Möriken-Wildegg

Eine Doppelfeier zum 175-Jahr-Jubiläum des Männerchors Möriken-Wildegg

Der Männerchor Möriken-Wildegg ist der älteste Dorfverein und feiert sein Jubiläum mit einem Konzert und einer Feier. Durch seine Operettentätigkeit ist er weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt geworden.

Wie doch die Zeit vergeht! Kaum hat der Männerchor sein 150-jähriges Bestehen mit einem dreiteiligen Fest und der Herausgabe einer Jubiläumsschrift gefeiert, steht das 175-Jahr-Jubiläum vor der Tür. Auch diesmal wird das Ereignis gebührend gefeiert, und zwar unter anderem mit der Aufführung von Schillers «Lied von der Glocke», das bereits 1955 einmal gesungen wurde.

Der Männerchor Möriken-Wildegg blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Auf Blütezeiten mit grossartigen Gesangsfesten folgten ab und zu magere Zeiten mit abnehmendem Mitgliederbestand, wie der Chronik zu entnehmen ist.

Im Jahre 1911 mussten sich die Sänger gar schriftlich verpflichten, wieder regelmässig die Proben zu besuchen – mit Erfolg, denn bereits 1919 präsentierte sich der Verein als 70 Mann starker Männerchor.

1937 stieg die Zahl der sangesfreudigen Männer gar auf 75 an. In den Kriegsjahren musste die Tätigkeit reduziert und teilweise sogar ganz eingestellt werden. Umso intensiver widmeten sich die Männer anschliessend wieder dem Gesang, nahmen an Sängerfesten teil, führten selber Sängerfeste durch, gaben Konzerte und unternahmen auch mehrtägige Reisen.

In den folgenden Jahren pendelte sich der Mitgliederbestand zwischen 60 und 70 ein – der Männerchor blieb ein attraktiver Verein und zählte auch beim 150-Jahr-Jubiläum noch 60 Mitglieder.

Inzwischen hat sich indes das Freizeitverhalten der Bevölkerung geändert, der Sport bekam mehr Bedeutung und auch die steigende Mobilität trägt dazu bei, dass die Mitwirkung in einem Chor nicht mehr so verlockend ist. Trotzdem kann der Männerchor weiterhin auf viele treue Mitglieder zählen. Immerhin singen von den aktiven Sängern des Jahres 1988 heute immer noch 20 im Chor mit.

Der Männerchor und die Operette

Will er seinen diversen Verpflichtungen nachkommen und sich ab und zu etwas leisten können, braucht ein Chor auch Geld. Um die Kasse zu füllen, wurden nicht nur Feste organisiert, sondern auch Theaterstücke aufgeführt.

Den Anfang der Theatertradition machte das Volksstück «De Vetter us Batavia» im Jahre 1891. Nach dem Bau des Gemeindesaales schaffte der Verein im Jahre 1903 eine vollständige Bühneneinrichtung mit drei Szenerien an, die vom Gemeinderat mit 100 Franken subventioniert wurde. Fortan konnte also professionell Theater gespielt werden, zumal 10 Jahre später auch die elektrische Beleuchtung installiert wurde.

Theater und Gesang – das musste ja bei einem so rührigen Verein früher oder später zum Singspiel, also zur Operette führen. Den Auftakt zur neuen Tradition des Männerchors machte 1924 das Schauspiel mit Gesang «Preziosa» von Carl Maria von Weber, dessen Erfolg der Männerchor laut Chronik «in erster Linie dem Dirigenten verdankte.» Dieser Erfolg führte dazu, dass nun in unregelmässigen Abständen Operetten aufgeführt wurden, die den Männerchor Möriken-Wildegg bald weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt machten.

Stehplätze für zwei Franken

Die Eintrittspreise waren moderat. So kostete 1945 ein Stehplatz zwei Franken, der erste Platz vier Franken. Das war nur möglich, weil die Besetzung grösstenteils aus den eigenen Reihen zusammengesetzt wurde.

1967 beschloss der Männerchor, alle zwei Jahre eine Operette aufzuführen, dies im Wechsel mit der Operettenbühne Bremgarten. Und diesen Turnus hat er bis heute eingehalten. Auch die Wahl der Stücke hat sich geändert; anstatt auf bekannte setzt man eher auf unbekannte und selten gespielte Werke. Diese «Ausgrabungen» entpuppten sich als eigentliche Trouvaillen und kommen beim Publikum jeweils sehr gut an.

Operette wird professioneller

Um den steigenden Erwartungen des fernsehverwöhnten Publikums gerecht zu werden, wurde eine zunehmende Professionalisierung auf allen Ebenen nötig – mit entsprechenden Kostenfolgen. Zwar wurden die Inszenierungen weiterhin vom Männerchor getragen, für Regie, Korrepetition, Orchesterleitung und Solorollen wurden aber immer mehr Profis zugezogen, was den administrativen Aufwand merklich anwachsen liess.

2003 wurde die alleinige Operetten-Verantwortung des Männerchors durch eine breitere Trägerschaft abgelöst: Der Verein «Operette Möriken-Wildegg» wurde gemeinsam von Männerchor, Frauenchor und FMO (Freunde der Möriker Operette) gegründet.

Noch immer singt ein grosser Teil des Männerchors in der Operette mit. Einige habe allerdings die Bühne verlassen, wirken jedoch hinter den Kulissen, als Platzanweiser, im Vorverkauf oder beim Verkehrsdienst mit und tragen so weiter zum Gelingen jeder Vorstellung bei.

Was all die Jahre hindurch unverändert blieb, ist die Freude am Gesang, an der Gemeinschaft in einem Verein, in dessen Mittelpunkt die Musik steht.

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