Beinwil am See

Ein Beinwiler segelt im Mittelmeer hinter Delfinen und Walen her

Daniel Thut segelt nicht nur auf dem Hallwilersee. Auf einem Mittelmeer-Törn mit «OceanCare» merkte er, wie wenig Delfine es gibt. Nina Amann

Daniel Thut segelt nicht nur auf dem Hallwilersee. Auf einem Mittelmeer-Törn mit «OceanCare» merkte er, wie wenig Delfine es gibt. Nina Amann

Der Hallwilersee hat bekanntlich nur einen Delfin und der steht an Land: das Restaurant in Meisterschwanden. Im Mittelmeer hingegen schwimmen richtige Delfine – und denen segelt der Beinwiler Daniel Thut dieses Jahr bereits zum zweiten Mal hinterher.

Vergangenen Sommer hat sich der Skipper an ein Abenteuer gewagt. Daniel Thut und seine Frau Renate nahmen an einem Meeresforschungs-Segeltörn der Organisation OceanCare im Mittelmeer vor Südfrankreich teil: er als Skipper, sie als Helferin.

Ziel dieser Expedition war es, für eine Langzeitstudie die Delfine und Wale vor der südfranzösischen Küste zu zählen und ihre Lebensraums zu untersuchen. Auf den Forschungsschiffen wird jeweils ein Meeresbiologe von Freiwilligen in der Tierbeobachtung unterstützt.

Daniel Thut ist Segler mit Leidenschaft. Seit seinem ersten Törn im Jahr 1994 hat der Segellehrer der Segelschule Hallwilersee über 11 000 Seemeilen zurückgelegt. «Zusammengezählt war ich schon über 60 Wochen auf dem Meer», sagt Thut.

Verschmutzung und Lärm

«Auf meinen privaten Törns habe ich festgestellt, dass ich immer weniger Delfine sehe», sagt Thut.

Als Skipper bei OceanCare konnte er diesem Mysterium hautnah nachgehen und seine Beobachtungen haben sich letzten Sommer bestätigt: «Wir haben kaum Delfine oder Wale gesehen», sagt er.

Zwei andere Dinge seien ihm aber umso mehr aufgefallen: der durch Schnellbote, Berufsschifffahrt und Unterwassersonare verursachte Unterwasserlärm und die Meeresverschmutzung. «Wir haben sogar ein Sofa aus dem Meer gezogen», sagt Thut. Da sei ihm schnell klar geworden, warum es immer weniger Wassersäugetiere gibt.

Daten werden dokumentiert

Auf den Törns von OceanCare wird jede einzelne Tiersichtung mit Zeit und Ort dokumentiert. Auch Plankton- und Wasserproben nehmen die Hobby-Meeresforscher.

Mit einem Unterwassermikrofon hat Thut neben den störenden Geräuschen das Klicken der Pottwale gehört. «Wenn das Klicken aufhört, tauchen die Pottwale auf, dann heisst es: Ausschau halten», erklärt er.

Einen Pottwal hat er nicht gesehen, aber mit Delfinen zu segeln sei ein unbeschreibliches Gefühl.

«Ich kann nicht verstehen, wie der Lebensraum der Delfine und Wale so rücksichtslos zerstört wird», sagt Thut. Sein Engagement sei ein kleiner Schritt, die Menschen für den Schutz der Tiere zu sensibilisieren.

So hofft er, auf seinem nächsten Törn mit OceanCare im Sommer mehr Delfine und Wale zu sehen.

Über OceanCare

OceanCare ist eine politisch unabhängige Non-Profit-Organisation mit Sitz in Wädenswil. Seit 1989 setzt sie sich mit Forschungs- und Schutzprojekten und Umweltkampagnen für den Schutz von Meeressäuern und deren Lebensraum ein.

OceanCare arbeitet eng mit Wissenschaftlern zusammen und kann wichtige Themen in internationalen Konferenzen einbringen. Der Verein zählt 2500 Mitglieder und 30000 Gönner.

Meistgesehen

Artboard 1