Schafisheim

Ein Schiffscontainer mit Internet soll in Nigerias Norden gegen Armut helfen

Christoph und Tobias Jehle bauen einen Schiffscontainer in Schafisheim in ein Internetcafé um. TAB

Christoph und Tobias Jehle bauen einen Schiffscontainer in Schafisheim in ein Internetcafé um. TAB

Ein hier umgebauter Schiffscontainer soll als Internetcafé im westafrikanischen Staat Nigeria einen Beitrag zur Bildung der ärmsten Bevölkerung leisten. Möglich macht es Edwin Akabuilo, Informatiker aus Schafisheim.

Ein unbekanntes Wort auf Wikipedia nachschauen, schnell ein E-Mail schreiben – was für uns selbstverständlich ist, ist für viele Menschen unvorstellbar. So auch in Nigeria: Ein Internetzugang kostet in zwei Wochen so viel, wie der Mindestlohn für einen Monat beträgt.

Kaum jemand kann sich das leisten. Fehlende Bildung und Armut sind eng miteinander verknüpft, erklärt Edwin Akabuilo. Der Nigerianer lebt seit 18 Jahren in der Schweiz, hat hier den Master absolviert und arbeitet als Informatiker. «Mein Wissen möchte ich weitergeben und anderen Menschen damit weiterhelfen», sagt er.

Solarzellen zur Stromversorgung

Am Staufbergweg 1 in Schafisheim, unweit von Akabuilos Haus, steht seit einigen Wochen ein Schiffscontainer. Nichts verrät, was sich hinter der blechernen Hülle verbirgt: Tobias und Christoph Jehle von der Firma «Stealzeug» haben ihn in ehrenamtlicher Arbeit inwendig ausgekleidet und Tische eingebaut. Dort werden zehn Computerstationen mit Internetzugang installiert, betrieben von den Solarzellen auf dem Dach.

«Die Stromversorgung in Nigeria ist nirgends gewährleistet», sagt Akabuilo, Initiator des Projekts «OgeneBox». Daher soll das mobile Internetcafé energetisch unabhängig sein. Um eine lange Lebensdauer zu garantieren, werden neue Geräte eingebaut. Denn jährlich landen tonnenweise alte Elektrogeräte aus Europa an der Küste Afrikas, darunter viele alte Computer, die nichts mehr taugen. Der grösste Teil davon landet auf unsachgemässen Schrottplätzen, die Mensch und Umwelt hochgradig gefährden.

Im Norden Nigerias ist die Alphabetisierungsrate tief; um die Bildung junger Menschen steht es schlecht. «Viele Kinder haben kaum eine Chance, der Armutsspirale je zu entfliehen», erklärt Akabuilo.

Hier setzt die Idee des Internetcafés an: «Übers Internet kann sich jeder weiterbilden, der lesen und schreiben kann», sagt der Initiator des Projektes. Fehlender Zugang zu Informationen betrifft alle Lebensbereiche: «Wenn jemand bei uns krank wird, sagen die Leute, jemand treibe ‹Voodoo› mit ihm» – gemeint ist der traditionelle Glauben an die Hexerei. «Und was der Pastor in der Kirche erzählt, das glauben die Menschen», sagt Edwin Akabuilo. «Sie stellen sich nicht die Frage, welche anderen Antworten es sonst noch geben könnte.»

Bald soll das mobile Internetcafé via Rhein nach Nigeria verschifft werden. Dort wird es in Schulen und an Universitäten gastieren. Das Ganze ist ein Pilotprojekt; Edwin Akabuilo sucht Partner, um weitere Container realisieren zu können. Akabuilo: «Den Zugang zu Informationen zu ermöglichen, ist wichtiger wie Essen und Geld zu besorgen.»

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