In immer mehr Verwaltungsbereichen arbeiten immer mehr Gemeinden zusammen. Meisterschwanden geht nun bei den Sozialdiensten den umgekehrten Weg. Der Gemeinderat beantragt an der Sommer-Gemeindeversammlung den Austritt aus den sozialen Organisationen des Bezirks und den Aufbau einer neuen kommunalen Verwaltungsabteilung Sozialdienst.

Grösserer administrativer Aufwand

Verschiedene interne und externe Faktoren haben den Meisterschwander Gemeinderat dazu bewogen, diesen aussergewöhnlichen Schritt zu machen. Zum Ersten hat eine Verwaltungsanalyse im letzten Jahr «Handlungsbedarf im sozialen Bereich» ans Licht befördert, so die zuständige Gemeinderätin Ariane Roth an einer Medienorientierung.

Zudem hat das Aargauer Stimmvolk eben erst die Ausgestaltung der vom Bund verfügten Neuerungen im Kindes- und Erwachsenenschutzrecht (KESR) geregelt. Dies bedeutet für die Gemeinden voraussichtlich einen zusätzlichen administrativen Aufwand für die Recherche und Erstellung der sogenannten Amts- und Sozialberichte zuhanden der neuen Gerichtsabteilungen.

Der Meisterschwander Gemeinderat ist nach einer Variantenanalyse zum Schluss gekommen, dass «der Aufbau einer eigenen Struktur…die bürgernähere Lösung darstellt», wie in einem Flugblatt festgehalten wird, das dieser Tage in alle Haushaltungen gestreut wurde.

130 bis 150 Stellenprozente

Hier ist weiter nachzulesen, dass ab 2013 eine neue Fachabteilung unter dem Dach der Gemeindeverwaltung, für die dereinst im neuen Gemeindehaus im Dorfzentrum die nötige Infrastruktur bereitstünde, sich um den Kindes- und Erwachsenenschutz (bisher Amtsvormundschaft) sowie die Jugend-, Ehe- und Familienberatung kümmern würde. Die Mütter- und Väterberatung würde zwar im Dorf angeboten, aber wie bisher vom neuen Gemeindeverband des Bezirks eingekauft.

Mit diesem «umfangreichen Dienstleistungsangebot vor Ort» könne, so ist der Gemeinderat überzeugt, «eine gewisse Präventivwirkung und eine schnellere Reaktionszeit erreicht» werden. Gemäss Gemeinderätin Roth wird die neue Verwaltungsabteilung mit 130 bis 150 Stellenprozenten dotiert.

Kein Affront gegen den Bezirk

Meisterschwanden ist die einzige Gemeinde im Bezirk, die nicht dem neuen Verband beitreten will. «Das hängt nicht mit fehlendem Vertrauen zusammen», so Ariane Roth, «wir haben uns einfach für die beste Lösung für unser Dorf entschieden.»

Im Flugblatt steht weiter, dass der Gemeinderat an der Sommergmeind beide Varianten (eigene Lösung und Beitritt zum Gemeindeverband) zur Abstimmung vorlegen werde. Zudem stehe man «weiterhin hinter dem Bezirk mitsamt seinen zukunftsweisen Projekten».