Brad Pitt am Ufer eines Flusses im malerischen US-Bundesstaat Montana. An Pitts Angel ein kämpfender Fisch. Szenen aus dem Hollywood-Drama «Aus der Mitte entspringt ein Fluss», das Fliegenfischen steht im Mittelpunkt.

Der Boniswiler Daniele Di Fronzo kennt den Film – aber auch die Realität – bestens. Di Fronzo ist Präsident der European Fly Fishing Association (Effa): Ein Verein, der Fliegenfischer aus 23 Ländern vernetzt, sich für den Umweltschutz und die Ausbildung von Fischern in den Disziplinen Fliegenfischen, -werfen und -binden einsetzt.

«Als der Film mit Pitt damals in die Kinos kam, gabs einen Boom bei uns», sagt Di Fronzo. «Es sah so leicht aus, wie er die Angel warf, und alle wollten ihm nacheifern. Was aber die wenigsten wussten, war, dass ein Stuntman Pitts Wurfszenen übernommen hatte.»

Schwer und gefährlich

Fliegenfischen ist schwierig. Sehr schwierig. «Wir halten nicht einfach entspannt die Angel ins Wasser», so der 58-jährige Di Fronzo. Er ist seit 30 Jahren Fliegenfischer und seit fünf Jahren Präsident der Effa.

Die Fischer müssen richtig werfen, Strömungen beachten und die richtigen Fliegen auswählen, um den Fisch anzulocken. Noch dazu stehen die Fischer meist hüfthoch im Wasser – was je nach Strömung nicht gerade ungefährlich ist.

Di Fronzo braucht fürs Basteln viel Fingerspitzengefühl.

Di Fronzo braucht fürs Basteln viel Fingerspitzengefühl.

Darum sei die Ausbildungsarbeit der Effa so wichtig, sagt Di Fronzo. Viele würden sich untrainiert ans Fliegenfischen wagen. «Ich rede aus Erfahrung. Wenn man nicht weiss, wie es geht, ist Fliegenfischen ernüchternd und noch dazu gefährlich.»

Sichert man beispielsweise die Wathose nicht richtig, kann sie sich mit Wasser füllen und versenkt den Träger in der Flut. «Und Anfänger sollten Schutzbrillen tragen», sagt Di Fronzo. Hat man die Fliege an der Angel nicht im Griff, kann das wortwörtlich ins Auge gehen. «Auch muss man wissen, welche Gefahren in der nächsten Umgebung lauern.»

Herzig aber tödlich

Der Fliegenfischer Di Fronzo erzählt von einem seiner vielen, ausgedehnten Fischer-Trips zu den abgelegensten Orten der Welt. «Damals standen wir an einem Flussufer in Alaska, um Wildlachs zu fangen.

Plötzlich tauchten zwei spielende Bärenbabys auf. Das war zwar herzig, aber wir wussten: Wo Junge sind, ist die Mutter nicht weit.» Di Fronzo schaute sich um und entdeckte die Bärenmutter im metertiefen Fluss sitzend. «Bevor wir geflüchtet sind, haben wir noch ein paar Fotos gemacht.» Ausserdem wurde Di Fronzo schon von einem Bären, der seine Fährte aufgenommen hatte, verfolgt.

Diese Fischimitate sollen Wildlachs zum Anbeissen bringen.

Diese Fischimitate sollen Wildlachs zum Anbeissen bringen.

Früher unternahm Di Fronzo seine Reisen allein – heute ist er meist mit einer Gruppe oder als Tourguide unterwegs. Auch seine Frau begleitet ihn manchmal: «Nur auf den harten Touren ist sie nicht dabei.» Actionreich, wild und weit weg muss es für Di Fronzo aber nicht immer sein: «Auch an der Aare kann man Fliegenfischen», sagt er. «Dort braucht man nur mehr Geduld.» Von Di Fronzos Haus blickt man direkt über den Hallwilersee. Auch dort kann man Fliegenfischen. «Ich gehe aber lieber an die Schweizer Bergseen», sagt Di Fronzo.

Der Rock der Frau

Egal ob Fluss oder See: Ziel der Fliegenfischer ist es, einen Fisch zu überlisten. Mit viel Fingerspitzengefühl basteln die Fischer eigene Fliegenimitate, sogenannte Streamer und Nymphen. Di Fronzo braucht drei bis sieben Minuten, um ein Imitat herzustellen.

Er verwendet dafür die verschiedensten Materialien. Am Schluss soll das Imitat möglichst echt aussehen. Dafür waren Di Fronzo schon alle Mittel recht: «Der Rock der Frau musste auch mal daran glauben.»

Daniele Di Fronzo, ehemaliger CEO eines Möbelgeschäfts, ist frisch pensioniert. Jetzt investiert er mehr Zeit in sein Präsidium und in seine Leidenschaft. «Im Sommer geht es wieder nach Alaska», sagt er. Dort ist, anders als in der Schweiz, «catch and release», also den Fisch fangen und wieder aussetzen, erlaubt. Daniele Di Fronzo wird trotzdem etwas Lachs mit nach Hause nehmen: «Dann kommen Freunde immer gerne vorbei.»