Ein Haarschnitt ist für 25 Stutz zu haben, eine Rasur kostet 10. Diese Dumpingpreise werden wohl jeden Coiffeur in der Stadt zur Weissglut treiben.

«Kushtrim» Berber Shop heisst der neue Mitbewerber. Sozusagen über Nacht ist der albanische Coiffeurmeister in die leeren Räume im Parterre des «Hächler»-Hauses am Kronenplatz gezogen.

Ein Blick durch die Fensterscheibe zeigt im Innern des Geschäfts ein grosses Gewusel, obwohl es nur gerade einen Coiffeurstuhl hat. Ob da alles mit rechten Dingen zugeht?

Tatsächlich! Wer näher hinguckt, merkt rasch einmal, dass es sich dabei nicht um einen neuen Coiffeursalon handelt. Dies verraten unter anderem die vielen Requisiten, welche auf dem Trottoir neben dem Ladeneingang platziert sind.

Schwarze hohe Ständer, Filmkameras, Stühle, Sonnenschirme, auch ein Tisch mit Obst und Getränken fehlt nicht. Junge Frauen lümmeln vor dem Geschäft herum. Sie alle warten auf einen. Bendrit Bajra. Sie wollen mit dem Facebook-Star auf Tuchfühlung gehen. Ein Selfie muss drin liegen.

Die Umstände verraten, dass hier ein Filmset aufgebaut ist. Tatsächlich sind die Tage des neuen Coiffeur-Salons in der Lenzburger Altstadt von Anfang an gezählt. Bereits am Samstagmittag wird er wieder geschlossen. Dann sind die Lenzburger Dreharbeiten zum neusten Film «Flitzer» von Peter Luisi mit Beat Schlatter abgeschlossen.

Ambiente in Lenzburg stimmt

Zum Glück ist die Geschichte nicht real. Der Film handelt nämlich um illegale Fussball-Wetten. Das Wettbüro befindet sich im temporär eingerichteten Berber Shop von Kushtrim.

Drahtzieher der kriminellen Machenschaften ist ein Lehrer, gespielt von Schauspieler Beat Schlatter und der albanische Coiffeur-Meister Kushtrim. Facebook-Star und Selbstdarsteller Bendrit Bajra spielt hier seine erste Filmrolle.

Wie fühlt es sich an, nicht mehr sich selber darzustellen, sondern in ein Rollenkorsett gezwängt zu werden? Kein Problem für Bendrit. Die Schauspielerei sei zwar etwas Neues, doch diese Rolle passe zu ihm, sagt der 19-Jährige. «Ich habe gemerkt, dass ich das sehr gerne mache.»

Kushtrim entspreche total seinem Stil. «Ein langsamer lockerer Typ, der sich nicht stressen lässt.» Als er das Drehbuch gesehen habe, musste er nicht lange überlegen müssen. «Mache mer», habe er gesagt. Bendrit sonnt sich im Kreise der jungen, extra seinetwegen aufmarschierten Fans.

Auch in Lenzburg fühle er sich wohl. Er schätze den Dreh in der Kleinstadt, sagt er. «Lenzburg ist eine schöne Stadt. Zwar bin ich bisher jeweils nur rasch durchgeflitzt. Doch ist es im Aargau viel ruhiger als in Zürich.»

Des Lobes voll ist der Schauspiel-Youngster auch über die Zusammenarbeit mit dem Altmeister auf der Leinwand, Beat Schlatter. Er sei ein wunderbarer Typ, schwärmt Bendrit und präzisiert: «En geile Siech, wie ich normalerweise sagen würde.»

«Bendrit und Yannick auf der Alp» – Bendrits neuester Youtube-Clip für «Western Union» und die SBB-App.

«Bendrit und Yannick auf der Alp» – Bendrits neuester Youtube-Clip für «Western Union» und die SBB-App.

Auch Schlatter findet den Drehort in Lenzburg in vielerlei Hinsicht optimal. Im Lokal, wo früher jahrzehntelang Kolonialwaren und Weine verkauft wurden, später Gemüse, bevor Dienstleistungsanbieter einzogen, stimmt für den Schauspieler das Ambiente. Zudem sei der «Arbeitsweg» optimal. «Lenzburg ist in guter Distanz zu Zürich. Ich kann jeden Abend heimkehren und mich so gut erholen.»

Zehn Filmminuten

Auch Schlatter lobt den Filmpartner. «Die Zusammenarbeit mit Bendrit ist erfrischend.» Und wie fühlt es sich an, wenn ihm der Schauspieler-Neuling als Coiffeur-Meister Kushtrim mit dem Rasiermesser vor der Nase herumfuchtelt?

Schlatter lacht und sagt: «Keine Sorge, die scharfen Klingen wurden herausgenommen.» Was aktuell in vier Tagen gedreht wird, dürfte sich in der fertigen Komödie «Flitzer» etwa in zehn Spielminuten niederschlagen, wenn sie in die Kinosäle kommt.

Die drei Freiwilligen am Fressbalken

Die drei Freiwilligen am Fressbalken

Roger Stump, Eva Mayer und Facebookstar Bendrit sind alle bereit für die drei Wochen im Fressbalken.

Die Geschichte spielt in der Altstadt Baden spielen. Den tatsächlichen Drehtort Lenzburg werden wahrscheinlich nur Ortskundige erkennen. Schon bald wird die als Berber Shop getarnte Spielhölle wieder aufgehoben. Und der albanische Coiffeur-Salon wird wieder zu dem, was er vorher war: Ein leerer Laden in der Lenzburger Innenstadt.

Statisten für Fussball-Publikum gesucht

Für die Drehs in den Fussballstadien am 1. Oktober im "Esp" in Baden und am 22. Oktober im "Brügglifeld" in Aarau werden noch Statisten für das  Stadion-Publikum gesucht. Interessierte melden sich bei Statisten@spotlight.ch. Bemerkungen: Statist Baden oder Statist Aarau.