«De Ring vo Hallwyl»

Ein Regie-Star mit Seetaler Stallgeruch: «Irgendwie möchte ich der Region etwas zurückgeben»

Der Verein «Freilichttheater Seetal» konnte Simon Eichenberger (Wien/Beinwil am See) für «De Ring von Hallwyl» verpflichten.

Am Freitag verkündete der Verein «Oper Schloss Hallwyl» seine Auflösung und damit das Ende der 16-jährigen Opern-Tradition. Am Samstag orientierte der Verein «Freilichttheater Seetal» über ein Projekt, das im Sommer 2022 im Schlosshof realisiert werden soll. Dass es diese Pläne gibt, wusste man seit September. Doch jetzt sind sehr viel mehr Details über das 300'000-Franken-Vorhaben bekannt. Vor allem weiss man, wer Regie führen wird: eine grosse Nummer in der deutschsprachigen Szene, ein Aargauer, der seit zwanzig Jahren in Wien lebt, ein Böjuer, der erstmals in seiner Heimat Seetal inszeniert.

«Irgendwie möchte ich der Region etwas zurück geben», erklärt Simon Eichenberger (43). Er ist in diesen Tagen in Linz (Österreich) tätig, im Sommer wird er Choreograph bei den Thunerseespielen sein («Io senza te»). Letztes Jahr war er Co-Regisseur mit Rolf Knie bei «Knie – das Circus Musical». Eichenberger bezeichnet sich als «Kreativer». Er sagt: «Ich mache im Schnitt acht Produktionen pro Jahr.»

Regisseur Simon Eichenberger und Co-Regisseur Hannes Muik (l.) am Samstag im Schloss Hallwyl. Simon Eichenberger 2012 als Choreograf von «Titanic» bei den Thunerseespielen.

Regisseur Simon Eichenberger und Co-Regisseur Hannes Muik (l.) am Samstag im Schloss Hallwyl. Simon Eichenberger 2012 als Choreograf von «Titanic» bei den Thunerseespielen.

«De Ring vo Hallwyl» war 1996 ein Publikumsmagnet

Simon Eichenberger wird von Co-Regisseur Hannes Muik (44) unterstützt. Einem Österreicher, der seit drei Jahren in der Schweiz aktiv ist. Als Erstes werden sie jetzt das Buch umschreiben. Denn es ist mittlerweile klar, was in zweieinhalb Jahren aufgeführt wird: «De Ring vo Hallwyl». Eine überarbeitete Fassung des Stücks des Aarauer Regisseurs Peter Voellmy. Er hatte es 1996 und 1997 im Schloss Hallwyl aufgeführt. Alleine im ersten Jahr besuchten 4500 Personen an die 19 Vorstellungen. «De Ring vo Hallwyl» basiert auf einer Sage. «Es ist Mittelalter, es geht um Mord und Totschlag, aber auch um Liebe», erklärt Hannes Muik. Der alte Graf von Hallwyl schickt seinen Sohn in einen Kreuzzug. Er übergibt ihm die Hälfte seines Ringes zum Beweis, dass er der rechtmässige Erbe des Schlosses ist. Kurz vor dem Weggang heiratet der Sohn heimlich seine Verlobte. «Nach vielen Jahren kommt ein Fremder ans Tor und behauptet, der wahre Erbe zu sein ...», schreiben die Theater-Initianten, ohne weiteres zu verraten.

Tribüne mit 350 bis 400 Plätzen im Schlosshof

«De Ring vo Hallwyl» wird im Schlosshof gespielt. Die ursprüngliche Fassung soll etwas dynamischer werden. Ein modernes Theatererlebnis. «Wir haben zudem die Vision, daraus eine Art Mittelalterfest zu machen», erklärt Simon Eichenberger. Im Schlosshof wird es eine Tribüne mit 350 bis 400 Sitzplätzen haben. Die Premiere ist auf den 15. Juni 2022 angesetzt, die Dernière auf den 9. Juli 2022. Es sind mindestens 14 Aufführungen geplant (mit der Option für drei Zusatzaufführungen). Insgesamt werden bis zu 5600 Zuschauer erwartet.

Im Medientext wird die Verpflichtung von Simon Eichenberger als Coup geschildert, «der nicht nur in der Theaterwelt Beachtung finden wird». Das Ganze ist sehr professionell aufgezogen. Das Organisationskomitee wird vom Andi Fey (Seengen) geleitet. Er ist bekannt als TeleM1-Mitarbeiter, Jass-Organisator, Laienschauspieler (dieses Jahr in «Ueli der Pächter» im Freilichttheater Staufberg).

«De Ring vo Hallwyl» wird elf Darsteller (idealerweise Laien aus der Region) haben, die Rollen spielen. Dazu kommen 30 bis 40 Statisten. Das Casting wird im Juni 2021 stattfinden.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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