Lenzburg

Ein Heer formiert sich: Die Kadetten exerzieren auf der Schützenmatte

Gestern Abend übten die Kadetten für das Freischarenmanöver vom 13. Juli. Das Kadettenkorps war noch nie so gross wie dieses Jahr.

Kinder auf dem Velo, das Gewehr umgeschnallt. An den Mittwochnachmittagen vor dem Jugendfest ein häufiger Anblick in Lenzburg, denn dann üben die Kadetten für das Freischarenmanöver vom 13. Juli.


Noch nie war das Kadettenkorps so gross wie dieses Jahr. 300 Schülerinnen und Schüler in blauen Blusen versammelten sich gestern Nachmittag auf der Schützenmatte. Areesha und ihre Freundin Julie haben sich als Letzte angemeldet und dem Korps zur runden Rekordzahl verholfen. Sie freuen sich auf das Manöver, doch das «Gepäck» sei so schwer und die lange Hose so heiss, sagt Areesha. Der Kolben des an der Schulter hängenden Karabiners reicht der Elfjährigen bis zum Unterschenkel.

Die Lenzburger Kadetten exerzieren auf der Schützenmatte

Die Lenzburger Kadetten exerzieren auf der Schützenmatte

Video-Eindrücke des Spektakels

In einer Woche ist Kaderwahl

Muriel Buri schart den Zug 8 um sich. Buri war 2004 die erste Frau Hauptmann der Kadetten. Sie hat auch schon bei den Ehemaligen am Freischarenmanöver mitgemacht. «Doch mein Herz hat schon immer mehr für die Kadetten geschlagen», sagt sie. Als Instruktorin bringt sie den Kadetten bei, wie man sich einreiht, marschiert und mit dem Gewehr hantiert. Heute schiessen sie zum ersten Mal. Muriel Buri lädt und drückt ab. Der Luftdruck zerfetzt das Papier, das Chef-Instruktor Edgar Kohler vor den Lauf hält. Bevor die Kadetten selber eine verführerisch golden glänzende Patrone einlegen können, folgt deshalb die Anweisung: «Nie auf jemanden ziel...» Der Rest wird von einem gewaltigen Knall verschluckt. Ein kleiner Kadett schreit vor Schreck auf. Die Artillerie ist der Infanterie mit dem ersten Schuss zuvorgekommen.


Die drei Kanonen sind im Gegensatz zu denjenigen der Freischaren nicht historisch, sondern heuer genau 40 Jahre alt. 1978 wurden sie von der Stadt in Auftrag gegeben. Jeweils acht Kadetten gehören zu einem Geschütz. Wie bei den Fusssoldaten können an diesem Nachmittag alle, die aspirieren, das Kommandieren üben. Am 11. Juli findet auf der Schützi die Kaderwahl statt und die Beförderten dürfen mit einem oder gar mehreren Sternen auf dem Hut in die Stadt einmarschieren. Am Manöver werden die Kanonen von Fahrzeugen gezogen, gestern zerrten die Kadetten mit gequälten Blicken an den Geschützen, in der Hitze, auf der Schützi. Beim Stopfen zählen alle zusammen auf zehn. «Ohre zue!» «Feuer!», schreit der aspirierende Zugführer. Auf Rauch folgt Donner.


«Das Schiessen war ein Debakel, aber laufen könnt ihr», sagt ein Instruktor mit Bündner Dialekt zu seinem vorbeimarschierenden Zug. In einer Woche muss das Schiessen klappen, sonst kann die Truppe dem Feind höchstens geordnet davonlaufen.

Meistgesehen

Artboard 1