Niederlenz
Ein guter Zwick ist am Chlauschlöpfen bereits der halbe Knall

Gut 170 Geissel-Chlöpferinnen und -Chlöpfer massen sich am 22. Regionalen Wettkampf. Um es gehörig knallen zu lassen, braucht es keinen Sprengstoff: Am Wettkampf in Niederlenz reichte ein Zwick an der Geissel.

Peter Weingartner
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Dieser junge Mann wirkt bei seinem Einsatz als Geissel-Chlöpfer schon recht stilsicher.

Dieser junge Mann wirkt bei seinem Einsatz als Geissel-Chlöpfer schon recht stilsicher.

Peter Weingartner

Chlöpfen ist nicht einfach chlöpfen! Die Jury legt auch Wert auf das Auftreten, die Standfestigkeit, die Bewegung der Füsse und des Oberkörpers. Und der Knall links soll sich vom Knall rechts möglichst nicht unterscheiden. Zudem sollte der Zwick, der Nylonteil an der Spitze, den Boden nicht berühren. «Es ist wie beim Kunstturnen; eine Unschärfe ist drin, aber es ist eine faire Sache», sagt Urs Schwager. Um die Bewertung etwas anzugleichen, justierten die Kampfrichter am Vormittag die Kriterien und deren Gewichtung.

Die Kleinsten sind mit grösstem Eifer dabei, und Urs Schwager sagt ihnen nochmals, worauf es ankommt. Applaus – und einen Preis, eine Wollmütze mit der Aufschrift «Chlauschlöpfe Region Lenzburg» – erhalten sie alle. Das Publikum ist fair, und wer Pech hat wie Laura, deren Seil sich verheddert, bekommt eine zweite Chance. Es ist nicht einfach.

Aus den Ranglisten

MÄNNER - Kat. 1: 2004 und jünger: 1. Janis Graf, Möriken-Wildegg, 2006, 26.55. 2. Yves Bolliger, Lenzburg, 2004, 26.25. 3. Pascal Hossle, Schafisheim, 2004, 25.00.

Kat. 2, 2001 bis 2003: 1. Dominik Schmidlin, Lenzburg, 2001 26.85. 2. Luca Siegenthaler, Seon, 2003, 26.40. 3. Leandro Dössegger, Hallwil, 2001, 26.30.

Kat 3, 1998 bis 2001: 1. Simon Züttel, Egliswil, 1998, 27.75. 2. Robert Lüdi, Hallwil, 1998, 27.70. 3. Raphael Lüscher, Seon, 1998 27.55.

Kat. 4, Jahrgang 1997 und älter: 1. Thomas Wassmer, Rupperswil, 1974, 28.50. 2. Pascal Huser, Seon, 1994, 28.15. 3. Daniel Werren, Egliswil, 1980, 28.05.
FRAUEN - Kat. 1: Jahrgang 2004 und jünger: 1. Kim Schär, Hendschiken, 2004, 23.15. 2. Xenia Brüngger, Möriken-Wildegg, 2004, 22.30. 3. Shanaia Bysäth, Dintikon, 2004, 21.15.

Kat. 2, 2001 bis 2003: 1. Carina Brigger, Niederlenz, 2001 26.70. 2. Lilly Savoy, Seon 2001, 26.35. 3. Martina Schmidlin, Lenzburg 2003 26.00.

Kat 3, 1998 bis 2001: 1. Anna Rohr, Staufen, 1999 27.55. 2. Fabienne Züttel, Egliswil, 2000, 26.50. 3. Lena Reich, Rupperswil, 1999, 24.95.

Kat. 4, Jahrgang 1997 und älter: 1. Theres Graf, Möriken-Wildegg, 1969, 27.80. 2. Nicole Hediger, Seon, 1994, 27.55. 3. Romy Rast, Möriken-Wildegg, 1983 26.70.

40 Jahre Erfahrung

Nicht alle sind so begeistert wie Céline, die heute Montag fünf Jahre alt wird und jüngste Teilnehmerin ist. Die 14-jährige Lina macht mehr aus Pflichtgefühl gegenüber den Eltern mit. Auch Lars, ihr Zwillingsbruder, kommt ins Schnaufen. Eine 3,5 Meter lange Geissel zum Knallen zu bringen, erfordert Kraft.

Dass es sich lohnen kann, sich durchzubeissen, zeigt Theres Graf. «Sie wird wohl gewinnen», sagt Urs Schwager nach ihrem Vortrag, der durch Knallkraft und Gleichmässigkeit besticht. «Ich habe mit vier Jahren angefangen», sagt sie, «und an Weihnachten werde ich 44!»

Robert und Daniel Werren, die Geisselmacher aus Egliswil, wollen sehen, was ihre Produkte wert sind. Der Schreiner und der Müller betreiben ihr Handwerk als Hobby, das sie bei Ernst Lüthi in Lenzburg gelernt haben. Ohne Striemen im Gesicht am Anfang gehe es nicht ab, sagt Christoph Jaberg, ein böser Chlöpfer: «Da muss man durch.» Und am besten schützten Roger-Staub-Mützen.

Brauchtum pflegen

Der Wettkampf ist das eine. Für den Verein ist das Chlöpfe aber auch gesellschaftlich wertvoll. Oder wie Präsident Hanspeter Gehrig aus Ammerswil es sagt: «Das Chlauschlöpfe pflegt ein schönes Brauchtum, zwingt einen in der nasskalten Jahreszeit ins Freie, bringt Leute zusammen.»

Bis zum November 2014 wird nun nicht mehr geklöpft, offiziell. Christoph Jaberg verrät ein Geheimnis: Statt Böllerschüsse erschallen zu lassen, reanimiert er an Silvester und am 1. August seine Geissel: «Der günstigste Knallkörper!»

Stilstudie
9 Bilder
Urs Schwager spricht der jüngsten teilnehmerin Mut zu
Robert und Daniel Werren stellen die Geisseln her
Manuel kämpft
Laura hat Pech mit Verwicklungen
Katrin Bolliger in Aktion
Etwas für den Magen
Auch Mädchen chlöpfen laut
Céline in Aktion

Stilstudie