strecke geändert, seit 2007 führt sie wieder durch die Stadt mit Start und Ziel auf der Schützenmatte.

Auch der Waffenlauf feiert

Vor einigen Jahren liessen sich die Schulen für eine Laufteilnahme begeistern, nun schnüren die Schüler ihre Laufschuhe jeweils gleich im Klassenverbund.

2007 wurde ein weiterer Meilenstein gesetzt – der Reinacher Waffenlauf wurde Teil des Lenzburger Laufes. Der Zeitgeist mit den beliebten Volksläufen hat dem einst populären Waffenlauf den Rang abgelaufen, hatte es im Jahr zuvor nach der letzten Austragung in Reinach geheissen.

In der berühmten letzten Minute tauchten auch hier Retter auf: Jörg Kyburz, neu an der Spitze des Lenzburger Laufes, war überzeugt, ein Waffenlauf würde die zivile Laufveranstaltung bereichern und für ein spezielles, wenn nicht gar nostalgisches Ambiente sorgen. So begründete er die Verlegung der Veranstaltung in die Bezirkshauptstadt.

Und jetzt feiern die Waffenläufer ausgerechnet in Lenzburg ebenfalls ein Jubiläum – nämlich den 600. offiziellen Waffenlauf der Schweiz. In Lenzburg freut man sich über einen beträchtlichen Zulauf aus dieser Läufergilde: Alljährlich reisen über einhundert Waffenläuferinnen und -läufer aus der ganzen Schweiz an und rennen in Lenzburg im Tenue Grün um Rang und Ehre.

Charity-Lauf und Jubiläumskuchen

Seit 2008 gehört der Lenzburger Lauf zum Kreis der az-Goldläufe und damit zu den zehn wichtigsten Laufveranstaltungen im Kanton. In den vergangenen dreissig Jahren ist der Event von 8 auf 36 Kategorien mit rund 1400 Läufern angewachsen. Die Charity-Stafette (az vom 20. März) zugunsten der Städtischen Hilfsgesellschaft markiert die Laufneuerung im Jubiläumsjahr.

Noch eine Innovation – allerdings mit temporärem Charakter: Wer der Jubilarin einen Geburtstagskuchen bäckt, nimmt automatisch am grossen Kuchen-Wettbewerb teil. Das schönste Backwerk auf dem Kuchenbuffet erhält als Preis einen Mammut-Rucksack gefüllt mit Hero-Spezialitäten.

Anmeldungen für den Lauf und den Kuchenwettbewerb unter www.lenzburgerlauf.ch

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