Chlöpfen ist nicht einfach chlöpfen! Die Jury legt auch Wert auf das Auftreten, die Standfestigkeit, die Bewegung der Füsse und des Oberkörpers. Und der Knall links soll sich vom Knall rechts möglichst nicht unterscheiden. Zudem sollte der Zwick, der Nylonteil an der Spitze, den Boden nicht berühren. «Es ist wie beim Kunstturnen; eine Unschärfe ist drin, aber es ist eine faire Sache», sagt Urs Schwager. Um die Bewertung etwas anzugleichen, justierten die Kampfrichter am Vormittag die Kriterien und deren Gewichtung.

Chlauschlöpfen Niederlenz: Keiner zu klein, ein Geissel-Chlöpfer zu sein.

Chlauschlöpfen Niederlenz: Keiner zu klein, ein Geissel-Chlöpfer zu sein.

Die Kleinsten sind mit grösstem Eifer dabei, und Urs Schwager sagt ihnen nochmals, worauf es ankommt. Applaus – und einen Preis, eine Wollmütze mit der Aufschrift «Chlauschlöpfe Region Lenzburg» – erhalten sie alle. Das Publikum ist fair, und wer Pech hat wie Laura, deren Seil sich verheddert, bekommt eine zweite Chance. Es ist nicht einfach.

40 Jahre Erfahrung

Nicht alle sind so begeistert wie Céline, die heute Montag fünf Jahre alt wird und jüngste Teilnehmerin ist. Die 14-jährige Lina macht mehr aus Pflichtgefühl gegenüber den Eltern mit. Auch Lars, ihr Zwillingsbruder, kommt ins Schnaufen. Eine 3,5 Meter lange Geissel zum Knallen zu bringen, erfordert Kraft.

Dass es sich lohnen kann, sich durchzubeissen, zeigt Theres Graf. «Sie wird wohl gewinnen», sagt Urs Schwager nach ihrem Vortrag, der durch Knallkraft und Gleichmässigkeit besticht. «Ich habe mit vier Jahren angefangen», sagt sie, «und an Weihnachten werde ich 44!»

Robert und Daniel Werren, die Geisselmacher aus Egliswil, wollen sehen, was ihre Produkte wert sind. Der Schreiner und der Müller betreiben ihr Handwerk als Hobby, das sie bei Ernst Lüthi in Lenzburg gelernt haben. Ohne Striemen im Gesicht am Anfang gehe es nicht ab, sagt Christoph Jaberg, ein böser Chlöpfer: «Da muss man durch.» Und am besten schützten Roger-Staub-Mützen.

Brauchtum pflegen

Der Wettkampf ist das eine. Für den Verein ist das Chlöpfe aber auch gesellschaftlich wertvoll. Oder wie Präsident Hanspeter Gehrig aus Ammerswil es sagt: «Das Chlauschlöpfe pflegt ein schönes Brauchtum, zwingt einen in der nasskalten Jahreszeit ins Freie, bringt Leute zusammen.»

Bis zum November 2014 wird nun nicht mehr geklöpft, offiziell. Christoph Jaberg verrät ein Geheimnis: Statt Böllerschüsse erschallen zu lassen, reanimiert er an Silvester und am 1. August seine Geissel: «Der günstigste Knallkörper!»