Herr Hanhart, nach aussen vermittelt die Hypi das Bild der bodenständigen Regionalbank. Auf der anderen Seite tritt sie als dynamische Playerin im Banking und Spitzenreiterin in der finanztechnologischen Entwicklung auf. Funktioniert dieser Spagat?

Gerhard Hanhart: Ja, ich bin überzeugt, dass es für die Bank der einzige Weg ist, der in Zukunft funktioniert. Aufgrund der Möglichkeiten, welche uns unsere Informatiklösung «Finstar» bietet, können wir uns von andern Bankinstituten abheben.

Die Entwicklung der Zinsmargen zwingt uns jedoch, die Abhängigkeit vom Zinsdifferenzgeschäft zu reduzieren und die indifferenten Erträge zu erhöhen. Einer der Ertragspfeiler der Bank ist der IT-Bereich. Den wollen wir weiter ausbauen. Banking und Technologie rücken ohnehin immer näher zusammen.

Etwas spitz formuliert könnte man nun sagen: Bei der Hypi findet ein Umbau statt. Ist die klassische Regionalbank ein Auslaufmodell?

(Lacht). Gegenfrage: Ist die Hypi jemals eine «klassische» Regionalbank gewesen? Schon seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts schlägt die Bank ganz bewusst einen eigenen Weg ein. Sie hat auf den Beitritt zur Regionalbanken-Holding verzichtet, hat sich die Eigenständigkeit auf die Fahne geschrieben.

Gerhard Hanhart an der Bilanzkonferenz.

Gerhard Hanhart an der Bilanzkonferenz. 

Diese werden wir aufrechterhalten, solange es geht. Bis jetzt haben wir Recht bekommen mit dieser Strategie. Selbstverständlich ist das Vorgehen mit einem gewissen Risiko verbunden. Nicht jedes IT-Projekt ist eine Cash-Cow.

Trotzdem: Wenn wir uns die Aktionärsstruktur der Hypi vor Augen führen – glauben Sie, dass die Aktionäre diese Entwicklung der Regionalbank goutieren werden?

Davon bin ich fest überzeugt. Wenn das Unternehmen aufzeigen kann, wo es Erträge generieren und so eine kontinuierliche Unternehmensentwicklung und Dividendenausschüttung fortführen kann, gibt es für die Aktionäre wohl kaum eine Veranlassung, sich gegen eine solche Entwicklung zu stellen.

Mit der Hochschulprofessorin Doris Ellen Agotai Schmid soll im März eine IT-Spezialistin in den Hypi-Verwaltungsrat gewählt werden. Welche Weichen für die Zukunft will die Bank damit stellen?

Wir haben festgestellt, dass der Verwaltungsrat relativ weit entfernt ist von den aktuellen Entwicklungstrends im Digitalisierungsbereich. Die meisten Mitglieder sind Anwender. Deshalb soll das Gremium mit entsprechender Fachkompetenz ergänzt werden. Wir haben mit Frau Agotai schon bei verschiedenen Projekten mit der Fachhochschule Nordwestschweiz zusammengearbeitet. Sie ist an einer Schnittstelle von Digitalisierung und Anwendung tätig und deshalb viel näher an den künftigen Entwicklungen.

Hand aufs Herz: Digitalisierung und Kundennähe – ist das nicht ein Widerspruch?

Das sehe ich anders. Es gibt viele Bankprodukte, die man problemlos elektronisch abwickeln kann. Brächte die Hypi keine Mobile-App, so würde man sagen, sie sei hinter dem Mond. Jede Bank muss heute für standardisierte Bankgeschäfte die elektronische Abwicklung ermöglichen.

Gerhard Hanhart (Mitte) an der Pressekonferenz mit Marianne Wilde (CEO) und Reto Hünerwadel (Vizedirektor)

Gerhard Hanhart (Mitte) an der Pressekonferenz mit Marianne Wilde (CEO) und Reto Hünerwadel (Vizedirektor)

All diese noch mit personellen Ressourcen abwickeln zu wollen, wäre gar nicht mehr finanzierbar. Was aber über die standardisierten Produkte hinausgeht, dort wollen wir mit unseren gut ausgebildeten Mitarbeitenden den persönlichen Kundenkontakt pflegen und weiter ausbauen.

