Lenzburg
Ein Japaner begeistert am Gauklerfestival: "Meine Show ist wie Mathematik"

Am 23. Gauklerfestival in den Altstadtgassen sorgte Yosuke Ikeda für einen Hauch Exotik. Rund 12 500 Personen besuchten den Anlass.

Ann-Kathrin Amstutz
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Yosuke Ikeda zeigte eine neue und mitreissende Mischung aus Pantomime, grafischer und akustischer Kunst.
Yosuke Ikeda zeigte eine neue und mitreissende Mischung aus Pantomime, grafischer und akustischer Kunst.
Am 23. Lenzburger Gauklerfestival begeisterte die Compagnia Bellavita aus Italien das Publikum in der Rathausgasse.
Die Compagnia Bellavita (Italien) begeistert das Publikum in der Rathausgasse am Samstag.
Zaubersyndikat (Deutschland), ein Münzakrobat und ein Finanzanalytiker wirkten zusammen und sorgten für Staunen und Lachen.
Foolpool (Deutschland) trieb unheimliche, stählerner Kreaturen durch die Altstadt.
Izimagic Duo (Italien) verzauberte das Publikum.
Buchfink-Theater (Deutschland): Forget about Batman – ‘Bett-Män’ is bäck! Im rollenden Krankenbett durch die Gassen.
Beim Mobilen Nähatelier (Holland) musste man strampeln, wenn man etwas genäht haben wollte.
double TAKE company (Deutschland), hier die Frau des Teams solo, begeisterte mit Akrobatik in der Rathausgasse.

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Andre Albrecht

Er sieht aus wie ein Londoner Gentleman der 30er-Jahre. Schnurrbart und Glatze, schwarzer Anzug mit Fliege. Doch ein Detail passt nicht. Auf dem Kopf trägt er drei burgunderrote Bowler. Übereinander. Doch schon wirbeln die Hüte durch die Luft, mal von Hand, mal mit dem Fuss in die Höhe spediert.

Der japanische Pantomime und Jongleur Yosuke Ikeda und 23 andere Künstlergruppen zeigten am 23. Lenzburger Gauklerfestival ihr Können. Vom 12. bis 14. August entzückten sie Jung und Alt auf sechs Bühnen in der Altstadt. «Klein, aber fein» - so lautet das Motto des Festivals.

Das Budget von 80 000 Franken ist bescheiden für einen Anlass dieser Dimension. Die Sponsoring-Gelder reichen gerade für die Infrastruktur und für die Unterkunft der Künstler im «Hotel Lenzburg».

Der Einsatz von Organisationskomitee-Mitgliedern und Helfern ist rein ehrenamtlich. «Wir alle sind mit viel Herzblut dabei», bestätigt Präsident Marcel Lüscher. Doch das zahlt sich aus: Das Lenzburger Gauklerfestival ist bei den Artisten sehr beliebt. So trudelten zwischen 200 und 300 Bewerbungen ein, von denen das OK die Wunschkandidaten aussuchen konnte.

Die Kriterien: «Wir möchten einen Mix von Artistik, Musik, Komik und Feuerkunst. Zugleich soll auf den Bühnen etwas Spontanes geschehen, wir wollen keine Kunst aus der Konserve.»

«Meine Show ist wie Mathematik»

Dieser Anforderung wird Yosuke Ikeda mehr als gerecht. Er ist ein klassischer Quereinsteiger und hat auf seinem Weg zum Strassenkünstler einige Umwege eingeschlagen. Bevor er sich ganz dem Künstlerleben verschrieb, arbeitete er als Mathematiklehrer in Japan. Später schrieb er ein Buch und wissenschaftliche Artikel über sein Fachgebiet.

«Auch meine Performance ist ähnlich wie Mathematik», lacht der 41-Jährige. «Jedes Objekt muss genau am richtigen Platz stehen, damit die Gleichung aufgeht.» In seiner Show «Rhythm» überzeugt er mit perfektem Zusammenspiel von Gestik und Musik. Dazu braucht er nicht viel mehr als magnetische Schilder, einen Regenschirm, Lautsprecher und seinen Körper.

«Die Reaktion des Publikums in Europa ist viel stärker als in Japan, es zeigt mehr Emotionen», sagt Ikeda. Für die Auftritte in Europa muss er seine Frau, die nicht gerne reist, monatelang in Japan zurücklassen. «Wir telefonieren jeden Tag. Dank des Internets ist das möglich», sagt Ikeda und lächelt.

Auf die Frage, welche Ziele er noch erreichen möchte, antwortet Ikeda: «Auf einer grossen Theaterbühne stehen. Doch am liebsten spiele ich auf der Strasse, weil da alles sehr nah und unmittelbar passiert.» Diese Nähe und Vielfalt zeichnen das Gauklerfestival aus. Und lassen es Jahr für Jahr zu einem Erfolg werden.

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