Er war Kantonspolizist in verschiedenen Funktionen, wurde als «Mr. Bareggstau» mit der täglichen Radio-Verkehrsmeldung populär, erreichte als Lenzburger Einwohnerratspräsident lokalpolitisch die Spitze, hat eine glückliche Familie, Haus und Garten: Eine Bilderbuchkarriere.

Wäre da nicht «Bruder Krebs», welcher Jörg Kyburz seit 25 Jahren auf seinem Lebensweg begleitet. «Träume nicht dein Leben – lebe deinen Traum» ist eine der Erkenntnisse, welche der Autor einer «etwas anderen Geschichte vom Jakobsweg» dem Leser mit auf den Weg gibt.

Mit Krankheit arrangiert

Die Diagnose Hautkrebs traf den 23-jährigen sportlichen, umtriebigen und ehrgeizigen jungen Mann völlig unvorbereitet. Kyburz war sich sofort im klaren, «dass ich meinem Schicksal mit Lebensfreude und Lebensmut begegnen wollte».

In der Folge machte er nach der Operation trotz Handicap Karriere bei der Kantonspolizei, arrangierte sich mit der Krankheit und bemühte sich, wenigstens nach aussen einen «normalen Alltag» zu gestalten.

Dazu gehört 1987 die Heirat mit Regula und die Gründung einer Familie. Berufliche und sportliche Parforceleistungen lassen ihn «sich täglich von neuem beweisen», an die Grenzen gehen, das Übel verdrängen, vergessen und das Leben «zeitweise fast überschwänglich geniessen».

Jörg Kyburz gesteht in seiner schonungslosen Selbstanalyse: «Ich brauche den Rausch des Erfolges, lechze nach Höchstleistung und liebe das Gefühl der Macht.»

Körper setzt Grenzen

Die hundertprozentige Normalität und die Hyperaktivität indes werden getrübt, der Körper setzt zunehmend Grenzen, Stress und eine erzwungene berufliche Umorientierung fordern ihren Preis. Und dann 2008 die zweite Hiobsbotschaft: Der Krebs ist zurück, vier Tumore werden operiert. Der Wurf zurück auf Feld 1 des Lebensweges ist schwierig, doch hat es Jürg Kyburz geschafft, sich nochmals mit «Bruder Krebs» zu arrangieren, mehrere Gänge zurückzuschalten, Ansprüche an sich selbst zu reduzieren und nun «mit Achtsamkeit» weiter zu gehen.

Darüber rapportiert er in seinem Lebensbericht mit der selben selbstkritischen, nüchternen Distanz. Es ist nicht das Mitleid, welches Jürg Kyburz fordert. Vielmehr will er mit seinen Erfahrungen und Erkenntnissen andere Leidensgenossen von seiner auf dem Leidensweg gewonnen Offenbarung profitieren lassen, «dass man auch mit kleinen Schritten zum Ziel kommt, wie wertvoll und lebenswert das Leben auch mit einem Rucksack sein kann.» Dieses nur scheinbar einfache Rezept ist ihm auf einer sechswöchigen Wanderung mit Frau Regi im Sommer 2009 auf dem Jakobsweg zugefallen.

Einprägsame Kernsätze

In der illustrierten, 220 Seiten starken Publikation werden die Kapitel mit der Schilderung der Pilgerfahrt nach Santiago mit den Lebensabschnitten abwechselnd geführt. Unterwegs, in einer «inneren Einkehr», fand er Antworten auf seine Fragen nach dem Sinn des Lebens.

«Der Weg ist das Ziel», schreibt er, oder: «Lauf nicht der Vergangenheit nach und verliere dich nicht in der Zukunft; die Vergangenheit ist nicht mehr, die Zukunft ist noch nicht gekommen, das Leben ist hier und jetzt», oder auch: «Leben ist nicht warten, bis der Sturm vorbeigezogen ist, sondern lernen, im Regen zu tanzen.» Das sind Kernsätze, die sich einprägen.

Jörg Kyburz: «25 Jahre unterwegs mit Bruder Krebs oder die etwas andere Geschichte vom Jakobsweg.» Erhältlich in allen Buchhandlungen oder direkt via www.kybisview.ch