Ein fast perfekter Abschied

In Möriken-Wildegg brachte Hans-Jürg Reinhart an seiner letzten Gemeindeversammlung wichtige Geschäfte durch.

Urs Helbling
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Die Entspannung ist ihm anzusehen: Hans-Jürg Reinhart (l.) geniesst die Standing Ovations. Daneben Markus Eichenberger. «Qualitäts- und niveauvoller, bezahlbarer Wohnraum»: Architektin Sara Spiro über ihr Projekt in Alliswil. Das Gebäude ist für Seetal das ungewohnt lang.
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Die Entspannung ist ihm anzusehen: Hans-Jürg Reinhart (l.) geniesst die Standing Ovations. Daneben Markus Eichenberger. «Qualitäts- und niveauvoller, bezahlbarer Wohnraum»: Architektin Sara Spiro über ihr Projekt in Alliswil. Das Gebäude ist für Seetal das ungewohnt lang.

Die Entspannung ist ihm anzusehen: Hans-Jürg Reinhart (l.) geniesst die Standing Ovations. Daneben Markus Eichenberger. «Qualitäts- und niveauvoller, bezahlbarer Wohnraum»: Architektin Sara Spiro über ihr Projekt in Alliswil. Das Gebäude ist für Seetal das ungewohnt lang.

Bild: Urs Helbling Bild: zvg saraspiro sa, Zürich

Am Montagabend um 22.36 Uhr ging in Möriken-Wildegg eine Ära zu Ende. Hans-Jürg Reinhart (63, SVP) hatte eben seine letzte Gemeindeversammlung geschlossen. Es war seine 20. als Gemeindeammann. Im Februar 2003 ist er, wie ihn Vizeammann Markus Eichenberger würdigte, mit einem Glanzresultat in den Gemeinderat gewählt worden. Ab 2010 war er Ammann. Reinhart habe an 425 Gemeinderatssitzungen teilgenommen. Und danach, so verriet Eichenberger, insgesamt 250 Liter Bier (jeweils zwei Stangen) und gefühlte 800 Cervelats in Form von Wurst-Käse-­Salat gegessen.

Mit 108 zu 54 Stimmen für 100 neue Parkplätze

Seine Gemeinderatskollegen schenkten dem Alpinisten Reinhart einen Gutschein für die Besteigung des Rimpfischhorns, einem Viertausender ob Zermatt. Und von den Stimmbürgern (anwesend waren 165 von 2897) gab’s Standing Ovations – und einen kleinen Tolgen im Reinheft. Reinhart brachte zwar nochmals einige sehr wichtige Geschäfte durch, etwa den Umbau der ÖV-Drehscheibe Bahnhof Wildegg oder den Neubau von 100 Parkplätzen, doch bei der Rechtsformänderung der Regionalen Technischen Betriebe (RTB)gab’s eine bittere Niederlage. Mit 82 zu 54 Stimmen lehnte der Souverän die Umwandlungen in eine Aktiengesellschaft ab – wie schon im Juni 2019. Aus Angst vor höheren Stromtarifen und wegen des drohenden Demokratieverlustes sprachen sich die Stimmbürger mit 129 zu 1 für die Beibehaltung der Rechtsform des Gemeindeverbandes aus.

Für den Gemeinderat Möriken-­Wildegg wird es jetzt eine Knacknuss sein, sich mit dem anderen RTB-Aktionär Niederlenz, der sich 2019 klar für eine Aktiengesellschaft ausgesprochen hat, zu finden. Immerhin ist die voraussichtlich künftige Frau Gemeindeammann (Wahl am kommenden Sonntag) bereits mit der Materie vertraut. Jeanine Glarner (FDP) hat das RTB-Traktandum an der Gemeindeversammlung vertreten.

Alle anderen Geschäfte, etwa das auf einem Steuerfuss von 94 Prozent basierende Budget 2021, wurden vom Souverän genehmigt. Am meisten Gegenstimmen (108 Ja zu 54 Nein) gab es beim 1,09 Mio. Fr. teuren Bau des Parkplatzes Mitteläsch. Und der Gemeinderat erhielt den Auftrag, den Fussweg in Richtung Schloss von der Süd- auf die Nordseite der Strasse zu verlegen und ihn besser auszubauen.