Die Herren kamen gut behutet, die Damen suchten Platz für ihre Röcke. Doch bereits hatte sich ein erster Anachronismus in die Veranstaltung im Restaurant Bären eingeschlichen, der dem Dirigenten nicht entgangen war.

«Mich befremdet die Anwesenheit zahlreicher Weibsbilder», leitete Markus Fankhauser seinen Jahresrückblick an der Generalversammlung der Musikgesellschaft Möriken-Wildegg ein. Und diese Befremdung war gerechtfertigt.

Frauen ab 1966

Schliesslich hatte sich die Musikgesellschaft für ihre Vereinszusammenkunft das Gründungsjahr zum Vorbild genommen. Nun trat die erste Frau 1966 den Reihen des Musikkorps bei. Zwar fünf Jahre bevor das Frauenstimmrecht im Kanton Aargau eingeführt wurde, aber eben auch ganze 101 Jahre, nachdem sich die acht, selbstredend männlichen, Gründungsmitglieder in den ersten Vereinsstatuten inbrünstig der «Hebung und Veredlung eines schönern und edlern Gefühles» verschrieben hatten.

Nun nahmen die Musikantinnen – 19 sind es inzwischen, 28, zählt man die Majoretten dazu – die an diesem Abend wiederkehrende Betonung des Männlichen mit viel Humor entgegen. Man freute sich gemeinsam über die einfallsreichen Kostüme der Vereinsmitglieder und über eine Generalversammlung, die beeindruckend schnell über die Bühne ging. Was sicher auch dem Verzicht auf jegliche technische Unterstützung geschuldet war. Keine Tabellen und nur wenige Zahlen, die auf eine Kreidetafel geschrieben wurden, bedeuteten in diesem Falle kurze Diskussionen und schnelle Beschlüsse.

Über die Gründungssituation des Vereins im Jahr 1865 ist wenig bekannt. Protokoll wurde erst ab dem Jahr 1900 geführt. So passierte die Annäherung an der Generalversammlung stets unter einem humoristischen Blickwinkel.

Mit Liebestöter geehrt

Als Belohnung etwa für den fleissigsten Probenbesuch wurde Ruth Hostettler ein Kilogramm Kartoffeln überreicht. Das aufregendste Geschenk durfte allerdings Regine Hunziker entgegennehmen. Nach 25 Jahren aktiver Tätigkeit im Verein wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt. Mit einem Paar altmodischer, langer Unterhosen als Präsent – der Begriff «Liebestöter» machte schnell die Runde – hatte sie offensichtlich nicht gerechnet.

Die Musikgesellschaft blickt nun gespannt den diversen Auftritten und Veranstaltungen in ihrem Jubiläumsjahr, das durch die Generalversammlung eingeläutet wurde, entgegen.