Einbrecher
Einbruchsopfer: «Das Daheim hat mich plötzlich angeekelt»

Für die Opfer von Einbrechern sind die psychischen Folgen oft schlimmer zu verkraften als der materielle Schaden. Ein Opfer erzählt, wie es sich anfühlt, wenn Fremde in die intimste Privatsphäre eindringen.

Toni Widmer
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Willy Fussen am massiven Fenster, das die Einbrecher aufgewuchtet haben.

Willy Fussen am massiven Fenster, das die Einbrecher aufgewuchtet haben.

Toni Widmer

Die Einbrecher waren am vergangenen Mittwochabend gekommen, vermutlich kurz nach dem Eindunkeln. Julia Kyburz hatte das Einfamilienhaus an der Waaggasse in Othmarsingen um 15 Uhr verlassen, um 19 Uhr war sie zurück. «Ich sah das Küchenfenster offen stehen und bekam solche Angst, dass ich mich erst gar nicht ins Haus getraute.» Der Nachbar ging mit dem gestreckten Besen voraus: «Alles war offen, die Fenster im Büro, die Balkontür. Im Hauseingang lagen Bettdecken, überall war es schmutzig.»

Einbrecher haben alles durchwühlt

Die Polizei war rasch da. Sie kam von einem Einbruch im nahen Berghölzli und musste später noch weiter. Von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen sind der Polizei im Aargau 20 Einbrüche im Wohnbereich gemeldet worden. Ein trauriger Rekord. «Die Einbrecher haben alles durchwühlt. Nur die Kinderzimmer blieben verschont. Der Schmuck ist weg und etwas Bargeld. Den finanziellen Schaden kann ich verschmerzen, aber es sind auch Erinnerungsstücke dabei. Ein Schmuckstück von der Grossmutter, das Kettchen von der Erstkommunion. Das ist unersetzlich.»

Noch stärker belastet es Julia Kyburz, dass Fremde in die intimste Privatsphäre ihrer Familie eingedrungen sind. In der Nacht danach hat sie kaum geschlafen: «Ich habe mich plötzlich vor meinem Daheim geekelt und fing an, alles abzuwischen. Die Betten habe ich sofort neu bezogen, die Schränke werde ich ausräumen und alles waschen.»

Willy Fussen, Nachbar an der Waaggasse, hat die psychischen Folgen etwas leichter verkraftet. «Ich bin halt ein eher ruhiger Typ.» Sein Haus ist kurz vor oder nach jenem der Familie Kyburz heimgesucht worden. Entdeckt hat er die «Bescherung» am Donnerstagmittag. «Meine Frau ist mit einer Freundin an einen Weihnachtsmarkt gefahren, ich war mit einem Kollegen im Wallis und unsere Tochter war auch nicht da.» Ausgerechnet am Mittwoch, sagt Fussen, sei auf der Treppe ins Obergeschoss ein Umschlag mit einem grösseren Geldbetrag gelegen: «Meine Frau wollte das Geld mitnehmen, hat es aber vergessen.»

Fenster mit roher Gewalt aufgewuchtet

Wie bei der Familie Kyburz haben die Einbrecher auch hier ein Fenster mit roher Gewalt aufgewuchtet, ein Fenster massivster Bauart mit speziellem Einbruchsschutz. Mitgenommen haben sie Bargeld, Schmuck und ein iPhone, aber mehrere kleine Goldbarren übersehen oder liegen lassen. «Zum Glück», sagt Willy Fussen, «haben die Diebe weder bei uns noch bei den Nachbarn mutwillig irgendwelche Einrichtungen zerstört. Ausser den beiden aufgebrochenen Fenstern ist noch alles ganz.»