Hendschiken/Mtwara
Eine Familie lernt in Tansania die Tücken des Alltags kennen

Seit beinahe zwei Jahren lebt Familie O’Neill aus Hendschiken in Tansania. In ihrem derzeitigen Wohnort Mtwara haben sie sich gut eingelebt, auch wenn sie immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert werden.

Fabio Baranzini
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Rebekka und Declan O’Neill mit ihren zwei Kindern Colin und Kieran nehmen sich Zeit für einen Ausflug.

Rebekka und Declan O’Neill mit ihren zwei Kindern Colin und Kieran nehmen sich Zeit für einen Ausflug.

zvg

Nachdem sich gezeigt hatte, dass die Grossstadt Mwanza nicht den Vorstellungen der O’Neills entsprach, zog es die Familie, die mit der Schweizer Organisation Interteam in Tansania weilt, in den Süden (az Aargauer Zeitung vom 7. Dezember). In der ruhigen und verkehrsarmen Kleinstadt Mtwara, die direkt an der Küste des Indischen Ozeans liegt, haben die Auswanderer ihre Zelte aufgeschlagen.

In ihrem halbjährlich erscheinenden Rundbrief lassen sie verlauten, dass sie sich gut akklimatisiert und bereits viele Freundschaften geschlossen haben. Die Kinder Colin (4) und Kieran (3) haben sich ebenfalls gut eingelebt und besuchen seit Anfang Jahr den Kindergarten.

Auch beruflich läuft es den O’Neills nach Wunsch. Rebekka arbeitet an der «Aquinas Secondary School», eine Schule, die 290 Schüler ausbildet. Sie ist dort für die administrativen und buchhalterischen Aufgaben sowie für die Ausbildung der einheimischen Mitarbeiter zuständig.

Kinder, egal welcher Herkunft, planschen durch die «Wasserstrassen».

Kinder, egal welcher Herkunft, planschen durch die «Wasserstrassen».

«Das Ziel ist, die Buchhaltung bis in einem Jahr an das lokale Personal zu übergeben», schreibt sie. Ihr Mann Declan, der zu Beginn des Afrika-Abenteuers ausschliesslich die Rolle des Hausmannes innehatte, arbeitet seit Anfang Februar als Teilzeitlehrer an der gleichen Schule wie Rebekka. Jeden Freitag unterrichtet er zwei Klassen in Bibelkunde.

Ratlosigkeit auf dem Wasseramt

So gut das auch klingt, ganz so problemlos ist das Leben in Mtwara doch nicht. «Wir haben zu spüren bekommen, was es heisst, ohne fliessend Wasser auszukommen», so die O’Neills. Es gehört zum Alltag in Mtwara, dass nicht ständig fliessend Wasser zur Verfügung steht, denn sämtliche Wasseranschlüsse werden nur ein bis zwei Mal pro Woche manuell in Betrieb genommen, damit die privaten Tanks gefüllt werden können. Dass aber teilweise während zweier Wochen kein einziger Tropfen Wasser aus den Leitungen im Haus der O’Neills kam, ist selbst für diese Region ungewöhnlich.

Strassen werden zu Flüsse

Die Besuche auf dem Wasseramt brachten keine Besserung. Die Angestellten waren ratlos und konnten das Problem nicht lokalisieren. «Die Pläne der Leitungen sind sehr alt und stimmen zum Teil nicht mit der Realität überein», lautete die Erklärung. Wenn dann endlich wieder einmal Wasser ins Haus kam, war dieses meist braun, rostig und roch nach Schwefel. «Es blieb uns aber keine andere Wahl, als dieses Wasser zum Kochen und Waschen sowie für die persönliche Hygiene zu benutzen», erzählen die Auswanderer.

In der Zwischenzeit konnte das Wasserproblem behoben werden. Beim Ausgraben sämtlicher Wasserleitungen um das Haus der O’Neills hat sich gezeigt, dass die Leitung vom Tank zum Haus noch einmal mit der Hauptleitung verbunden war. Dies führte dazu, dass der grösste Teil des Wassers zurück in die Hauptleitung statt zum Haus floss. Doch nicht nur das fehlende Wasser kann in Mtwara zu Problemen führen, sondern auch zu viel Wasser. Von Januar bis Mai hält jeweils die Regenzeit Einzug im Süden Tansanias.

Es regnete zwar nur ein bis zwei Mal pro Woche, dann dafür umso heftiger. «Innert kürzester Zeit verwandelten sich die Hauptstrassen in richtige Flüsse. Nicht selten kippten Autos, und schwere Fahrzeuge mussten mühsam aus dem Schlamm geschaufelt werden», beschreiben die O’Neills die Auswirkungen der heftigen Regenfälle.

Fischbestände sind bedroht

Direkt vor ihrer Haustür werden die Auswanderer mit einem weiteren Problem der tansanischen Küstenregionen konfrontiert: dem Dynamitfischen. «Täglich hören wir an der Küste explosionsartige Geräusche, obwohl diese Art des Fischens verboten ist», erzählen die O’Neills, die regelmässig Tauchausflüge in den nahegelegenen Riffs machen.

Tansania ist das einzige Land in Afrika, wo die Dynamitfischerei trotz Verbot noch regelmässig praktiziert wird. Wegen Korruption und persönlichen Beziehungen zwischen Sprengmeistern und Politikern werden jedoch nur in den seltensten Fällen Strafen oder Geldbussen verhängt. So kommen die destruktiven Fangpraktiken weiterhin ungestraft zur Anwendung und die Küstenregionen in Tansania laufen Gefahr, dass die Fischbestände dramatisch dezimiert und die Korallenriffe geschädigt werden.

www.oneills.ch Weitere Informationen zum Aufenthalt der O’Neills in Tansania auf der Webseite.