Lenzburg
Eine Schule, so farbig wie ein Osterei

Die Arbeiten im Bleicherainschulhaus kommen gut voran. Das Gebäude aus den 30er Jahren wird bunt.

Janine Gloor (Text) und Chris Iseli (Fotos)
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Das neue sanierte Schulhaus wird bunt

Das neue sanierte Schulhaus wird bunt

Chris Iseli

«Ich habe doch gesagt, dass es bunt wird», sagt Daniel Käppeli, als er durch die Gänge des Bleicherainschulhauses marschiert. Stimmt, hat er. Und doch konnte man es sich die angekündigte Buntheit vor einem Jahr noch nicht richtig vorstellen. Heute erkennt man das Schulhaus kaum mehr, von innen und von aussen.

Bei sämtlichen Farben wurde versucht, die ursprünglichen Töne des 1930 eingeweihten Baus wieder herzustellen. An der Fassade ist das Orange, welche die 70er-Jahre dem Bau aufgedrückt haben, einem hellen Gelb gewichen. Der Blick bleibt am blauen Kreis oben rechts hängen – vor der Renovation war das Zifferblatt rot. Die Alurahmen der Fenster und die Storenkasten sind verschwunden und durch filigrane Holzrahmen in Hellgrün ersetzt worden. Innen gleicht die ehemalige Bez einem bunten Osterei. Unter dem dunkelroten Anstrich sind viele verschiedene Pastelltöne zum Vorschein gekommen.

«Der Baufortschritt erfolgt von oben nach unten», sagt Daniel Käppeli und steigt die Treppe hinauf. Er ist bei der Stadt für den Unterhalt von Liegenschaften zuständig. Im Gegensatz zum restlichen Schulhaus ist es unter dem Dach nicht bunt, sondern weiss und sehr hell. In diesen hohen Räumen wird der Werkunterricht stattfinden. «Da das Dachgeschoss ursprünglich nicht ausgebaut war, gab es keine Farben zum Rekonstruieren», sagt Käppeli. Auf der Westseite wurden Dachfenster eingebaut, auf der zum Schloss gewandten Seite wurden die Lukarnen durch Dachfenster ersetzt. «Das war ein herrlicher Ausblick, als das Dach offen war», schwärmt Daniel Käppeli.

Samichlaussack an der Wand

Im Gang im dritten Stock herrscht Rosarot. Doch nicht nur die Farben wurden rekonstruiert. In den Schulzimmern klebt bis in etwa zwei Meter Höhe ein rauer Stoff an den Wänden, im einen Zimmer in einem Grün, ähnlich dem eines Sees bei Sturm, bemalt. Die Holzeinfassungen fehlen noch. «Das ist ein Jutegewebe», sagt Daniel Käppeli. Mit dem Stoff erhält die Wand eine robuste Oberfläche, wie sie im Schulhaus in den 30er-Jahren vorhanden war.

In der Aula ist es ein bisschen weniger bunt geworden; die farbigen Bilder, die früher zwischen den Fenstern hingen, sind verschwunden und werden nicht zurückkehren. Eine weitere Änderung: Die Aula hat die Seite gewechselt. Die Tribüne am hinteren Ende wurde entfernt, stattdessen wird dort in der Decke die Leinwand eingebaut. Anschlüsse für Pendelleuchten und Beamer hängen aus der Decke. Bisher war bei Anlässen der Blick der Zuschauer zur Tür und somit auch auf Zuspätkommende gerichtet. «Wir haben alles umgedreht», sagt Käppeli. Beim Untersuchen der Decke am westlichen Ende der Aula hat sich gezeigt, dass hier schon mal eine Leinwand angebracht war.

Bezug im Juni 2018

Im ersten Obergeschoss werden gerade die Lüftungen eingebaut. Die Rohre, noch ohne Abdeckung, glänzen gross und silbrig. «Je kleiner die Querschnitte, desto grösser die Luftgeräusche», sagt Käppeli. Die Lüftung ist ein wichtiger Teil der Sanierung. Das Gebäude wurde mit einer Innendämmung versehen. Eine Aussendämmung hätte die alte Struktur zu fest verändert.

Dort wo die Decken durch die Innendämmung auf die Aussenwand stossen, befindet sich der kälteste Punkt. Eine gute Lüftung soll Schimmelbefall verhindern. Die Radiatoren bleiben dem Schulhaus erhalten. «Sie reagieren schnell. Eine Bodenheizung ist träge, zum Beispiel bei Nachtabsenkung», sagt Käppeli. Im Erdgeschoss sind sieben Räume für Musikunterricht eingebaut worden. «Kojen» werden sie genannt. Ihre Wände sind zum Teil schräg – der Akustik wegen. Sie sind alle sehr aufwendig gegen Schall isoliert worden. Die Schlagzeuger aber müssen trotzdem in den Keller.

Die Kosten von 17,55 Millionen Franken für die Sanierung sollten eingehalten werden, sagt Käppeli. Das Gleiche gilt für den Zeitplan, im Juni 2018 ist für die Primarschüler Bezugstermin. Die Renovation ist die letzte Etappe für die Umstellung der Schule auf das Modell 6/3; das Schulhaus gehört neu zum Primarschulstandort Angelrain.

Dass die rekonstruierten Farben allen gefallen werden, ist unwahrscheinlich. Unbestreitbar ist jedoch ihre Wirkung auf das schwerfällige Gemäuer. Schon in der Bauphase lassen sie das Gebäude hell und luftig erscheinen. Die ehemalige Bez sieht nun aus wie eine zeitgenössische Schule und nicht mehr wie eine Erziehungsanstalt.

Das neue sanierte Schulhaus wird bunt
7 Bilder
Rundgang im Bleicherainschulhaus Die Bauarbeiten sind im vollen Gang.
Rundgang im Bleicherainschulhaus Die neuen Farben sind aus den 30er-Jahren rekonstruiert worden.
Rundgang im Bleicherainschulhaus Die Sanierung kostet rund 17,55 Millionen Franken.
Rundgang im Bleicherainschulhaus Im neu ausgebauten Dachgeschoss wird das Werken stattfinden.
Rundgang im Bleicherainschulhaus Unter dem dunkelroten Anstrich sind Pastelltöne zum Vorschein gekommen.
Rundgang im Bleicherainschulhaus Im Juni 2018 können die Schüler in das neue Schulhaus einziehen.

Das neue sanierte Schulhaus wird bunt

Chris Iseli