Das 1. Lenzburger Fotofestival will mit Bildern zeigen, wie sich die Stadt entwickelt hat. Aufnahmen vom Schloss oder der Rathausgasse gibt es aus verschiedenen Dekaden. Doch auch die weniger spektakulären Orte gehören zur Stadt.

Und wer fotografiert schon eine Drogerie, eine Strasse oder eine Baugrube? Die Region Lenzburg hat das Glück, einen Fotografen ihr eigen nennen zu können, der genau dies tat: Armin Nussbaum. Über 20 000 Mal hat er abgedrückt und so seine Umgebung dokumentiert.

Der 2009 verstorbene Armin Nussbaum war Mitarbeiter des Stadtbauamts Lenzburg. Mit dem Elektrowägeli und der Kamera um den Hals war er in der ganzen Stadt unterwegs und hat fotografiert.

Aber nicht wahllos. Nussbaum hatte sich selber die Rolle eines Chronisten auferlegt. Die baulichen Veränderungen der Stadt schienen ihn zu interessieren. «Er fotografierte gern Baugruben», sagt Heiner Halder. Der ehemalige Regionalredaktor übernahm regelmässig Bilder von Armin Nussbaum für die Zeitung, die mit dem Kürzel -an- gekennzeichnet wurden.

Nussbaum nahm seinen selbst ernannten Auftrag als Zeitzeuge ernst und dokumentierte den Verlauf der Baustelle von den Profilen bis zum fertigen Gebäude. Abgesehen von den Fotos für die Zeitung hatte Armin Nussbaum seine Bilder nicht entwickeln lassen. Sein Beitrag war nach dem Festhalten des Motivs erledigt.

Bau und Arbeitskollegen

Armin Nussbaum ist 1919 am Lindenweg geboren worden. Dem Lenzburg nördlich der Bahngeleise blieb er ein Leben lang treu. Mit seiner Frau Julia zog er zwei eigene und sechs Pflegekinder gross.

Auch seine Familie hat er fotografisch festgehalten. Am Foto Festival Lenzburg werden nun erstmals Bilder von Armin Nussbaum ausgestellt. 25 Motive, die das Motto der Ausstellung – im Wandel – besonders gut wiedergeben. Doch damit die Sammlung Armin Nussbaum überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann, war extrem viel Arbeit nötig.

Der Nachlass des Fotografen gelangte an das Museum Burghalde. Zwei Kisten voller Negative und diverse Couverts mit Zeitungsartikeln. Werner Hausmann (84) aus Staufen nahm sich der gewaltigen Aufgabe an, dieses Archiv zu digitalisieren.

«Armin Nussbaum hat jeweils auf den Fotostreifen vermerkt, wo und wann das Bild aufgenommen wurde», sagt Hausmann. Nussbaum sei akribisch vorgegangen und seine Schrift sei auch sehr leserlich gewesen.

Trotzdem gab es Bilder ohne Beschriftung. Werner Hausmann, in Schafisheim aufgewachsen, schaffte es aber dank seiner Lokalkenntnisse, die allermeisten Bilder zu verorten. Ungefähr ein Jahr hat der pensionierte Chemiker damit verbracht, die Bilder zu digitalisieren und zu katalogisieren. In Fronarbeit. «Als ich diesen Auftrag angenommen habe, habe ich nicht damit gerechnet, dass die Bilder veröffentlicht werden», sagt Hausmann

. Es sei ihm darum gegangen, einen Beitrag zur Dokumentation der Entwicklung von Lenzburg zu leisten. «Es freut mich nun umso mehr, dass man etwas macht damit», sagt er. Auch wenn er die meisten Bilder nur kurz gesehen hat, kann er mühelos die Themenschwerpunkte von Armin Nussbaum nennen.

Neben dem Errichten von Gebäuden kommen auch Abbrüche vor; zum Beispiel diejenigen der Restaurants Warteck und Bahnhof. Der Bau des Mülimärts und des neuen Bahnhofs hat er ebenfalls fotografiert. Aber auch Menschen. Neben seiner Familie hat Nussbaum auch den Arbeitsalltag mit seinen Kollegen dokumentiert. Stadtoriginal Tori sei auf vielen Bildern zu sehen, sagt Hausmann.

Ein Reporter für die Stadt

Seit 2010 gehört der Nachlass von Armin Nussbaum zum Archiv des Museums Burghalde. «Für die Stadt ist das Archiv von grosser Bedeutung», sagt Marc Seidel, der für die Sammlung verantwortlich ist.

«Wir sind froh um Wissensträger. Armin Nussbaum hat mit seinen Bildern fast 50 Jahre Stadtgeschichte dokumentiert.» Das Wissen, das die Bilder vermitteln, soll auch nach der Fotoausstellung genutzt werden. Deshalb werden die Fotos in die neue Dauerausstellung des Museums Burghalde aufgenommen und auch online zugänglich gemacht.

Schade, dass Armin Nussbaum nicht mehr erlebt, wie sein Werk öffentlich wird. «Er war immer stolz, wenn seine Fotos in der Zeitung erschienen», sagt Heiner Halder. Armin Nussbaums Bilder sind einzigartig.

Nicht, weil er ein ausserordentlicher Künstler war. Zwar hat er im Laufe der Jahre eine eigene Bildsprache entwickelt, Vorlieben für gewisse Motive und Einstellungen ausgeprägt. Doch hauptsächlich war er Reporter und hat festgehalten, was sonst vergessen und verloren gegangen wäre.