So viel Eintracht ist selbst im Lenzburger Einwohnerrat selten: Bei der Erhöhung der Stadtratsentschädigung ergab die Schlussabstimmung eine bei Finanzfragen selten zu beobachtende Einstimmigkeit.

Die gewählten Volksvertreter vollzogen dabei nach, was der Souverän mit der sonntäglichen Wiederwahl der fünf Stadträte vorgezeichnet hatte: Man ist zufrieden mit der Regierung – und gewährt ihr eine Lohnerhöhung von fast 12 Prozent.

«Keine Abzocker-Löhne»

«Aus Freude allein bekleidet niemand dieses Amt», hielt Brigitte Vogel (SVP) als Sprecherin der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK) fest.

Marianne Tribaldos (CVP) machte gar einen rhetorischen Ausflug zu den alten Griechen am Anfang der Demokratie: «Ohne Sold würde das Regieren ein Monopol der besitzenden Klasse bleiben.»

In Lenzburg habe man mit der Totalsumme von rund 320 000 Franken einen guten Kompromiss in der Festsetzung der Entschädigung gefunden.

Stephan Weber (FDP) fand den Vorschlag zur Erhöhung «ausgewogen», Vogel «moderat» und für Beatrice Taubert (SP) ist der neue Ansatz immer noch «weit entfernt von Abzockerlöhnen».

Lob erhielt der Stadtrat auch von Michael Häusermann (SVP), doch liess er ein Aber folgen: «Er leistet im Grossen und Ganzen gute Arbeit, aber ist er auch bereit, in den nächsten ein bis zwei Jahren, die Strukturen der Verwaltung einmal zu überprüfen?»

Gute Aussichten

Bei der Diskussion über den Finanzplan 2014 bis 2018 überwogen die positiven Einschätzungen deutlich: GPFK-Präsident Remo Keller (SP) schätzte «die aktuellen Aussichten unglaublich viel besser als in den Vorjahren» ein.

Man sei auf dem «guten und richtigen Weg», aber Euphorie sei noch keinesfalls am Platz: «Es gibt keinen Grund, nun mit der grossen Kelle anzurichten.»

Während Häusermann die erwarteten höheren Steuererträge in den nächsten Jahren mit Genugtuung zur Kenntnis nahm, traut Daniel Fischer (GLP) den optimistischen Prognosen nicht: «Der Stadtrat rechnet damit, dass die erwarteten Neuzuzüger alles Millionäre sind.»

Ein Budget mit Augenmass

Während die Einwohnerräte den Finanzplan und damit die erwartete Investitionsstaffelung nur zur Kenntnis nehmen konnten, wurde es bei der Beratung des Voranschlags 2014 wieder konkreter. Keller attestierte der Finanzabteilung bei der Zusammenstellung der Unterlagen gute Arbeit: «Wir wurden sehr gut dokumentiert.» Es seien nicht mehr viele Punkte offen gewesen; Unklarheiten seien schnell beseitigt worden.

Und inhaltlich habe man eine «zurückhaltende Budgetierung» ausgemacht: «Der Stadtrat hat das nötige Augenmass bewiesen.» 2014 kommt in Lenzburg das Rechnungsmodell HRM2 zum zweiten Mal zur Anwendung; damit würden laut Keller erstmals wieder Vergleiche möglich: «Es gibt immer mehr Klarheit.»

Marianne Tribaldos brachte auch in die Budget-Eintretensdebatte eine philosophische Note. Mit dem Satz «Wieder einmal zeigt sich, dass man nicht den Fünfer und das Weggli haben kann», garnierte sie die Erkenntnis, dass «die Aufgaben der Stadt nicht weniger werden».

Steuerfusssenkung gefordert

Etwas handfester gerieten die Ausführungen von Lea Grossmann (FDP). Die verbesserte Finanzlage der Stadt, die es zulässt, dass die Investitionen mit eigenen Mitteln finanziert werden können, und die in den letzten Jahren verschiedene Begehrlichkeiten, vor allem im sozialen Bereich, befriedigt habe, wecke auch bei ihr eine Begehrlichkeit: Jene nach einer Steuerfusssenkung: Selbst mit einem Steuerfuss von 105 statt wie bisher 108 Prozent «müssten wir nicht in einer verblühten Stadt darben».

Der finanzielle Spielraum würde zwar kleiner, doch scheine eine schrittweise Anpassung ans Kantonsmittel von 104 Prozent verkraftbar. Diesmal sehe man noch von einem Rückweisungsantrag ab, doch erwarte man im nächsten Jahr für das Budget 2015 einen Steuerfuss von maximal 105 Prozent.

Die freisinnige Forderung verpuffte unkommentiert und das Budget 2014 wurde mit 35 zu 2 (GLP-)Stimmen gutgeheissen. Es kommt am 24. November vors Volk.