Der blaue Rock sitzt perfekt und Theas Augen leuchten. Eben hat die 6-Jährige ihre erste Tracht erhalten. Ihr Mutter Maja Riniker besitzt selbst eine Festtagstracht und Thea wünschte sich deshalb ebenfalls ein solches Kleid. An der Trachtenbörse im Seoner Dorfmuseum sind sie fündig geworden und Thea macht sich gleich im neuen Gewand auf den Heimweg.

Herkunft zeigt sich auf ersten Blick

Bereits mehr als 20 Mal hat in Seon eine Trachtenbörse stattgefunden. Ins Leben gerufen haben sie Lotti Läuppi und Annemarie Vögeli, die Landfrauen helfen bei der Organisation und führen jeweils die Kaffeestube. Über 50 ganze Trachten konnten am Wochenende im Keller des Dorfmuseums angeboten werden, alle stammen aus dem Berner Aargau.

Doch sogar innerhalb dieser Region gibt es Unterschiede: Die Zofinger Tracht ist heller, das Oberteil der Wynentaler besteht aus Stoff. Dies im Unterschied zur Seetaler, bei welcher dieses aus Samt gearbeitet ist. Ausserdem unterscheidet man zwischen Werktags-, Sonntags- und Festtagstracht.

Will Frau also trachtenmässig vollständig ausgestattet sein, braucht sie drei Kleider und sollte ausserdem auf die richtige Herkunft achten. Deshalb war Brigitte Siegrist nicht ganz glücklich mit der ersten Tracht, welche sie an der Börse anprobierte. Sie stammte aus der Region Brugg, Brigitte Siegrist jedoch wohnt in Rupperswil.

Auf den Silbergehalt kommt es an

Deshalb schlüpfte sie noch in eine Seetaler Festtagstracht und fühlte sich gleich wohl. «Ich liebe Traditionen und es ist mir wichtig, dass alles passt und stimmt», erklärte sie. Zu besonderen Anlässen wie einem Jugendfest oder der 1.-August-Feier wird sie die neue Tracht tragen, ausserdem würde sie gerne wissen, wem das kostbare Kleidungsstück früher gehört hat.

«Eine Tracht kommt nie aus der Mode», erklärte Lotti Läuppi, Trachtenschneiderin und Veranstalterin der Börse. «Sie macht Freude, da man weiss, man hat keinen Kitsch, sondern etwas Echtes.» Wer an der Börse etwas Passende findet, kann viel Geld sparen. Während eine neue Festtagstracht bis 6000 Franken kosten kann, wurden die gebrauchten Gewänder für rund 800 bis 1500 Franken angeboten. Auch eine Auswahl an Schmuck stand zum Verkauf, hier bestimmte der Silbergehalt den Preis. Die Organisatorinnen legten Wert darauf, dass alle Stücke von einem Fachmann, einem sogenannten Filigranisten, im Vorfeld geschätzt wurden.

Dass das Trachtentragen nicht nur bei älteren Frauen beliebt ist, bewies die 19-Jährige Nadja Stettler aus Wyden. Sie ist Mitglied einer Volkstanzgruppe und fand für ihre Auftritte eine Werktagstracht, die ihr wie angegossen sass und erst noch die richtige Farbe hatte, nämlich rot.