Wildegg
Eine Monster-ARA für das ganze Seetal – das Areal aus der Vogelperspektive

An der dritten Seetalkonferenz in Meisterschwanden wurde das Generationenprojekt ARA Seetal vorgestellt. Im Seetal entsteht damit eine 30 Kilometer lange Gewässerstrecke ohne Abwasser. Diese soll im Jahr 2030 in Betrieb gehen

Fritz Thut
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Selten war eine Präsentation an einer Seetalkonferenz so konkret wie am Mittwoch die Vorstellung des Projekts ARA Seetal. Doch bis zur Realisierung geht es noch ein Weilchen: Läuft alles optimal, sollen bis im Jahr 2035 alle Abwässer zwischen Hochdorf und Wildegg zentral gereinigt werden.

Man rechnet damit, dass bis ins Jahr 2030 die Region auf 180 000 Einwohner gewachsen sein wird. «Einwohnergleichwerte» ist die Grössenordnung, mit der die Kapazität einer Abwasserreinigungsanlage (ARA) angegeben wird. Die ARA Langmatt in Wildegg als grösste Anlage der Region bewältigt aktuell gut 50 000 Einwohnergleichwerte.

Grösser ist effizienter

Die angedachte Monster-ARA in der Nähe des Wildegger Aareufers hat zahlreiche Vorteile, wie Reto von Schulthess am Mittwoch an der Seetalkonferenz ausführte. Von Schulthess von Ingenieurunternehmung Hollinger AG war mit der Ausarbeitung einer Machbarkeitsstudie beauftragt worden.

Gemäss von Schulthess sind auch im Abwasserbereich grosse Anlagen effizienter als kleine. Die jährlichen Kosten pro Einwohnergleichwert sinken von 75 Franken bei 10 000er-ARA auf etwa 30 Franken für Anlagen für mehr als 50 000 Einwohnergleichwerte. Werden die bisherigen vier ARA im Aargauer und Luzerner Seetal – Hochdorf, Moosmatten (Mosen), Hallwilersee (Seengen) und Langmatt (Wildegg) – an einem Ort konzentriert, kann man von einem grossen Einsparungspotenzial ausgehen.

Leitet man alle Abwässer der Region nach Wildegg, kann man von einem weiteren Effekt profitieren. Die ARA-Bauten amortisieren sich alle 30 Jahre; die Teilbereiche Elektromechanik und Steuerung gar alle 15 bis 10 Jahre. Innerhalb dieser Fristen müssen die entsprechenden Teile also erneuert werden.

Bei den Kanalisationsleitungen rechnen die Fachleute aber mit einer Lebensdauer von 60 Jahren, bis eine Erneuerung nötig wird. Da ist es von Vorteil, wenn die Leitungen ausgebaut und die Zahl der Anlagebauten reduziert werden. Besonders eindrücklich am Vortrag von Reto von Schulthess war jene Grafik, die aufzeigt, dass mit der ARA Seetal bis ins Jahr 2070 total 120 Millionen Franken eingespart werden können. Die Kurve des aufsummierten Sparpotenzials kann jedoch auch deutlich flacher verlaufen, wenn die Kosten für die ARA Seetal höher ausfallen als angenommen. Die mögliche Investitionssumme wurde gestern nicht genannt, liegt aber etwa bei 180 Millionen Franken.

Natur als Gewinner

Bei separatem Weitergewurstel dürften die zusammengezählten Anlagekosten noch deutlich höher liegen. Mit der ARA Seetal gewinnen aber nicht nur die Gemeinden und damit die Steuerzahler der Region, sondern in erster Linie die Natur. Wasser unterhalb einer ARA ist nicht etwa klinisch rein, sondern beinhaltet bei einem üblichen Wirkungsgrad von 90 Prozent immer noch einen Zehntel Restverunreinigungen. Der Hallwilersee und auch der Aabach beinhalten heute einen grossen Anteil an gereinigtem Abwasser.

Mit der ARA Seetal fällt diese Belastung der in Fachsprache «Vorfluter» genannten Gewässer weg; alles Dreckwasser wird durch Röhren direkt nach Wildegg geführt. Reto von Schulthess: «Das ganze Seetal wird von gereinigtem Abwasser befreit; es entsteht eine 30 Kilometer lange abwasserfreie Gewässerstrecke. In der Natur wird das ersichtlich sein.»

Welche Trägerschaft?

Nachdem die Machbarkeitsstudie die Nutzen des Projekts aufgezeigt hat, geht es nun in Richtung Realisierung. Die beteiligten Abwasserverbände und Gemeinden sollen bis 2017 einen Grundsatzentscheid fällen. Danach, so sieht es die «Road Map» vor, sind vier Jahre vorgesehen, um die bestmögliche Trägerschaft zu finden. Ein möglicher Weg mit einem Wust von bilateralen Verträgen kann wohl nicht die Lösung sein. Im Vordergrund steht eher ein Gesamtverband (möglicherweise eine AG), der eventuell auch die gesamte Abwasser-Infrastruktur aller Gemeinden übernehmen könnte.

In Wildegg braucht eine ARA Seetal viel mehr Platz als die bisherige ARA Langmatt, auch wegen der bald geforderten vierten Reinigungsstufe für Mikroverunreinigungen. Umzonungen sind nötig, auch wenn das benötigte Land dem Kanton, respektive der Schlossdomäne Wildegg gehört.

«Dieser Bereich wurde bei der laufenden BNO-Gesamtrevision ausgeklammert und ist folglich noch nicht diskutiert worden», sagt Pascal Chioru, Gemeindeschreiber von Möriken-Wildegg zur az. Zudem führt im kantonalen Richtplan die Strecke für die Umfahrung Wildegg durch dieses Gebiet.

Bis zur Inbetriebnahme der ARA Seetal 2030 gibt es also noch viel zu tun.