Die Hypi feiert heuer ihr 150-jähriges Bestehen. Ist das etwas Besonderes für Sie, dass Sie das Institut im Jubiläumsjahr präsidieren dürfen?

Natürlich freut es mich ungemein. Nicht viele Personen dürfen in einer vergleichbaren Funktion mit einem Unternehmen das 150-jährige Bestehen feiern. Es ist aber auch eine Ehre, weil es sich um ein Unternehmen mit einem starken Brand und Bezug zur Region handelt.

Die Aktionäre bekommen das mit verschiedenen Attraktionen im Verlaufe des Jahres zu spüren (siehe rechts). Dazu gehört auch eine Sonderdividende von 40 Franken. Diese kommt zu den üblichen 110 Franken hinzu. Ist das nicht ein wenig «schmürzelig»?

(Lacht). Wir haben mit der einmaligen Aufstockung der Ausschüttung auf 150 Franken primär einen Bezug zum Jubiläum geschaffen. Der Betrag liegt damit immerhin mehr als einen Drittel höher als im Vorjahr, was wir durchaus als attraktiv betrachten.

Sprechen wir über das Filialnetz. Die Mitbewerber haben angefangen, ihre Filialen auf einen schalterlosen Betrieb umzubauen. Gibt es bei der Hypi eine «Schalter-Garantie»?

Ich kann heute keine absolute und zeitlich unbefristete Garantie abgeben, dass die Hypi die Schalter in ihren Filialen weiterführen wird. Wir wissen aber alle auch, dass Entwicklungsprozesse einer immer schnelleren Dynamik unterworfen sind und wir unsere Prognosen laufend revidieren müssen. Ich kann Ihnen heute dazu aber sagen, dass wir in unserer laufenden Strategieperiode weder eine unserer Filialen schliessen noch sie ohne Personal führen werden. Wenn sich jedoch an einer bestimmten Stelle aufgrund des Kundenverhaltens Optimierungsbedarf aufdrängt, zum Beispiel die Öffnungszeiten oder die personelle Besetzung der Filialen anzupassen, so wird sich der Verwaltungsrat solchen Anpassungen sicher nicht verschliessen.

Weshalb führt die Hypi kein Bank-Café, so wie es die Raiffeisenbank macht?

(Lacht). Wir sind der Auffassung, eine Bank ist eine Bank und kein Restaurant.

Aarau ist bankenmässig ein umkämpftes Pflaster. Weshalb wagt die Hypi trotzdem einen Anlauf in der Kantonshauptstadt?

Es macht ja keinen Sinn, sich an einem Ort niederzulassen, an dem bereits ein dichtes Bankennetz vorhanden ist. Wir haben mit dem Co-Working-Space im AZ Medien-Center an der Bahnhofstrasse einen Weg und die Infrastruktur gefunden, um persönliche Kundenkontakte führen zu können.

Die Regionalbank feiert in diesem Jahr ihr 150-Jahr-Jubiläum als eigenständiges Institut. Wo steht die Bank in zehn Jahren?

(Überlegt). Mein persönlicher Wunsch ist, dass die Hypi auch in zehn Jahren noch als erfolgreiche, eigenständige Bank existiert und die Aktionäre und Kunden hinter sich weiss. Aber ich bin kein Prophet. Auch ich musste meine Beurteilung in Bezug auf Tempo und Richtung von Entwicklungen schon korrigieren. Ich gehe aber davon aus, dass die Strategieperiode aufgrund des Kundenverhaltens so verläuft, wie wir das heute beurteilen. Zudem gibt uns die Eigenständigkeit mit der soliden Kapitalisierung (aktuell 19 Prozent) und stabilen Ertragslage den notwendigen Handlungsspielraum, dass es auch in Zukunft so bleiben wird.