Egliswil
Eine stille Schafferin geht: Grossrätin Trudi Huonder war das soziale Gewissen der CVP

Das soziale Gewissen stand für die abgetretene Grossrätin Trudi Huonder vor dem Parteibuch – nicht immer zur Freude der CVP.

Ruth Steiner
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Hatte die Wiederwahl in den verkleinerten Grossrat geschafft: Trudi Huonder.

Hatte die Wiederwahl in den verkleinerten Grossrat geschafft: Trudi Huonder.

Ruth Steiner

Der Aargauer Politbetrieb scheint von einem Virus befallen zu sein: dem Wandervirus. Neben Regierungsrätin Susanne Hochuli und SVP-Grossrat Hans Dössegger spricht eine weitere abtretende Politikerin davon, künftig vermehrt die Wanderschuhe schnüren zu wollen.

Die Mitgliedschaft beim Verein Aargauer Wanderwege sei bereits unter Dach, erzählt Trudi Huonder. Das kommt nicht ganz von ungefähr. Mit der Wanderweg-Vereinspräsidentin Esther Gebhard-Schöni aus Möriken-Wildegg verbindet die Egliswilerin den grössten Teil ihrer 12-jährigen Amtszeit im Parlament.

Als Kantonsrätin hat Huonder sich für Schul- und Sozialthemen engagiert. Und für den Erhalt des Naherholungsgebiets in der Region. Als es vor Jahren darum ging, für die Operetten-Aufführungen eine Seebühne zu erstellen, hat sie sich erfolgreich gegen die dazu notwendige Aufweichung des bestehenden Hallwilerseeschutz-Dekrets gestellt. «Wo findet man heute noch einen See, dessen Uferweg noch frei ist?», fragt sie. Und sie erinnert sich, dass viele Grossräte, welche sich für eine Anpassung des Dekrets, welches die Nutzung oder eben Nichtnutzung des Sees und des Ufers regelt, ausgesprochen hatten, nur wenig Ahnung hatten von den genauen Verhältnissen am Hallwilersee. «Die Befürworter meinten, das Hallwilersee-Ufer sei ‹stellenweise zubetoniert› und nicht mehr frei zugänglich.»

Überraschende Wahl

Auch wenn Trudi Huonder für die CVP im Rat sass, so hat sie im Zweifelsfall ihre persönliche Meinung vertreten und sich gegen die Parteimeinung gestellt. Damit hat sie sich nicht nur Freunde gemacht. Ex-Grossrätin Esther Gebhard-Schöni, Möriken-Wildegg, sagt dazu: «Trudi Huonder gehörte zum sozialen Flügel der CVP und war damit zunehmend in der Minderheit innerhalb der Partei.»

Huonder ist 2004 einzig mit einigen Jahren Erfahrung als Schulpflegerin im Rucksack «überraschend», wie sie sagt, in den Grossen Rat nachgerutscht. Den einen Sitz der CVP habe sie auch mit dem auf 140 Sitze verkleinerten Kantonsparlament behalten können, sagt sie nicht ohne Stolz.

Dabei hat sich die mit 10 Geschwistern in einer Bergbauernfamilie im Kanton Uri aufgewachsene Trudi Huonder in all den Jahren im Politbetrieb nie besonders ins Rampenlicht gestellt, war im Hintergrund aktiv. Das hat ihr manch kritische Bemerkung von verschiedenen Seiten eingetragen. Zu Unrecht, sagt Esther Gebhard-Schöni. «Trudi gehörte nicht zu den grossen Rednerinnen. Sie hat sich nie in den Vordergrund gedrängt. Hingegen war sie eine gute Zuhörerin, eine grosse Schafferin, die viel Einsatz für die CVP geleistet hat.»

Noch ist Trudi Huonder mit der CVP als deren Bezirkspartei-Präsidentin verbunden. Auch leitet sie den Verband Aargauische Volkshochschulen. Einen Job, den sie von Doris Leuthard vor deren Wahl in den Bundesrat übernommen hat.

Wenn die 62-Jährige nun vermehrt in die Wanderschuhe steigt, so zieht es sie nicht unbedingt in die weite Ferne. Zur Tochter nach Zürich will sie marschieren. Das hat sie ihr versprochen, nachdem deren lange Suche nach einer bezahlbaren Wohnung endlich von Erfolg gekrönt war. «Gluschten» würde sie auch noch der traditionelle Nachtmarsch von Bremgarten auf die Rigi, der jeweils im Mai durchgeführt wird. Und natürlich will Trudi Huonder so viel wie möglich das unverbaut gebliebene Hallwilersee-Ufer geniessen.

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