Normalerweise feiert Jelena Bulavko Weihnachten mit der Familie und in der Kirche. Doch an diesem 7. Januar – dem Weihnachtsfest der orthodoxen Kirche (siehe Box) – verbrachte die Lettin das Fest im Museum Burghalde. Dort ging es nicht minder festlich zu und her. Jelena Bulavko, in Riga geboren und aufgewachsen, entführte mit ihrer Sopranstimme die Besucher in die russische Musikwelt; begleitet von der Pianistin Irina Daniluk. Nikolai Rimski-Korsakow, Pjotr Tschaikowski, Anton Rubinstein. «So kann ich Weihnachten auch geniessen», sagte Jelena Bulavko.

Bereits zum vierten Mal führte das Museum Burghalde die russische Weihnacht durch. «Es ist eine schöne Möglichkeit, unsere Ikonensammlung zu beleben», erklärt Christine von Arx, Museumsleiterin.

Georgierin führte durch Ausstellung

Nebst dem musikalischen Rahmenprogramm wurden die Besucher von der georgischen Kunstmalerin Nina Gamsachurdia durch die russische Ikonensammlung geführt. Die gläubige Orthodoxin zeigte sich überrascht über den grossen Schweizer Anteil der Besucher. «Ich freue mich, dass sich die Schweizer für die russische Weihnacht und die Ikonen begeistern», sagt sie. Oft erhalte sie Ikonen aus Privatsammlungen aus Schweizer Haushalten. Dabei hätten viele keinen Bezug dazu. Aber: «In den 70er-Jahren galten die Ikonen als gute Wertanlage.»

Eine faszinierende Kultur

Warum also besuchen Schweizer die russische Weihnacht im Museum Burghalde? Die 28-jährige Bettina Renner aus Aarau beispielsweise studiert Osteuropa Studien. «Mir gefällt die russische Sprache», sagte sie. Sabine De Vivis aus dem zürcherischen Kilchberg kam vor allem aus Interesse an der Ikonen-Sammlung. Und Marie-Odile Stipsicz, die mit einem Ungarn verheiratet ist, findet die russische Tradition faszinierend. «Es ist eine Urkultur. Ich hoffe aber, dass sich die russische Kirche bald etwas mehr öffnet», sagte sie. Jasna Schönenberger, die Wurzeln in Serbien hat, kam, weil sie das gediegene Ambiente im Museum mag. «Und ich geniesse es, das ich zweimal Weihnachten feiern kann.»

Inzwischen erfreuen sich Jelena Bulavko und Nina Gamsachurdia an den Spezialitäten: Lebkuchen, russischer Gelée, geräucherter Butterfisch und natürlich: Lachs-Kaviar. Ebenfalls beliebt: Birkensaft und der süsse Krim-Sekt, der zum Fest dazugehört, wie Kaviar zu Russland.

Die orthodoxe Kirche ist vor allem im Osten Europas verbreitet. Weihnachten wird jeweils am 7. Januar gefeiert. Dies, weil die orthodoxe Kirche dem von Julius Caesar eingeführten Julianischen Kalender folgt; der Westen dem Gregorianischen. Seit 1900 und bis 2099 besteht zwischen den beiden Kalendern eine Differenz von 13 Tagen. Die Tradition vom Geschenke machen gibt es in der orthodoxen Kirche nicht.