Boniswil

«Ein Bau mit Zürich-Dimensionen»: Projekt spaltet die Bevölkerung

Der Boniswiler Ortsteil Alliswil ist zum Diskussionspunkt geworden.

Der Boniswiler Ortsteil Alliswil ist zum Diskussionspunkt geworden.

Das geplante Bauprojekt im Weiler Alliswil sorgte an der Gemeindeversammlung in Boniswil für Diskussionen. Geprüft ist das Projekt erst formell.

Staumauer. So wird die geplante Überbauung mit 29 Wohnungen mittlerweile im Dorf genannt. Das Bauprojekt ist mit Emotionen verbunden. Der Gemeinderat orientierte zu diesem Thema am Dienstagabend unter «Verschiedenes» an der Gemeindeversammlung. «Es ist ein laufendes Verfahren, der Gemeinderat wird sich an den gesetzlichen Ablauf halten», erklärte Ammann Gérald Strub. Die Behörde habe ausserdem entschieden, die kantonale Fachstelle für Ortsbildschutz zur Beratung beizuziehen. In der anschliessenden emotionalen aber nicht hitzigen Diskussion war den Votanten vor allem eines anzumerken: Ein Bau mit der Länge von 98 Metern ist im Dorfteil Alliswil nicht erwünscht.

«Der Bau in Alliswil ist keine Wohneinheit sondern eine Mauer, und die spaltet die Bevölkerung schon jetzt», sagte ein Votant. «Wenn wir das Projekt ‹Staumauer› realisieren, dann gibt es kein Zurück mehr», ergänzte ein anderer. Er sieht den Entscheid als wegweisend für zukünftige Projekte an. «Macht nicht aus einem Filetstück wie Boniswil eine Wurst», sagte er. Ein weiterer Votant wies dem geplanten Projekt gar die passende Grösse für eine Stadt zu: «Dieser Bau hat Zürich-Dimensionen und keine für ein Dorf», so der junge Mann. Es sei klar, dass die Bauherrschaft hier probiere, die Grenzen auszutesten. «Damit am Ende das Maximum rausgeholt werden kann.»

Gemeinderat darf sich nicht zur Partei machen

Ebenfalls bemängelt wurde auch die Haltung des Gemeinderates zu diesem Projekt. Diese sei neutral, wie Gérald Strub sagte: «Die Behörde ist dafür zuständig, dass die Bauvorschriften eingehalten werden. Der Gemeinderat darf im angelaufenen Baugesuchsverfahren heute nicht für oder gegen das Bauvorhaben Stellung beziehen sonst macht er sich befangen», sagte er. «Da müssen die Boniswiler gegen einen Bau kämpfen und der Gemeinderat steht einfach nur daneben», drückte ein Votant sein Unverständnis aus.

Gemeindeschreiber Rudolf Holliger erklärte daraufhin den rechtlichen Verfahrensablauf: «Der Gemeinderat darf sich jetzt nicht zur Partei machen, da er über das Baugesuch entscheiden wird. Wenn er hier und heute seine Meinung zum Projekt äussert, wird jemand anders über das Projekt befinden, nämlich der Kanton.» Das Baugesuch ist jedoch erst formell geprüft, nicht materiell.» Heisst: Die Prüfung, ob das geplante Bauprojekt allen gesetzlichen Bestimmungen entspricht, steht noch aus.

«Bautätigkeit darf nicht ausser Kontrolle geraten»

Gérald Strub erklärte den Anwesenden zudem, dass das Baugesuch durch den Souverän nicht mehr gekippt werden könne: «Es ist nicht möglich, heute mit einem Gemeindeversammlungsbeschluss rückwirkend das Baugesuch zu verhindern.» Wer mit dem Bau nicht einverstanden sei, müsse dagegen eine Einwendung erheben. Dies wurde von den Votanten nicht bestritten. «Die Bautätigkeit darf in Boniswil nicht ausser Kontrolle geraten», sagte ein weiterer Votant. «Unsere Bau- und Nutzungsordnung ist relativ neu und zu lasch», sagte er. «Es muss verhindert werden, dass nahe am See solche Gebäuderiegel entstehen können.»

Aus diesem Grund stellte er einen Überweisungsantrag an den Gemeinderat, welcher eine Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) fordert. Dies mit der Stossrichtung, dass in dem Gebiet von Bonsiwil, welches im Bundesinventar für schützenswerte Landschaften und Naturdenkmäler liegt, keine Gebäude in dieser Grössenordnung realisiert werden dürfen. Der Antrag wurde vom Souverän mit einer grossen Mehrheit gutgeheissen. Das heisst, der Gemeinderat muss die verlangte BNO-Teilrevision an der nächsten Gemeindeversammlung traktandieren. Über den Inhalt der allfälligen BNO-Änderungen kann erst später, nach der Vorprüfung durch den Kanton und zwei Auflageverfahren, abgestimmt werden.

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