Lenzburg
«Ein Erotikstudio ist kein Rotlichtmilieu»

Das Postulat von EVP/CVP gegen ein Rotlichtmilieu im Westen findet beim Einwohnerrat kein Gehör.

Ruth Steiner
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Die Beschwerden richten sich gegen die Pläne, in dieser Liegenschaft ein Erotikstudio zu betreiben.

Die Beschwerden richten sich gegen die Pläne, in dieser Liegenschaft ein Erotikstudio zu betreiben.

Mario Heller

Der Einwohnerrat folgte dem Antrag des Stadtrates und hat in seiner gestrigen Sitzung die Überweisung des im letzten Herbst eingereichten Postulats von EVP/CVP zur «Entwicklung Lenzburg West» einstimmig abgelehnt.

Die Vorgeschichte: Zwei Baugesuche für ein Erotikstudio und eine Disco (beide sind derzeit noch hängig), die an der Industriestrasse eröffnet werden sollten, hatten Bewohner im Westquartier in die Sätze gebracht: Mit 350 Unterschriften kämpften sie im letzten Jahr gegen die anstehenden Veränderungen im Quartier. Es könne sich dort eine Parallelgesellschaft entwickeln, wurde befürchtet. Mit dem vorliegenden Postulat erhielten sie auf der politischen Ebene Sukkurs von der EVP/CVP .

Der Stadtrat begründete seine ablehnende Haltung nun damit, mit der anstehenden Gesamtrevision der Nutzungsplanung werde die Entwicklung der Stadt und der Quartiere, auch des Westens, in den kommenden Jahren sowieso geklärt.

Gestern Abend mochte niemand das Postulat überweisen. Auch die Postulanten nicht mehr: Marcel Spörri (EVP) und Sabine Sutter (CVP) erklärten, die Begründungen des Stadtrates seien plausibel. Hingegen äusserte sich Spörri enttäuscht darüber, dass «die Befürchtungen der Anwohner nicht oder nur teilweise aufgenommen wurden». Die Gegend westlich des Bahnhofs sei ein sehr wichtiges Entwicklungsgebiet in den kommenden zehn Jahren, dessen Attraktivität mit einem Bordell steigern zu wollen, sei definitiv der falsche Weg, befand Spörri. Für die Sozialdemokraten sind diese Ängste übertrieben. «Discos und Erotikstudios sind Teil unserer Gesellschaft», sagte Sprecherin Linda Kleiner. Ins gleiche Horn blies die SVP. «Ein Erotikstudio ist noch kein Rotlichtmilieu», befand Michael Häusermann. Und er verwies auf die Situation im benachbarten Schafisheim, «wo das Miteinander der Bevölkerung und derartigen Einrichtungen bestens funktioniert». Häusermann rief die Bevölkerung aus dem Westquartier auf, aktiv bei der künftigen Entwicklung des Quartiers mitzuarbeiten. Die sei schon bald beim öffentlichen Bereich des Schulareals im Lenzhard möglich.

Alle Geschäfte angenommen

Auch die übrigen Geschäfte wurden gutgeheissen: Der Werkhof erhält ein neues Salzsilo (az vom 12. 3.) und die Schulanlage Lenzhard eine neue Heizungssteuerung für 180 000 Franken.